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Tansanias Präsident will Corona-Pandemie mit Gebeten bekämpfen und rät von Impfung ab

  • Tansanias Präsident John Magufuli rät seinen Landsleuten von der Corona-Impfung ab.
  • Er will die Seuche stattdessen mit Gebeten und Kräutern bekämpfen.
  • Ärzte diagnostizieren eine Lungenentzündung statt Covid-19 als Todesursache, weil sie um ihren Job fürchten.
Markus Schönherr
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Dodoma/Tansania. „Das Land, wo Corona nicht existiert“ – so bezeichnete vor Kurzem die Wochenzeitung „The Continent“ Tansania. Im vergangenen Juli erklärte dessen Präsident John Magufuli Covid-19 in seinem Land für „ausgelöscht“. Während die Infektionszahlen in den Nachbarländern weiter steigen, bleiben die tansanischen Fallzahlen eingefroren. Gesundheitsarbeiter, Politiker und Gesellschaft sind angehalten diesem offiziellen Kurs zu folgen.

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Zwar berichten Ärzte in der Wirtschaftsmetropole Daressalam gegenüber Reportern von „vielen Corona-Fällen“, auf Totenscheinen führen sie jedoch „Lungenentzündung“ als Todesursache an. Die Folgen einer Covid-Diagnose für Mediziner beschreibt ein Arzt mit den Worten: „Du würdest deinen Job verlieren und die Regierung könnte dir deine Lizenz entziehen. Es ist sehr gefährlich.“

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509 Corona-Infektionen in Tansania

Magufuli kam 2015 ins Amt und wurde trotz eines zunehmend autoritären Regierungsstils 2020 wiedergewählt. Zwar verzeichnete Tansania vergangenes Jahr offiziell 509 Infektionen – danach sei man das Virus jedoch durch Gebete losgeworden, beharrt der Präsident: „Im Leib Christi wird Corona nicht überleben, es wird verbrennen“, erklärte er. Erneut sorgte Magufuli im Januar für Aufsehen, als er seine Landesleute vor den „gefährlichen“ Covid-Impfstoffen warnte.

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„Diese Position hat sich nach und nach entwickelt: von einem logischen Argument, dass das Land sich keinen Lockdown leisten könne, hin zu einer kontroversen Sicht, welche die Wirksamkeit von Impfungen infragestellt“, sagt ein Politologe in Tansania. Er will aus Angst vor Verfolgung namentlich nicht genannt werden. Magufulis Regierung unterstellt er ein „Versagen“, die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft zu schützen.

Gesundheitsbehörden empfehlen Saunakuren

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Statt Impfungen empfahlen die Gesundheitsbehörden den Tansaniern Kräuter- und Saunakuren. Bald kursierten in sozialen Medien Bilder, in denen Gesundheits­ministerin Dorothy Gwajima und andere Beamte die Tinkturen selbst testen und Dampf inhalieren. Bei manchem Beobachter weckte dies Erinnerungen an Südafrikas früheren Kampf gegen die HIV/Aids-Epidemie. Die Regierung in Pretoria hatte Infizierten damals eine Kur aus Knoblauch, Roter Bete und Zitrone empfohlen. In der Folge starben laut einer Studie mehr als 300.000 Menschen an der Infektionskrankheit.

Viele Tansanier lehnen Ausgangs­beschränkungen aufgrund der weit verbreiteten Armut ab. Trotzdem wächst in der ostafrikanischen Nation der Unmut über Magufulis Corona-Politik. Teils aus Eigenschutz, teils aus Protest tragen etliche Tansanier heute Masken in der Öffentlichkeit. Im Internet holen sie nach, was ihre politischen Vertreter versäumten: Sie warnen vor dem Virus und rufen ihre Mitbürger über Facebook und Co. zum Händewaschen und zum Abstandhalten auf.

„Virus wird sich nicht an Landesgrenzen halten“

Damit sind sie nicht allein. Ende Januar warnten Tansanias Bischöfe vor einer „neuen Infektionswelle“. Zudem erinnerten sie die Machthaber in der Verwaltungshauptstadt Dodoma angesichts der steigenden Fallzahlen in Afrika: „Unser Land ist keine Insel.“ Noch deutlichere Worte findet der Oppositionspolitiker Zitto Kabwe. Er befürchtet, dass von seinem Land eine Gefahr ausgehe: „Präsident John Magufulis Anti-Impf-Rhetorik ist gefährlich für Tansania und seine Nachbarn. Das Virus, das uns derzeit trifft, wird nicht so höflich sein, sich an Landesgrenzen zu halten.“ Kabwe ruft Ostafrikas Machthaber deshalb auf, zum Schutz der mehr als 170 Millionen Bewohner der Region zu intervenieren.

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Auch außerhalb Ostafrikas bereitet Magufulis Leugnung Kopfzerbrechen. Der Vorsitzende der kontinentalen Gesundheitsbehörde Africa CDC, John Nkengasong, forderte von Magufuli, die Ablehnung von Impfstoffen „zügig zu überdenken“. Ähnliche Apelle kamen von der WHO.

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