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UKE-Studie: Jüngere Kinder infizieren sich seltener mit Coronavirus

  • Seit Beginn der Pandemie haben sich nur wenige Kinder mit dem Coronavirus infiziert.
  • Die Wissenschaft rätselt, woran das liegen könnte.
  • Eine Studie aus Hamburg deutet nun darauf hin, dass das Alter der Kinder eine große Rolle spielen könnte.
Michèle Förster
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Kinder stehen im Zusammenhang mit Covid-19 nicht erst seit der Studie des bekannten Virologen Christian Drosten im Interesse der Forschung. Denn nach wie vor ist nicht endgültig geklärt, welche Rolle sie im Infektionsgeschehen spielen. In der einer Studie untersucht das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), wie häufig Kinder an Covid-19 erkranken und welche Auswirkungen Vorerkrankungen auf den Infektionsverlauf haben. Die Daten deuten darauf hin, dass das Alter von Kindern eine große Rolle beim Infektionsrisiko spielt.

Keine akuten Fälle, kaum Antikörper

Rund sechs Wochen nach dem Beginn der Studie liegen nun erste Zwischenergebnisse vor. Bei keinem der 3107 untersuchten Kinder und Jugendlichen im Alter von null bis 18 Jahren konnte mittels Nasen-Rachen-Abstrich (PCR) eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen werden. “Das bedeutet, dass die Lockdown-Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen in Hamburg erfolgreich waren”, erklärte Prof. Dr. Ania Muntau, Direktorin der Kinder- und Jugendmedizin des UKE, bei der Pressekonferenz.

Bei 2436 Kindern wurde zusätzlich ein Antikörperbluttest der Firma Rosch durchgeführt. Lediglich 36 Kinder und Jugendliche hatten bereits Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet, was auf eine frühere Infektion mit dem Coronavirus hinweist. “Erste Auswertungen zeigen, dass nur 1,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen Antikörper gebildet haben und wir weit von einer Herdenimmunität entfernt sind”, so Muntau.

Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), gibt eine Pressekonferenz über ein Zwischenergebnis der Studie C19.Child. © Quelle: Georg Wendt/dpa
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Mehr soziale Kontakte, mehr Infektionen

Auffällig sei zudem, dass die positiv getesteten Kinder überwiegend älter als der Durchschnitt der Studienteilnehmer waren – dieser lag bei 7,4 Jahren. In der Altersgruppe von null bis neun Jahren gab es ein Prozent positive Antikörpernachweise – in der Altersgruppe der Zehn- bis 18-Jährigen waren es bereits 2 Prozent. Die Gründe dafür könnten ebenfalls die Lockdown-Maßnahmen sein, erklärte Muntau. “Das kann damit zusammenhängen, dass Kinder mit zunehmendem Alter einen größeren Radius und eine vermehrte Kontaktaktivität nach außen haben.”

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In Hinblick auf die Kitaöffnungen in vielen Bundesländern, die unter Umständen dazu führen könnten, dass es unter den Kindern vermehrt zu Neuinfektionen kommt, empfiehlt Prof. Muntau ein konsequentes Monitoring durch, wie es derzeit bereits an 60 Kitas in Hessen durchgeführt wird. Rachenabstriche seien zwar eine gute Idee, jedoch würden diese Tests immer nur eine Momentaufnahme abbilden.

Je älter, desto höher die Ansteckungswahrscheinlichkeit?

Die Wahrscheinlichkeit, einen positiven Antikörpertest zu haben, steigt bei den Kindern der C19.CHILD Hamburg-Studie mit zunehmendem Alter, und zwar mit jedem Lebensjahr um 8 Prozent. “Wir sehen hier einen ganz klaren Alterstrend”, heißt es dazu von der Studienleiterin. Je jünger die Kinder seien, desto weniger Antikörper wären vorhanden. Einen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern konnten die Mediziner übrigens nicht feststellen.

Kinder mit Vorerkrankungen erkranken seltener an Covid-19

Unter den bisherigen Studienteilnehmern befanden sich auch 964 Kinder und Jugendliche mit chronischen Vorerkrankungen, darunter Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Nierenerkrankungen. “Interessanterweise sehen wir einen Unterschied in der Häufigkeit des Antikörpernachweises zwischen den beiden Gruppen mit und ohne Vorerkrankungen”, erklärte Prof. Muntau. Bei Kindern mit Vorerkrankungen konnten bei einem Prozent Antikörper nachgewiesen werden, bei Kindern ohne Vorerkrankungen waren es sogar 1,7 Prozent.

Den Grund dafür wolle man im weiteren Verlauf der Studie untersuchen. Die positiv getesteten Kinder werden in einer Follow-up-Phase über einen Zeitraum von sechs Monaten weiter begleitet. Bei den positiv aus Antikörper getesteten Kindern und Jugendlichen wurden zusätzlich die Geschwister und Eltern getestet, um mögliche Übertragungswege nachzuvollziehen. Dabei zeigte sich, dass 25 der 91 Erwachsenen ebenfalls Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hatten.

Ob Kinder deshalb weniger ansteckend seien als Erwachsene, könne mit der Lockdown-Studie jedoch nicht beantwortet werden. Die Studie läuft noch bis Ende Juni an allen Hamburger Kinderkliniken. Dabei soll unter anderem der Frage nachgegangen werden, welche der chronisch erkrankten Kinder zur Risikogruppe gehören.

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