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Thrombosen nach Astrazeneca-Impfung: Führt Dunkelziffer zur Unterschätzung des Risikos?

  • Das Paul-Ehrlich-Institut geht bei den Nebenwirkungen der Astrazeneca-Impfung von einer Dunkelziffer aus.
  • Dies geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht des Instituts hervor.
  • Es treten demnach vermutlich mehr Fälle von Hirnvenenthrombosen nach der Impfung auf, als bisher offiziell gemeldet wurden.
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Thrombosen treten als Nebenwirkung der Corona-Impfung vermutlich häufiger auf, als sie dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet werden. Das schreibt das Institut in seinem aktuellen Sicherheitsbericht. In dem Bericht, der am 7. Mai auf der Seite des PEI erschienen ist, sind Impfkomplikationen der Corona-Impfstoffe und Verdachtsfälle von Nebenwirkungen erfasst, die dem Institut bis zum 30. April gemeldet wurden. Das Institut geht inzwischen davon aus, dass Thrombosen (Blutgerinnsel) in seltenen Fällen als schwerwiegende Nebenwirkung der Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca auftreten können.

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Bis Ende April wurden dem PEI laut Bericht 67 Fälle einer Thrombose nach der Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff gemeldet, in den meisten Fällen (45) handelte es sich um Hirnvenenthrombosen. 14 Geimpfte waren daran verstorben. In 50 Fällen waren Frauen von den Thrombosen betroffen, 38 davon waren jünger als 60 Jahre alt. Auch zehn der 14 Verstorbenen waren weiblich.

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PEI geht von Dunkelziffer bei Thrombosen aus

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Für die Berechnung der Melderate pro Impfdosis konnte das PEI nur auf Daten bis Mitte April zurückgreifen. Das Institut kommt für Frauen unter 60 Jahren auf eine Melderate von 2,2 gemeldete Thrombosefällen pro 100.000 Impfdosen und für Männer unter 60 Jahren auf 2,0 gemeldete Thrombosen pro 100.000 verimpften Dosen. Für Frauen ab 60 Jahren wurden pro 100.000 Dosen 1,6 Thrombosefälle gemeldet und für Männer ab 60 Jahren 0,2 Meldungen auf 100.000 Impfdosen.

Allerdings geht das PEI davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Nebenwirkungen höher liegt. So werden nur die Fälle offiziell erfasst, die von Betroffenen, ihren Angehörigen und Ärzten als Impfnebenwirkung erkannt und aktiv gemeldet werden. Selbst bei einer so schwerwiegenden Nebenwirkung wie einer Thrombose sei aber eine Dunkelzifferrate anzunehmen, was „zu einer Unterschätzung des Risikos führen würde“, heißt es im Bericht. Das Paul-Ehrlich-Institut verweist auf eine dänisch-norwegische Studie, in der bei Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren erhöhte Raten für Thrombosen innerhalb von 28 Tagen nach der Impfung mit der Astrazeneca-Vakzine festgestellt wurden.

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Insgesamt kam es laut dieser Studie bei den Frauen zu elf zusätzlichen Thrombosen pro 100.000 Impfungen mit Astrazeneca – also zu Thrombosen, die bei Ungeimpften nicht zu erwarten gewesen wären. Für die besonders gefährlichen Hirnvenenthrombosen ergaben sich 2,5 zusätzliche Fälle pro 1.000.000 Impfdosen.

Impfpriorisierung wurde für Astrazeneca aufgehoben

Mehrere Kliniken und Bundesländer in Deutschland hatten die Impfungen mit Astrazeneca bei Jüngeren Ende März ausgesetzt, weil Thrombosen als Nebenwirkungen aufgetreten waren. Daraufhin hatte auch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Stiko) ihre Impfempfehlung geändert. Sie empfiehlt den Impfstoff von Astrazeneca nur noch für Personen ab 60 Jahren, die ein höheres Risiko für schwere Covid-19-Verläufe und ein wohl etwas geringeres Risiko für Thrombosen als Nebenwirkung haben. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie geht allerdings davon aus, dass das Thromboserisiko bei älteren Frauen ebenfalls erhöht sein kann. Sie fordert deshalb zeitnah eine neue Risiko-Nutzen-Bewertung durch die zuständigen Behörden.

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Der Impfstoff von Astrazeneca war auch im Rahmen der Impfpriorisierung ursprünglich nur noch für Personen ab 60 Jahren vorgesehen. Das Bundesgesundheitsministerium hat diese Priorisierung allerdings aufgehoben. Ärzte können nun auch Jüngere entgegen der Stiko-Empfehlung impfen, wenn sie dies für angebracht halten. Sie müssen allerdings Nutzen und Risiken abwägen und über mögliche Gefahren aufklären.

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