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Corona-Ansteckungsorte: Superspreading auch in Bars und Restaurants?

Anstoßen und austauschen bei wenig Abstand und ohne Maske: Enger Kontakt zwischen Menschen ist in Kneipe und Bar sehr wahrscheinlich (Symbolbild).

Ein Großteil der Coronavirus-Infektionen wird einer US-Studie zufolge an sogenannten Superspreader-Orten übertragen. Dazu gehören unter anderem Restaurants, Fitnessstudios und Cafés. Die Wissenschaftler der Universität Stanford untersuchten Aufenthalte an mehr als 550.000 Orten – auf der Basis demografischer Daten, epidemiologischer Schätzungen und anonymer Handydaten. „Diese Studie überrascht mich nicht“, sagte Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

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Es sei ganz klar, dass an Orten, wo viele Menschen intensiven Kontakt haben, auch das Ansteckungsrisiko steige. Mit gesundem Menschenverstand sei diese Logik nachvollziehbar. Sprechen, lachen, atmen, singen: „Überall dort, wo Menschen ausgelassen miteinander zusammen sind, hat das Virus eine größere Chance“, betonte Wieler. Auch wenn sich anhand konkreter Daten zu bestätigten Infektionsfällen der genaue Ursprung vieler Corona-Infektionen nicht wirklich nachvollziehen lasse. Im täglichen RKI-Situationsbericht ist dann von einer diffusen Ausbreitung die Rede.

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Oft unklar: Wo habe ich mich mit Corona angesteckt?

In Zahlen: Drei Viertel der Infektionen sind durch die Gesundheitsämter nicht mehr auf einen Ursprung zurückführen. So ging es beispielsweise auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der nach seiner Corona-Infektion öffentlich bekannt gab, nicht zu wissen, wo er sich letztendlich angesteckt habe. Der bundesweite Anstieg sei Ende Sommer durch überall größere Ausbrüche wie beispielsweise nach Hochzeitsfeiern mit vielen Gästen ausgelöst worden, erklärt Wieler. Danach habe sich das Virus in der Fläche ausbreiten können.

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Charité-Virologe Christian Drosten weist schon länger darauf hin, dass mit Blick auf die Daten der Gesundheitsämter keine klaren Aussagen zu Ansteckungsorten gemacht werden könnten. Um ihnen die Arbeit zu erleichtern, rief er mehrmals dazu auf, dass jeder Einzelne regelmäßig die eigenen Kontakte dokumentiert. Im NDR-Podcast vom 27. Oktober erklärte der Experte, Infizierte erinnerten sich logischerweise eher an eine Familienfeier als an ein flüchtiges und zufälliges Zusammentreffen in der Öffentlichkeit. „Niemand kann das eigentlich nachweisen oder kann sich da genau daran erinnern. Das gilt für öffentliche Verkehrsmittel, es gilt aber auch für andere Situationen sicherlich. Viele Situationen in der Gastronomie sind ähnlich. Auch viele Situationen im Arbeitsleben sind ähnlich.“

Kontaktnachverfolgung geht nicht mehr jedem Corona-Fall nach

Bei den hohen Infektionszahlen haben die Gesundheitsämter zudem weniger Kapazitäten, detaillierte Informationen zu Ausbrüchen zu erheben. Es müssten bei der Kontaktnachverfolgung inzwischen Prioritäten gesetzt werden, räumte Uta Rexroth, Ärztin und RKI-Infektionsepidemiologin, beim Pressegespräch am Donnerstag ein. „Wir können jetzt nicht mehr jeder Infektion zu jedem Zeitpunkt hinterherlaufen.“ Das müsse man jetzt einfach akzeptieren. Denn in dieser Phase der Pandemie gehe es vielmehr darum, die Cluster in vulnerablen Gruppen zu identifizieren.

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Sind Kneipen- und Restaurantbesuche mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden? Macht es einen Unterschied, ob man sich mit Freunden drinnen oder draußen trifft? Bei Veranstaltungen welcher Art besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko und bei welchen nicht? Absolute Antworten auf diese Fragen gibt es bislang nicht. Präzisere wissenschaftliche Daten erhofft sich das Robert-Koch-Institut allerdings mit der im November gestarteten CoViRiS-Studie. 1000 an Covid-19 erkrankte Teilnehmer werden dabei intensiv zu ihren Kontakten zehn Tagen vor Erkrankungsbeginn befragt.

Laut RKI-Chef Wieler bleibt im Pandemiewinter eine Faustregel relevant: Es sollten so viele Menschen wie möglich so wenig Kontakt wie möglich haben – „egal, ob das im Restaurant ist oder in der Bar“. Gesellschaftlich sei es wichtig zu überlegen, welche Orte so relevant sind, dass diese offen bleiben müssten. Hygienekonzepte in Restaurants, Bars und Cafés seien natürlich hilfreich, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Viele hätten da auch wirklich gute Arbeit geleistet, räumte Wieler ein. Diese Konzepte müssen aber nicht nur angekündigt, sondern auch von den Ordnungsämtern überprüft und gegebenenfalls sanktioniert werden, forderte der RKI-Chef.



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