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Thüringen meldet bundesweit höchste Inzidenz – Bildungsministerium in der Kritik

  • Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 109,7 am Donnerstagmorgen ist Thüringen bundesweiter Spitzenreiter.
  • Zum Vergleich der Bundesdurchschnitt lag zuletzt bei 67,0.
  • Gerade jüngere Menschen sind betroffen, daher kritisiert der Thüringer Landtag die Corona-Strategie des Bildungsministeriums.
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Erfurt. Thüringen ist bundesweit erstmals seit Monaten wieder Deutschlands Corona-Hotspot und hat im Vergleich der Bundesländer die höchste Sieben-Tage-Inzidenz. Mit Stand Donnerstagmorgen wurden im Freistaat 109,7 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in einer Woche gemeldet, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Am Tag zuvor waren es 103,7 - bereits da war Thüringen bundesweiter Spitzenreiter. Den zweithöchsten Wert hat Bayern (96,7). Deutschlandweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 67,0 nach 65,4 am Vortag.

Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter im Freistaat 537 Neuinfektionen sowie einen Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19. Regional gibt es große Unterschiede. Die landesweit höchste Inzidenz unter den Landkreisen und kreisfreien Städten weist nach wie vor der Kyffhäuserkreis (209,5) aus. Am niedrigsten ist der Wert im Kreis Nordhausen (26,7).

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Kritik an Corona-Strategie in Schulen

Angesichts der sich verschärfenden Infektionslage und eines deutlichen Anstiegs der Inzidenzen in jungen Altersgruppen wächst der Unmut mehrerer Landtagsfraktionen über die Corona-Strategie namentlich des Bildungsministeriums. Nach den aktuellen Corona-Regeln gibt es an Schulen keinerlei Testangebot in der sogenannten Basis-Stufe, also wenn die Belastung des Gesundheitswesens als gering gilt. Ab Warnstufe eins müssen Tests angeboten werden, in der höchsten Warnstufe drei sind sie Pflicht.

Die SPD-Abgeordnete Dorothea Marx schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter, Thüringen habe es „dank des massiv kritisierten Verzichts auf Tests in Schulen heute wieder auf Platz 1 geschafft“. Dazu erwähnte sie Bildungsminister Helmut Holter (Linke) und die Staatssekretärin Julia Heesen und schrieb: „Danke für Nichts“.

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Wissenschaftlicher Beirat unterstützt Strategie des Bildungsministeriums

Seit Monaten dringen vor allem die Grünen und die SPD auf eine Testpflicht oder zumindest ein durchgängiges Testangebot an Schulen. Doch Bildungsminister Holter hält an den aktuell geltenden Regeln fest. Rückendeckung bekam er bisher vor allem vom wissenschaftlichen Beirat der Landesregierung.

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SPD-Fraktionschef Matthias Hey kritisierte das Agieren des Bildungsressorts. Es scheine dort in bestimmten Arbeitskreisen die Überzeugung zu geben, dass ein Testangebot besser sei als eine Testpflicht. „Diese Meinung teilen wir nicht.“ Nach Angaben einer Sprecherin der SPD-Fraktion wollen die Abgeordneten den Koalitionsausschuss von Rot-Rot-Grün zu dieser Frage einberufen.

SPD-Fraktionschef: Infektionen bei Kindern betreffen „gesamte Gesellschaft“

Hey gab zu bedenken, dass die Kinder, auch wenn sie sich unbemerkt infizierten oder nicht schwer erkrankten, das Virus in ihre Familien und an Bekannte weitergeben könnten. „Es betrifft also die gesamte Gesellschaft.“ Zudem könne derzeit niemand die Frage beantworten, was eine Infektion mit den Kindern in 20 oder 30 Jahren mache. „Die Kinder müssen, wenn sie einmal mit Covid infiziert waren - und es gibt Long Covid - damit 60, 70 Jahre leben.“

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Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Madeleine Henfling, sagte, sie fände eine Testpflicht an Schulen sinnvoll. Allerdings dürfe diese nicht zu Lasten der Kinder und Jugendlichen gehen, indem man sie etwa vom Unterricht in der Schule ausschließt, wenn sie sich nicht testen lassen wollen. „Ich finde die Pflicht-Frage gar nicht so entscheidend, weil ich wahrnehme, dass, wenn das Angebot da ist, die meisten das auch wahrnehmen.“

RND/dpa

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