Überraschende Einladung zur Corona-Impfung: Was kann der Grund sein?

  • Seit einigen Wochen werden gesetzlich Versicherte immer wieder von Einladungen zur Corona-Impfung überrascht.
  • Es werden dabei auch viele Personen angeschrieben, die wegen ihres Alters noch nicht an der Reihe wären und keine bekannten Vorerkrankungen haben.
  • Der Grund können unbekannte Diagnosen sein. Gewissheit bringt eine Anfrage bei der Krankenkasse.
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Manche gesetzlich Versicherte wurden in den vergangenen Wochen zur Corona-Impfung eingeladen und waren davon überrascht, weil sie eigentlich nicht zur Gruppe der Priorisierten gehörten. Wer eingeladen wird, obwohl er aufgrund seines Alters noch nicht an der Reihe wäre, kann ohne sein Wissen als Person mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe eingestuft worden sein. Das kann an unbekannten oder sogar falschen Diagnosen liegen, die in den Unterlagen der gesetzlichen Krankenversicherung festgehalten sind.

Um auszuwählen, wer angeschrieben wird, werden Abrechnungsdaten der Krankenkassen mit einer Liste von coronarelevanten Vorerkrankungen verglichen, die der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zusammengestellt hat. Ohne Einladung würden die Betroffenen ein ärztliches Attest benötigen, dass die Vorerkrankung bestätigt: Die Einladung soll dieses überflüssig machen.

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Wenn die Einladung aber völlig überraschend kommt, weil keine Vorerkrankung bekannt ist, kann das verschiedene Gründe haben: Entweder war dann den Versicherten selbst nur nicht klar, dass sie an einer Vorerkrankung leiden, weil ihre Ärzte und Ärztinnen das nie deutlich kommuniziert haben. Eine Möglichkeit ist theoretisch auch, dass ein Arzt oder eine Ärztin womöglich Diagnosen an die Versicherung gemeldet hat, die nicht zutreffend sind – um mehr Geld für die Behandlung zu bekommen, also Abrechnungsbetrug zu begehen.

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Unbekannte Diagnosen können Folgen haben

Es muss dabei auch nicht unbedingt eine echte Krankheit dokumentiert sein. So könnten in Niedersachsen nach einem Bericht des NDR erhöhte Leberwerte genügen, damit jemand angeschrieben wird, weil laut Infektionsschutzgesetz bei einer chronischen Lebererkrankung Anrecht auf eine frühere Impfung besteht. Auf den Schreiben wird der genaue Grund für die Einladung nicht vermerkt. Man wird lediglich darüber informiert, dass man wegen einer Vorerkrankung impfberechtigt ist.

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Für Betroffene können unbekannte Diagnosen in jedem Fall schwerwiegende Folgen haben, auch wenn sie sich für den Moment vielleicht über die Impfeinladung freuen. Darauf weist die unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) in einer Pressemitteilung hin.

Bei Krankenkasse Patientenquittung anfordern

Bei einer Verbeamtung könne eine unbekannte Diagnose beispielsweise „ein echter Karrierekiller sein“, warnt Heike Morris, juristische Leiterin der UPD. Auch bei einem Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder bei dem Versuch, von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung zu wechseln, könnten unbekannte Diagnosen zum Problem werden. Die Versicherer können Anträge deswegen ablehnen oder höhere Beiträge verlangen. Wenn jemand seine Diagnose bei Antragstellung nicht angibt, weil er oder sie sie selbst nicht kennt, kann das außerdem später als Täuschungsversuch ausgelegt werden.

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In jedem Fall empfiehlt die UPD, der Sache auf den Grund zu gehen. Dafür muss man bei seiner Krankenkasse die sogenannte Patientenquittung anfordern. Aus dieser wird ersichtlich, für welche Diagnosen genau Ärzte und Ärztinnen eine Behandlung abgerechnet haben. Laut UPD haben Patienten und Patientinnen nicht nur das gesetzlich verbriefte Recht auf Ausstellung der Patientenquittung, sondern können auch möglicherweise falsche Diagnosen in den Abrechnungsunterlagen der Krankenkasse korrigieren lassen. Die UPD bietet hierzu eine kostenlose Beratung an.

In einigen Fällen verbarg sich übrigens weder eine unbekannte noch eine falsche Diagnose hinter den Impfeinladungen: So wurden in Niedersachsen Einladungen schlichtweg aus Versehen an junge, völlig gesunde Personen verschickt.

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