Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Fünf Corona-Zahlen, die Hoffnung machen – trotz Delta-Variante

Unbeschwerter Sommer? Die Infektionszahlen sind derzeit so niedrig wie seit Monaten nicht mehr.

Unbeschwerter Sommer? Die Infektionszahlen sind derzeit so niedrig wie seit Monaten nicht mehr.

Die Delta-Variante wird in Deutschland Corona-Expertinnen und -Experten zufolge schon in wenigen Wochen den Großteil der Infektionen ausmachen. Sie ist ansteckender und kann zu schwereren Krankheitsverläufen führen. Beobachtungen aus Großbritannien und den USA zeigen zudem, dass es durch diese Mutante auch wahrscheinlicher wird, dass sich Menschen trotz erster Impfdosis anstecken können – weil sie eben noch nicht vollständig geschützt sind.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Warnungen nehmen deshalb weiter zu: Politik und Gesellschaft müssten sich auf wieder steigende Infektionszahlen vorbereiten, es brauche mehr Regeln für Reisende, die Schulen und Kitas müssten sich wappnen. Die Pandemie ist also noch nicht vorbei, weder in Deutschland noch in der Welt. Vor einem Jahr gab es eine ähnliche Entwicklung. Im Sommer gab es Warnungen, dass die Inzidenzen wieder stark zunehmen könnten – und dann erschien Ende Dezember auch noch die ansteckendere Alpha-Variante (B.1.1.7) auf der Bildfläche.

Trotzdem, die Hoffnung machenden Signale sind diesmal stärker, ablesbar anhand von Zahlen und Daten. Sie lassen vermuten, dass die Infektionen, Erkrankungen und Todesfälle im Verlauf des Jahres 2021 wahrscheinlich nicht mehr so drastisch in die Höhe schießen werden wie im vergangenen Herbst und Winter. Sie demonstrieren zudem, dass wir auch den neuen Virusvarianten nicht machtlos gegenüberstehen:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

1) 40 Landkreise melden keine Corona-Fälle mehr

Da wäre die Ausgangslage, die im Moment positiv stimmt. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen und Woche – gab das Robert Koch-Institut am Montag mit 5,6 an. Stand 28. Juni weist kein Landkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 50 auf. Und 40 von 412 Landkreise haben in den vergangenen sieben Tagen gar keinen Corona-Fall mehr gemeldet – die Zahl lag also bei null. In weiteren 45 Kreisen gab es jeweils nur einen Fall.

In knapp 50 Kreisen lag die Inzidenz noch höher als zehn. Nur in den vier Kreisen Lichtenfels, Heilbronn, Ansbach und Baden-Baden gab es laut aktuellem RKI-Dashboard mehr als 25 Fälle pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen. Zu bedenken ist, dass es zu Nachmeldungen kommen kann.

Anders als im Winter, als die Alpha-Variante unterwegs war und sich sehr viele Menschen überall in Deutschland angesteckt haben, macht sich das Virus also Ende Juni 2021 kaum bemerkbar, und das aktuell in allen Altersgruppen. Das ist ein gutes Zeichen, weil dadurch die Wahrscheinlichkeit, sich bei Kontakt mit anderen zu infizieren, sehr gering ist. Dadurch kann sich die Delta-Variante nicht ganz so schnell verbreiten – auch wenn die Zahlen nur einen temporären Zustand wiedergeben und jederzeit erneut Fälle auftreten können.

Die Gesundheitsämter vor Ort können zudem wieder einfacher ihrer Arbeit nachgehen, mehr Infektionsketten nachvollziehen, Kontakte nachverfolgen, Massentestungen ausrollen und Fälle aufspüren. Auch das ist bei der Verbreitung der Delta-Variante entscheidend, damit Ausbrüche nicht unbemerkt bleiben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Logik ist die gleiche wie im vergangenen Jahr: Werden Einzelfälle frühzeitig erkannt, steigen die Infektionen nicht unbemerkt im Hintergrund an, bis irgendwann der Kipppunkt mit einem exponentiellen Fallwachstum erreicht ist. Schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle können also vermieden werden.

Das RKI schätzt die Gefahrenlage in Deutschland jedoch weiterhin als „hoch“ ein. Auch wenn die Inzidenzen auf sehr niedrigem Niveau sind: Es gibt noch Ausbrüche, gegenwärtig vor allem in Privathaushalten, Kitas, Schulen und im beruflichen Umfeld. Und ein Großteil der Infizierten weiß laut Situationsbericht weiterhin nicht, wo genau sie sich angesteckt haben.

2) 700 Covid-19-Patienten im Krankenhaus – statt 5000

Stark rückläufig ist seit Ende April auch die Zahl der Menschen, die nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus zur Behandlung in ein Krankenhaus müssen, intensivpflichtig werden oder sterben. Mit Stand 27. Juni werden gegenwärtig 700 an Covid-19 erkrankte Menschen behandelt, 483 davon beatmet. Zum Vergleich: Vor zwei Monaten, am 27. April, waren es mitten in der dritten Infektionswelle noch 5050 Patienten, von denen 2873 beatmet wurden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterhin sinkt die Zahl der Covid-19-Erkrankten deutlich, und wir sind uns sehr sicher, dass die Impfungen auch gegen schwere Verläufe der Delta-Variante schützen.

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin

Auch diese gute Ausgangslage kann aber schnell kippen. Laut RKI-Präsident Lothar Wieler weisen noch junge Zahlen aus dem deutschen Meldewesen bei der Delta-Variante auf eine rund doppelt so hohe Rate von Krankenhauseinweisungen hin – verglichen mit der bislang dominierenden Alpha-Variante. Wieler sagte, es würden 11 Prozent der Delta-Infizierten in Kliniken behandelt, verglichen mit 5 Prozent bei Alpha. Bei Menschen zwischen 15 und 34 Jahren sei dies besonders ausgeprägt.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) erklärte auf dpa-Anfrage, noch keine Erkenntnisse zur Krankheitsschwere durch die Delta-Variante zu haben. „Weiterhin sinkt die Zahl der Covid-19-Erkrankten deutlich, und wir sind uns sehr sicher, dass die Impfungen auch gegen schwere Verläufe der Delta-Variante schützen.“

3) Mehr als 90<b> </b>Prozent Schutz vor Krankenhaus durch die Impfung

Eine Behandlung im Krankenhaus wird laut bisheriger Laborexperimente und Beobachtungsstudien bei dem Vakzin von Biontech/Pfizer und Astrazeneca auch im Fall der Delta-Variante zu mehr als 90 Prozent verhindert. Auch beim Moderna-Vakzin ist mit ähnlichen Effektivitätsraten zu rechnen, wenngleich noch keine Daten vorliegen. Zum Mittel von Johnson & Johnson und der Delta-Variante liegen noch keine Daten vor.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die gute in der schlechten Nachricht ist also: Die Delta-Variante kann die Immunantwort Geimpfter zwar reduzieren, aber trotzdem lohnt weiterhin das rasche Durchimpfen. Es werden weiterhin sehr gut schwere Krankheitsverläufe verhindert. Vorausgesetzt, die zweite Dosis wurde bereits verabreicht.

4) 35 Prozent vollständig Geimpfte – und es werden täglich mehr

Kommt es in dieser Phase wieder zu ansteigenden Infektionszahlen – irgendwann wird das ja passieren –, können schwere Verläufe fast immer verhindert werden.

Prof. Jörg Timm, Virologe

Weil bei der Delta-Variante der Impfschutz entscheidend ist, kommt es auf das Tempo an. Gut ist dabei, dass Deutschland nach anfänglich beschwerlichem Start sein Impftempo in den vergangenen Wochen stark beschleunigen konnte. 35,4 Prozent der Menschen hierzulande sind, Stand 28. Juni, vollständig geimpft. 53,6 Prozent haben immerhin schon eine erste Dosis erhalten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wenn nun in den kommenden Wochen bis zum Herbst eine breite Impfquote erreicht ist, kann auch gegen die Delta-Variante besser angegangen werden. „Kommt es in dieser Phase wieder zu ansteigenden Infektionszahlen – irgendwann wird das ja passieren –, können schwere Verläufe fast immer verhindert werden“, sagte dazu der Virologe Prof. Jörg Timm vom Universitätsklinikum Düsseldorf. „Die Problematik der Pandemie ist dann wahrscheinlich im Wesentlichen gelöst. Das hängt aber entscheidend von dem Fortschritt der Impfung ab.“

5) 5 bis 10<b> </b>Prozent der PCR-Proben werden inzwischen genauer untersucht

Neben der Delta-Variante gibt es bislang noch zehn weitere Mutanten, die weltweit zirkulieren und bei der Weltgesundheitsorganisation unter Beobachtung stehen oder als besorgniserregend klassifiziert wurden. Und die Wissenschaft macht sich bereits auf weitere gefasst. Das Gute: Deutschland ist inzwischen besser auf solche Virusvarianten vorbereitet. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie – zumindest in Europa – unentdeckt bleiben und womöglich unbemerkt den Impfschutz verringern, ist gering.

Denn inzwischen wird mehr sequenziert. Entsprechend der Coronavirus-Surveillance-Verordnung (CorSurV) werden in Deutschland inzwischen rund 5 Prozent der Virusnachweise auf neue Varianten untersucht. Gibt es bundesweit weniger als 70.000 Neuinfektionen, sollen es 10 Prozent sein. Anfang des Jahres gab es solche aufwendigen Sequenzierungen nur in wenigen Einzelfällen. Mit dem Auftauchen der Alpha-Variante und weiterer Mutanten wurde die Finanzierung dann angeschoben.

Mehr aus Gesundheit

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken