Teil-Lockdown: Corona zwingt Deutschland erneut zum Handeln

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellungen für die Krisenzeit – jeden Donnerstag.
  • In dieser Ausgabe: Wieso erneut harte Maßnahmen greifen müssen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

ab Montag wird wieder alles anders. Dann ist die Zeit der Lockerungen endgültig vorbei. Verdrängte Frustgefühle aus dem Frühjahr kommen hoch. Was macht das mit uns? Es ist wieder eine Art Lockdown, hart, nicht ganz so drastisch wie im März und vorerst befristet bis Ende November. Klar ist aber, dass die von Bund und Ländern getroffenen Regeln erneut tief in den persönlichen Alltag von uns allen eingreifen.

Prognosen zufolge braucht es jetzt vor allem eines, damit das Coronavirus nicht noch höhere Wellen schlägt: Kontakte reduzieren, jeder Einzelne, um rund 75 Prozent. Die politische Verordnung soll dabei helfen. Konkret heißt das unter anderem: Treffen nur noch zwischen zwei Haushalten, mit maximal zehn Personen. Sport in der Gruppe? Absagen. Restaurants? Schließen. Besuch im Fußballstadium? Vorerst tabu. Reisen zu Freunden, Familie oder ins Ferienhaus? Bitte nicht.

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Immerhin: Schulen und Kitas bleiben geöffnet. Deutschland steht noch am Anfang des exponenziellen Wachstums und kann sich das erlauben. Anders als etwa in Frankreich und Belgien bleibt noch ein wenig Spielraum. Die Kanzlerin und die Landesminister hoffen, in letzter Sekunde eine nationale Notlage vermeiden zu können und im wahrsten Sinne des Wortes noch die Kurve zu kriegen. Der Rahmen ist gesetzt. Jetzt liegt es an uns, ob die Maßnahmen greifen.

Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre. Bleiben Sie gesund!

Saskia Bücker

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Abwarten ist keine Alternative. Drastisches und systematisches Reduzieren sozialer Kontakte ist in einer Situation mit vielerorts überlasteten Gesundheitsämtern und drohender Versorgungsengpässe in den Krankenhäusern geboten – schnell, deutlich und nachhaltig. Das sagen führende Forschungsinstitute in Deutschland und diese Erkenntnis spiegelt sich auch in den Beschlüssen der Bundesregierung. Wenn sich die Infektionszahlen verdoppeln, werde dies bis Ende November wahrscheinlich auch auf die Todesfälle zutreffen, erklärte uns Anita Schöbel, Leiterin des Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik, im RND-Interview.

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Die große Frage: Wie viele Menschen halten sich jetzt an die beschlossenen Kontaktbeschränkungen? „Das ist nicht vorhersagbar und eine große Unsicherheit bei den Prognosen“, erläutert Viola Priesemann, Pandemie-Modelliererin am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. „Wenn jeder nur ein bisschen mitmacht, verlangsamt das den Verlauf zwar ein bisschen, aber das Wachstum der Fallzahlen wird nicht gestoppt.“

Unklar ist auch, welche Strategie nach dem Lockdown im Dezember sinnvoll ist. Die Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit fordern in einem gemeinsamen Positionspapier mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einen stärkeren Fokus auf den Schutz von Risikogruppen. Denn es sei klar, dass das Virus langfristig im Leben bleibe.

Alltagswissen

Unternehmen sind wegen steigender Infektionszahlen von der Bundesregierung dazu aufgefordert worden, Heimarbeit zu ermöglichen. Die für den Arbeitsschutz zuständigen Behörden sowie die Unfallversicherungsträger sollen Firmen dabei beraten, aber auch kontrollieren. Was aber sagt die Rechtslage bislang? Können Beschäftigte jetzt einfach wieder ins Homeoffice gehen?

Die Arbeitsrechtlerin Doris-Maria Schuster widerspricht. „Derzeit gibt es aber noch keinen gesetzlichen Anspruch darauf, von zu Hause aus zu arbeiten“, sagt die Expertin von der Kanzlei Gleiss Lutz. „Etwas anderes gilt nur dann, wenn die Möglichkeit beziehungsweise der Anspruch, vom Homeoffice aus zu arbeiten, in einer Betriebsvereinbarung oder in einem Tarifvertrag vorgesehen ist." Weitere Antworten rund ums Homeoffice in Corona-Zeiten hat RND-Autor Christoph Höland in einem Bericht gebündelt.

Zitat der Woche

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Die Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, sind geeignet, erforderlich und verhältnismäßig. Wenn wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, stattdessen warten würden, bis die Intensivstationen voll sind, dann wäre es zu spät.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Berlin während einer Regierungserklärung im Bundestag

Forschungsfortschritt

Die Suche nach einem wirksamen Medikament gegen Covid-19 ist ein Wettrennen unterschiedlicher pharmakologischer Innovationen. Eine Studie gibt nun Hinweise darauf, dass Aspirin bei schweren Covid-19-Verläufen hilfreich sein könnte. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure, unter dem Markennamen Aspirin ein weltbekanntes Allheilmittel, soll für einen signifikant milderen Verlauf bei schweren Covid-19-Fällen sorgen. Die Studie, die auf der Fachseite Anesthesia & Analgesia erschien, zeigt, dass Patienten, die zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen täglich niedrig dosiertes Aspirin einnahmen, ein geringeres Risiko für Komplikationen und Todesfälle hatten. Weitere Studien müssen den Effekt aber überprüfen.

Pandemie im Ausland

Auch Frankreich geht wieder in den Corona-Lockdown. Mit Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land verschärft Deutschlands Nachbarland seinen Kampf gegen die zweite Welle. Staatschef Emmanuel Macron verkündete am Mittwochabend in einer Fernsehansprache, dass die Beschränkungen weniger streng seien als im Frühjahr. So sollen, wie auch in Deutschland, die Schulen geöffnet bleiben. Bars und Restaurants müssen jedoch schließen. Die im Frühjahr üblichen Ausgangsbescheinigungen für Bürger sollen wiederkommen. Auch Reisen in andere Regionen des Landes sind nicht ohne Weiteres möglich. Die Menschen sollen weiter arbeiten können, dabei hat die Heimarbeit Priorität.

Mit Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land verschärft Frankreich seinen Kampf gegen die zweite Welle der Corona-Pandemie. © Quelle: Christophe Simon/AFP/dpa
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Was kommt

In den kommenden Tagen wird es wieder zu weitaus mehr schweren und langen Covid-19-Fällen auf Intensivstationen kommen, prognostiziert Prof. Uwe Janssens, Vorsitzender der Divi-Intensivmediziner in Deutschland. Die Kliniken deutschlandweit hätten jedoch Exit-Strategien, wie sie relativ schnell in einen Krisenmodus umschalten könnten. Wieso das auch bedeutet, dass andere Operationen wieder verschoben werden könnten, erklärt der Experte im Gespräch mit RND-Redakteurin Saskia Bücker. Sorge macht dem Intensivmediziner auch die Personallage auf Covid-Stationen.

Was die Pandemie leichter macht

Warum nicht einmal wieder mit der ganzen Familie alte Fotos anschauen?. © Quelle: Getty Images/iStockphoto

Wie kommen wir bei Kontaktbeschränkungen und harten Maßnahmen durch den November? Jetzt ist der Zeitpunkt, sich an einfallsreiche Strategien aus dem Frühjahr zu erinnern, um nicht in Angst, Panik und Isolation zu rutschen. Eine Stütze können Freundschaften sein. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass es vielen Menschen während der Pandemie wichtig ist, digitale Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen, um Freundschaften weiterhin zu pflegen. „Freundschaften bieten zum einen emotionale Unterstützung – sie sind aber auch häufig in die Bewältigung von Alltag und Freizeit eingebettet“, erklärt der Soziologe Janosch Schobin.

Nicht zu vergessen: Ein bisschen Spaß im kleinen Kreis ist auch weiterhin im eigenen Haushalt möglich. Backen, Spieleabend, Basteln, frische Luft: Sechs Ideen hat RND-Autorin Heidi Becker zusammengetragen.

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