Woher kommt das Virus? Australischer Virologe verteidigt WHO-Mission in China

China, Wuhan: Beschäftigte in Schutzkleidung sprechen mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Flughafen in Wuhan. Das globale Forscherteam soll eine Untersuchung über den Ursprung des Coronavirus durchführen.

China, Wuhan: Beschäftigte in Schutzkleidung sprechen mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Flughafen in Wuhan. Das globale Forscherteam soll eine Untersuchung über den Ursprung des Coronavirus durchführen.

Im März kam ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der sich mit dem Ursprung von Covid-19 befasst hat, zu dem Ergebnis, dass das Virus wahrscheinlich in Fledermäusen entstanden ist, bevor es über ein anderes Tier auf den Menschen übertragen wurde. Gleichzeitig beklagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus aber auch, dass das Team während seiner Mission nicht ausreichend Daten zur Verfügung gestellt bekam.

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Woher stammt das Virus also? Vom Tier oder ist es doch menschengemacht? Wie sensibel das Thema ist, wird deutlich, wenn man die bisherige Handhabe von Facebook verfolgt: Behauptete bisher jemand auf Facebook, das Virus sei von Menschen gemacht und absichtlich oder unabsichtlich verbreitet worden, so drohte die soziale Plattform mit Repressalien. Der Beitrag wurde meist gelöscht. Doch letzte Woche kam dann der Sinneswandel. Grund: Es wurden Zweifel geäußert – nicht von Anhängerinnen und Anhängern von Verschwörungstheorien, sondern von höchster Stelle in der US-Regierung.

Corona-Pandemie: Neue Beweise für Labortheorie stehen aus

So berichtete das renommierten „Wall Street Journal“ vergangene Woche, dass im November 2019 drei Mitarbeiter des Instituts für Virologie in der chinesischen Stadt Wuhan im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das Magazin berief sich dabei auf einen US-Geheimdienstbericht. Inzwischen hat US-Präsident Joe Biden offizielle Ermittlungen angekündigt und China damit sehr verärgert. Die kommunistische Führung des Landes warf der US-Regierung eine politische Motivation vor.

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Der australische Wissenschaftler im WHO-Team verteidigte in einem Interview mit dem australischen Sender ABC nun aber die Ergebnisse des Teams. In seinen Augen gebe es keine neuen Beweise für die Labortheorie, sagte der Virologe Dominic Dwyer. Dwyer verbrachte Anfang des Jahres vier Wochen in Wuhan, um gemeinsam mit dem internationalen Team der WHO die Ursprünge des Virus zu untersuchen. „Die US-Geheimdienste wurden gebeten zu zeigen, ob sie Informationen haben, die hilfreich sein könnten“, sagte Dwyer. Das hätten sie jedoch bisher noch nicht getan. „Die Tatsache, dass Präsident Biden sagt, er bekomme widersprüchliche Berichte von seinen Geheimdiensten, deutet darauf hin, dass es keine eindeutigen Beweise gibt.“ Er betonte zudem, dass es nicht unterschätzt werden dürfe, wie schwierig es wäre, solche Beweise zu bekommen.

Um den Ursprung des Coronavirus zu klären: „Diplomatie muss sich verbessern“

Laut Dwyer waren die Behörden in Wuhan während der Ermittlungen „ziemlich offen“ gegenüber dem Team gewesen. „Die Beweise, die wir bekommen haben, die Fragen, die wir gestellt haben, und die Antworten, die wir bekommen haben, sind wie das, was ich erwarten würde, wenn ich die gleichen Ermittlungen in Australien oder Neuseeland oder an einem ähnlichen Ort durchführen würde“, sagte er.

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Laut Dwyer kann es „viele Jahre“ dauern, bis die Ursprünge von Krankheiten geklärt sind, und grundsätzlich könne dies nur durch Zusammenarbeit erreicht werden. „Wir hatten in den letzten 40 Jahren Ausbrüche des Ebolavirus in Afrika, aber erst in den letzten Jahren wurde der Ursprung dieses Virus offensichtlich“, sagte er. Dasselbe gelte für Sars, eine Krankheit, die im Jahr 2003 auftauchte. „Es dauerte zehn oder 15 Jahre, bis das Ursprungsvirus bei Tieren gefunden wurde.“ Um die Ursprünge von Covid-19 zu klären, sei es wichtig, Kooperationen zu entwickeln und offen und transparent mit Leuten zusammenzuarbeiten. Deswegen würde er bitten, „dass sich die Diplomatie verbessert“.

Respekt und Vertrauen unter Forscherinnen und Forschern

Bereits im Februar hatte Dwyer die Mission in Wuhan in einem ausführlichen Bericht im akademischen Onlinemagazin „The Conversation“ geschildert. Damals berichtete er, dass er und sein Team bis zu 15 Stunden am Tag mit den chinesischen Forscherinnen und Forschern zusammengesessen hätten. „Dies ermöglichte es uns, Respekt und Vertrauen auf eine Weise aufzubauen, die man nicht unbedingt per Zoom oder E-Mail erreichen könnte“, schrieb er damals.

Im Rahmen der Mission traf die Delegation beispielsweise den Mann, der am 8. Dezember 2019 der erste bestätigte Covid-19-Fall war und inzwischen wieder gesund ist, sowie den Ehemann einer Ärztin, die am Coronavirus starb und ein kleines Kind hinterließ. Außerdem sprach die Expertengruppe mit den Ärztinnen und Ärzten, die die frühen Fälle in den Krankenhäusern in Wuhan behandelt hatten.

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„Wenn wir Beweise haben, dann können wir handeln“

In seinem damaligen Bericht betonte Dwyer, dass er glaube, dass das Virus tierischen Ursprungs sei. Allerdings gestand er auch ein: „Die Proben von Fledermäusen in der Provinz Hubei und von Wildtieren in ganz China haben bisher kein Sars-CoV-2 ergeben.“ Auch der inzwischen geschlossene Huanan-Markt in Wuhan, der in den frühen Tagen der Pandemie als Quelle des Virus verantwortlich gemacht wurde, war in Dwyers Augen „eher ein verstärkendes Ereignis als notwendigerweise ein echter Ground Zero“.

Die Labortheorie nannte Dwyer damals „äußerst unwahrscheinlich“ und begründete dies damit, dass er zum einen das Gefühl gehabt habe, die Einrichtung sei „ordentlich geführt“ – beispielsweise würden routinemäßig Blutproben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entnommen und gelagert und auf Anzeichen einer Infektion getestet –, und zum anderen damit, dass „keine Hinweise auf Antikörper gegen das Coronavirus gefunden“ wurden. Im aktuellen Interview mit der ABC machte der Forscher deswegen nun erneut deutlich, dass er erst einmal Beweise vom US-Geheimdienst sehen wolle, bevor er seine Meinung ändere. „Wenn wir die haben, dann können wir handeln“, sagte er.

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