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„The Facebook Files“: Wie negativ Instagram Teenagerinnen beeinflussen kann

  • Das Nutzen von Instagram kann für junge Menschen problematisch sein – besonders für Teenagerinnen.
  • Darüber wusste auch Mutterkonzern Facebook Bescheid, denn er ließ selbst Studien dazu anfertigen.
  • Ein großes Problem: Die scheinbar perfekte Instagram-Welt verleitet Jugendliche zu ungesunden Vergleichen.
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„Wie Social-Media-Idole das Selbstbild von Jugendlichen prägen“ oder „Studie: Instagram und Co. können Teenager krank machen“: Solche Schlagzeilen tauchen in den Medien immer wieder auf – und mit ihnen die Befürchtung, dass bei Kindern und Jugendlichen beliebte Apps einen negativen Einfluss haben.

Trotz Gegentrends wie Body Positivity: Besonders das zum Facebook-Konzern gehörende Soziale Netzwerk Instagram steht immer wieder im Verdacht, Teenager traurig, unsicher und sogar krank zu machen. Eine investigative Recherche des „Wall Street Journals“ bestätigt noch mehr als nur diese Vermutung. „Facebook weiß, dass Instagram toxisch für weibliche Teenager ist, zeigen Dokumente des Unternehmens“, schreibt die Tageszeitung mit Sitz in New York.

Unter dem Titel „The Facebook Files“ hat das Medienunternehmen die Informationen der Whistleblowerin Frances Haugen veröffentlicht und aufbereitet. Die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin hatte interne Dokumente an das „Wall Street Journal“ weitergereicht.

Mehr als vier Stunden täglich online

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Ein Kapitel dieser „Facebook Files“ beschäftigt sich mit der Wirkung des Bilder-Netzwerkes Instagram auf Mädchen im Teenageralter. Darin berichten die Journalistinnen und Journalisten etwa von Anastasia Vlasova. Seit einem knappen Jahr geht die 18-Jährige zur Therapie. Sie ist an einer Essstörung erkrankt. Was die junge Frau dafür verantwortlich macht: Instagram. Mit 13 erstellte sie einen Account, scrollte schließlich drei Stunden pro Tag durch die App. „Ich sah nur Bilder von gestählten Körpern, perfekten Bauchmuskeln und Frauen, die in zehn Minuten 100 Burpees schafften“, erzählt sie der Zeitung.

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Mark Zuckberg hat Vorwürfe einer früheren Mitarbeiterin zurückgewiesen, wonach der Konzern Demokratien destabilisiere und Nutzer wissentlich depressiv mache.  © AFP
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Mit drei Stunden pro Tag liegt Vlasova noch unter dem deutschen Durchschnitt. Das zeigt die aktuelle JIM-Jugendstudie, für die mehr als 1000 Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren befragt wurden. Hierzulande verbrachten die Jungen und Mädchen im Jahr 2020 im Schnitt 258 Minuten pro Tag im Internet. Das sind mehr als vier Stunden täglich. 2019 waren sie im Schnitt 205 Minuten online.

Facebook-Studien zum Einfluss von Instagram

Über den Einfluss von Instagram auf Teenager hat der Konzern Facebook in den vergangenen drei Jahren wiederholt Studien durchgeführt, zeigt das Projekt „The Facebook Files“ – diese aber nie veröffentlicht. Vielleicht deshalb, weil sie insbesondere die bei Jugendlichen beliebte App Instagram nicht gut dastehen lassen? „Bei jedem dritten Mädchen im Teenageralter verschlimmern wir die Probleme mit dem Körperbild“, zitiert das „Wall Street Journal“ etwa aus einer Präsentation aus dem Jahr 2019.

Besonders bei Mädchen ist Instagram beliebt, zeigt die Jugendstudie JIM. Fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten gibt an, dass das Bildernetzwerk ihr liebstes Internetangebot sei. Danach folgt Youtube mit 45 Prozent. Zum Vergleich: Bei Jugendlichen aller Geschlechter steht Youtube klar auf dem ersten Platz (57 Prozent) vor Instagram (35 Prozent).

„Nach Instagram esse ich manchmal nichts“

Aus den geleakten Facebook-Studien geht hervor, warum Instagram für Jugendliche zum Problem werden kann. Die Fotos und Videos in dem Netzwerk würden als „echtes Leben“ wahrgenommen werden – basierten aber häufig auf Standards eines Promilebens. Bei jedem Öffnen der App bekommen weibliche, aber auch männliche Teenager mehrere Bilder aus dem Leben solcher Menschen zu sehen und jeder Contentschnipsel beeinflusse die Nutzenden ein wenig. Außerdem würden Freundinnen und Freunde von Teenagern die Schönheits- und Modestandards ihrer Vorbilder nachahmen. So verstärke sich der Effekt noch.

Damit verbundene Folgen für die psychische Gesundheit könnten schwerwiegend sein. „Ich wünschte, ich hätte genug Geld, um meine Nase korrigieren zu lassen“, „Nach Instagram esse ich manchmal nichts“ oder „Das ständige Beurteilen und der Neid können dich depressiv machen“ werden in einer internen Facebook-Präsentation Teenager zitiert.

Zusammenhang Social Media und Depressionen?

Studien, die sich mit dem Einfluss von Social Media auf die psychische Gesundheit befassen, gibt es einige. Manche Forschenden mutmaßen sogar, dass eine intensive Nutzung von Instagram und Co. Depressionen fördern könne. Einen kausalen Zusammenhang habe laut der AOK aber noch niemand beweisen können. „Es handelt sich um ein klassisches Henne-Ei-Dilemma. Nutzen Menschen mit einer depressiven Veranlagung häufiger soziale Medien oder werden Menschen aufgrund ihres Social-Media-Konsums depressiv?“, so die Krankenkasse.

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Ein Beispiel: Kanadische Forschende etwa führten eine Studie mit mehr als 3800 Jugendlichen durch. Über vier Jahre lang untersuchten sie die Bildschirmzeit der Teilnehmenden sowie, ob sie depressive Symptome zeigten. Sie fanden heraus: Je mehr Zeit die Teenager mit Sozialen Medien verbrachten, desto mehr verstärkten sich ihre depressiven Symptome. Als einen möglichen Grund nennen die kanadischen Forschenden, dass sich die Jugendlichen auf den Plattformen mit anderen, in ihren Augen besser gestellten Menschen vergleichen würden – also eine ähnliche Vermutung, wie sie auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Facebook hegen.

Wie „Digital Wellbeing“ funktioniert

Das Internet und Soziale Medien so zu nutzen, dass sie einem nicht schaden, dafür setzt sich hierzulande etwa das Portal „klicksafe“ ein. Aktuell gibt es auf dem Instagram-Kanal der Initiative ein Take-Over. Jugendliche informieren noch bis Sonntag zum Thema „Digital Wellbeing“. Sie warnen vor den Folgen für die Gesundheit von übermäßiger Nutzung von Sozialen Medien. Dazu würden etwa soziale Isolation, ein vermindertes Selbstwertgefühl und Schlafstörungen zählen. Außerdem liefert das Projekt Ideen, wie man gar nicht erst in eine Abwärtsspirale gerät.

Auch die Forschenden von Facebook äußern in den internen Dokumenten Ideen, wie man Instagram zu einem besseren Ort für Teenager machen könnte. Nutzende sollten einfacher melden können, welche Arten von Inhalten sie nicht mögen, sodass der Algorithmus ihnen zeitnah anderen Content zeigt. Außerdem solle man in die App Time-Outs einbinden, die Userinnen und User daran erinnern, dass Instagram nicht das wahre Leben ist.

Darüber hinaus solle das Unternehmen auf spaßige Filter setzen statt auf solche, mit denen man Fotos Schönheitsstandards anpassen kann. Also: statt Weichzeichner fortan besser mehr niedliche Hundeohren – und versuchen, ein bisschen realistischer auf andere und sich selbst schauen.

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