Dramatische Corona-Lage in Tschechien: So reagieren die deutschen Nachbarländer

  • In Tschechien spitzt sich die Lage aufgrund Tausender Corona-Neuinfektionen in den Krankenhäusern zu.
  • Deutsche Nachbarländer sollen Patienten aufnehmen, während Österreich die Grenzen teilweise schließt.
  • Bayern möchte seine Testpflicht für Pendler wieder einführen.
Anzeige
Anzeige

Prag. Tschechien hat derzeit mit hohen Corona-Zahlen zu kämpfen. Die 7-Tage-Inzidenz des Landes liegt derzeit bei 829. Am Mittwoch verzeichneten die Behörden innerhalb eines Tages 10.725 neue Corona-Fälle. Insgesamt gibt es im deutschen Nachbarland – mit rund 10,7 Millionen Einwohnern – 855.600 Corona-Fälle, 13.656 Infizierte starben in Folge einer Infektion (Stand: 14.01., 7.49 Uhr).

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Kaum noch Betten in Karlsbad frei

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

In den tschechischen Grenzregionen zu Deutschland ist die Lage in den Krankenhäusern äußerst angespannt. In der Verwaltungsregion Karlsbad (Karlovy Vary) war am Mittwoch nach Angaben des Gesundheitsministeriums nur noch ein einziges Bett für Covid-19-Intensivpatienten frei. In der Region um Liberec (Reichenberg) an der Grenze zu Sachsen waren noch zwei Betten verfügbar. Schwierig ist auch die Lage im Krankenhaus der Grenzstadt Cheb (Eger). Nachdem dort ein Arzt Alarm geschlagen hatte, wurde ein Teil der Patienten in andere Einrichtungen verlegt.

Deutschland soll Corona-Kranke aufnehmen

Innenminister Jan Hamacek hält Behandlungen im Ausland jedoch derzeit nicht für erforderlich. Zu Hilfsangeboten aus Deutschland sagte der Sozialdemokrat, es sei einfacher, Patienten innerhalb Tschechiens zu verlegen. In anderen Regionen gebe es noch Kapazitäten.

Derweil rief der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, die Bundesregierung auf, tschechischen Corona-Kranken mit der Unterbringung in deutschen Krankenhäusern zu helfen. Die Lage sei insbesondere in den Grenzgebieten dramatisch.

Anzeige

Deutsche Nachbarn Tschechiens haben hohe Fallzahlen

Anzeige

Auch in den deutschen Nachbarländern Tschechiens, Sachsen, Bayern und teils Thüringen, sind die Corona-Zahlen hoch. Als ein Grund werden die offenen Grenzen ausgemacht. Abhilfe sollen Testpflichten schaffen. Laut „Leipziger Volkszeitung“ (LV) kündigte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig an, dass für ausländische Arbeitnehmer aus Tschechien und Polen ab dem 18. Januar verbindliche Corona-Tests eingeführt werden. „Wir wollen Firmen, die mit Pendlern zusammenarbeiten unterstützen“, sagte er. Auch Tests, die in Polen und Tschechien durchgeführt werden, würden anerkannt werden. Sächsische Firmen sollen dabei finanzielle Hilfen erhalten.

Um das Pendeln zu reduzieren zahlt Sachsen Arbeitgebern außerdem seit Mitte Dezember Geld. Chefs, die Pflegekräfte aus Tschechien und Polen in Deutschland unterbringen, erhalten 40 Euro pro Übernachtung.

Nachbarland Österreich schließt bereits ab Donnerstag laut einer neuen Verordnung 45 kleinere Grenzübergänge zur Slowakei und nach Tschechien.

Bayern will Testpflicht wieder einführen

Auch Bayern hatte bereits eine Testpflicht, die wieder gekippt wurde. Doch in Kürze soll wieder eine wöchentliche Corona-Testpflicht für Berufspendler aus dem Ausland eingeführt werden. Mit einer neuen Einreise-Quarantäneverordnung des Bundes werde dafür voraussichtlich noch in dieser Woche die Möglichkeit geschaffen, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Auf dieser Grundlage werde man das schon einmal praktizierte Modell wiederbeleben.

Anzeige

Ende Oktober mussten Pendler, die regelmäßig mindestens einmal wöchentlich nach Bayern einreisten, entweder zu Berufs- oder zu Ausbildungszwecken, den zuständigen Behörden regelmäßig einmal pro Woche einen negativen Corona-Test vorlegen. Die Maßnahme zielte vor allem auf Berufspendler aus Österreich und Tschechien.

Ende November hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die Regelung allerdings gekippt – unter anderem argumentierten die Richter, die gesetzlichen Voraussetzungen für die Anordnung einer Testpflicht seien nicht gegeben. Genau dieses Problem wird nach Worten Söders nun durch die neue Verordnung des Bundes gelöst.

Keine Kenntnisse über „tschechische Variante“

Anzeige

Anfang der Woche hatte der polnische Gesundheitsminister Adam Niedzielski nach Angaben der Agentur PAP davon gesprochen, dass in seinem Land eine „tschechische Variante“ des Coronavirus festgestellt worden sei. Einzelheiten nannte er nicht. Im Nachbarland wurde die Aussage von Wissenschaftlern und Behörden mit Verwunderung aufgenommen.

Das Gesundheitsministerium in Prag hat keine Informationen über die Existenz einer möglichen „tschechischen Variante“ des Coronavirus. Auch die neue, ansteckendere Mutation aus Großbritannien sei bisher nicht in Tschechien festgestellt worden, teilte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Prag, Barbora Peterova, am Mittwoch auf Anfrage mit. Das nationale Referenzlabor führe derzeit eine größere Anzahl Sequenzierungen durch, um neue Varianten zu entdecken.

Ende Dezember war die britische Mutation des Coronavirus bei einem Mann aus dem Landkreis Viersen in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden, der inzwischen wieder genesen ist. Er soll sich nach früheren Angaben der Kreisverwaltung bei einem Kollegen aus Tschechien angesteckt haben.

RND/dpa/ame

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen