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Antikörper-Cocktail: Was verrät REGN-COV2 über Trumps Zustand?

  • Während seiner Covid-19-Behandlung im Walter Reed National Military Medical Center erhielt US-Präsident Donald Trump auch einen Antikörpercocktail des Unternehmens Regeneron.
  • Das Medikament namens REGN-COV2 ist noch gar nicht zugelassen.
  • Die ungewöhnliche Medikation lässt durchaus Spekulationen über Trumps wahren Gesundheitszustand zu.
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Das Medikament REGN-COV2 wurde im Juni von der US-Gesundheitsbehörde “Food and Drug Administration” (FDA) zu klinischen Tests an Menschen zugelassen. Es befindet sich derzeit in der dritten und damit letzten klinischen Testphase vor einer Zulassung. Diese steht noch aus – und trotzdem hat Trump es zur Behandlung seiner Covid-19-Infektion verabreicht bekommen.

Die US-Behörde hat die Möglichkeit, sogenannten compassionate use requests stattzugeben. Also individuellen Heilversuchen, wörtlich: Nutzungsanträgen aus Mitgefühl. Solche Anträge dürfen nur von Medizinern gestellt werden. Nach Recherchen von CNN haben Trumps Ärzte eine solche Eingabe an den Pharmahersteller Regeneron und die FDA gemacht, die dann auch genehmigt wurde.

Medikament soll Viruslast bei Corona-Patienten senken

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REGN-COV2 soll dafür sorgen, die Viruslast beim Patienten signifikant zu reduzieren und damit die Symptomatik von Covid-19 abzuschwächen. Die größten Erfolge wurden nach Angaben von Regeneron dabei in klinischen Tests an Patienten erzielt, die noch keine natürliche Immunabwehr gegen die Infektion gebildet hatten. Allerdings träfe das nur auf 275 der 1000 Freiwilligen zu, die an diesem spezifischen Test teilgenommen hätten. Bei denen allerdings seien die Resultate “sehr vielversprechend“, sagte Dr. Jeanne Mazarro, Direktorin der Abteilung Infektionskrankheiten an der University of Alabama Birmingham, gegenüber CNN.

Die Behandlung mit einem Mix aus zwei Antikörpern in unterschiedlicher Dosierung führte laut Dr. Mazarro zu einer Reduzierung der Viruslast, also der Menge an nachweisbaren Viren, und zu einem rascheren Abklingen der Symptome.

Immunsystem und Antikörper im Blick

Am stärksten profitierten demnach diejenigen Probanden, deren Immunsystem noch keine eigenen Antikörper gegen das Virus gebildet hatte. Je nach Dosierung halbierte sich dabei die Anzahl der Tage mit einer Symptomatik. Allerdings betrug das Durchschnittsalter der Testpersonen nur 44 Jahre, sie waren also signifikant jünger als der 74-Jährige US-Präsident.

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Der CEO von Regeneron, Leonard Schleifer, verteidigte gegenüber CNN die Gabe von REGN-COV2 an den Präsidenten: „Trump ist aus unterschiedlichen Gründen Teil einer Patientengruppe mit höheren Risiken. Wir hoffen, dass wir seinem Immunsystem so viel Schwung verpassen können, dass er diesen Kampf gewinnen und vollständig genesen kann."

Trump als Testperson? „Sinnvoll, das auszuprobieren"

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Trump sozusagen in die klinischen Tests miteinzubeziehen, begründet Schleifer so: „Wir haben eine Menge von Daten, sind aber noch in einer experimentellen Phase. Aber wenn man sich mitten in einer Pandemie befindet und Risikopatienten hat, ist es unserer Ansicht nach sinnvoll, das auszuprobieren.“ Ob Schleifer, der auch Mitglied in Trumps eigenem Golfclub in Westchester (New York) ist, nähere Informationen über die einzelnen Indikatoren hat, die Trump zum Risikopatienten machen, ist unklar.

Statistisch offensichtlich sind das (leichte) klinische Übergewicht und das Lebensalter des Präsidenten. Die Kombination der Medikamente, die der Präsident erhalten hat, lässt aber durchaus Spekulationen über weitere gesundheitliche Defizite zu.

Für Patienten mit Lungenentzündung empfohlen

Zu den weiteren dem Präsidenten verabreichten Mitteln zählen Remdesivir, eigentlich ein Medikament gegen Ebola. Es ist das einzige zur spezifischen Behandlung von Covid-19, das in der EU unter Auflagen zugelassen ist. Remdesivir hemmt ein Enzym der Viren, das für deren Vermehrung nötig ist. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA empfiehlt das Medikament für Patienten ab zwölf Jahren, die eine Lungenentzündung haben und mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden müssen. Viele Experten betonten, dass das Mittel ein erster Schritt, aber kein Allheilmittel sei. Derzeit prüft die EMA, ob Remdesivir Nierenkomplikationen verursacht.

Eigentlich für Beatmungspatienten

Das Medikament Dexamethason wird eigentlich nur bei schweren Verläufen verabreicht. „Dexamethason bekommen beatmete Covid-19-Patienten“, erklärte der an einer Kölner Klinik arbeitende Lungenarzt und Intensivmediziner Christian Karagiannidis im RND-Gespräch. „Das hat mit Blick auf klinische Erfahrungen wirklich eine Wirkung und kann das Sterberisiko ein Stück weit verringern.“

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Speziell die Gabe des Steroids Dexamethason hat zu Mutmaßungen innerhalb der Ärzteschaft geführt, Trump habe mit einer Covid-19-induzierten Lungenentzündung zu kämpfen gehabt. Professor Vin Gupta, Pneumologe und Intensivmediziner an der Universität Washington, twitterte: „Du fängst nicht mit Gaben von Dexamethason, Remdesivir und irgendeinem experimentellen Antikörpercocktail an den Präsidenten an, wenn der nur Sauerstoffsättigungsschwankungen im Blut hat – es sei denn, er hat eine Covid-Lungenentzündung. Wie hat sein Brustkorb-Röntgenbild ausgesehen? Den Amerikanern stehen grundlegende Informationen über ihren Präsidenten zu.“

Es wird sich in den nächsten Tagen noch zeigen, wie sich die Infektion bei Donald Trump weiter verhält. Daten der Gesundheitsbehörden zeigen, dass sich der Covid-19-Verlauf bei Patienten teils stark unterscheiden und kritische Momente erst später auftreten können. Laut Robert-Koch-Institut dauert es im Durchschnitt rund zehn Tage ab Symptombeginn, bis ein Covid-19-Patient auf die Intensivstation kommt. Akutes Lungenversagen tritt in der Regel rund acht Tage danach ein, eine Pneumonie nach vier Tagen. Statistisch gesehen vergehen bei kritischen Verläufen rund 16 Tage nach Symptombeginn bis zum Tod.

So viel immerhin gesteht Trumps Leibarzt Dr. Sean P. Conley in seiner recht speziellen Informationspolitik auch nach Rückkehr des Patienten ins Weiße Haus zu: Der Präsident sei “noch nicht über den Berg“. Der “letzte Stoßseufzer der Erleichterung“ werde erst in etwa einer Woche folgen können, sagte Conley laut “New York Times”.

Mit sbu/dpa

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