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Studie: Zweieinhalb Prozent der Bevölkerung Italiens haben Corona-Antikörper

  • In Italien könnte sich das Coronavirus sechs Mal stärker verbreitet haben als bisher bekannt.
  • Das hat eine Studie des Statistikamts Istat ergeben.
  • Rund 1,5 Millionen der 60 Millionen Einwohner Italiens sollen sich demnach bereits infiziert haben.
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Rom. Das Coronavirus könnte in Italien einer Studie zufolge sechs Mal stärker verbreitet sein als bekannt. Das Gesundheitsministerium und das Statistikamt Istat veröffentlichten am Montag eine Auswertung, nach der knapp 1,5 Millionen Menschen im Land Antikörper gegen das Virus entwickelt haben, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das entspreche rund 2,5 Prozent der Bevölkerung. In Italien leben rund 60 Millionen Menschen.

Das Ergebnis der Studie basiert auf Tests bei 64.660 repräsentativ ausgewählten Menschen vom 15. Mai bis 15. Juli – die Ergebnisse seien bis 27. Juli eingegangen. Laut den Daten der US-Universität Johns Hopkins haben sich in Italien bislang gut 248.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 35.000 Infizierte starben.

Teils große Unterschiede in den verschiedenen Regionen

Zahlreiche Experten hatten etwa in Italien schon in den vergangenen Monaten erläutert, dass die reale Zahl der Infizierten deutlich über den gemeldeten Werten liegen dürfte. Denn für die Meldung ist ein Corona-Abstrich nötig. Manche Infizierte merken aber gar nichts von ihrer Ansteckung. Zugleich schätzten einige Fachleute in der Vergangenheit die Infizierten-Zahl in Italien noch deutlich höher.

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Das Imperial College in London etwa errechnete Anfang April, dass zehn Prozent der Italiener infiziert sein könnten. Eine solche Durchseuchungsrate wurde nach der jüngsten Studie deutlich verfehlt: Selbst in der am heftigsten betroffenen Region Lombardei, in der mehr als die Hälfte aller italienischen Infizierten leben, wiesen nur 7,5 Prozent der Testpersonen Antikörper gegen das Coronavirus auf, wie am Montagabend bekanntgegeben wurde. In Süditalien hatte weniger als ein Prozent der Menschen Antikörper im Blut, wie die neuen Tests ergaben. Allerdings ist noch unklar, ob und wie schnell die vom Immunsystem gegen das Coronavirus gebildeten Antikörper wieder verschwinden.

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In Deutschland offiziell nur 0,25 Prozent infiziert

Italien registrierte am Montag 159 Neu-Infektionen innerhalb eines Tages. Das waren deutlich weniger als in Deutschland, wo das Robert Koch-Institut (RKI) 879 neue Coronafälle registriert hatte. Deutschland hat mit 83 Millionen Einwohnern nur etwas mehr als Italien mit rund 60 Millionen.

Nach ersten Ergebnissen einer RKI-Untersuchung bei Blutspendern in Deutschland hatten rund 1,3 Prozent der Spender Antikörper gegen das Coronavirus im Blut. Die Zahlen sind aufgrund der ausgewählten Gruppe zwar nicht repräsentativ. Doch registriert sind in Deutschland insgesamt gut 211.000 Infizierte, das sind rund 0,25 Prozent der Bevölkerung.

“Der Wert von 2,5 Prozent (der Menschen) mit Antikörpern erscheint gering, aber kann sich zu etwas Problematischem wandeln, wenn wir nicht mehr vorsichtig sind”, sagte Istat-Chef Carlo Blangiardo zur Studie. Gesundheitsminister Roberto Speranza unterstrich, dass die Maßnahmen wichtig waren und dass die Regierung an ihrer “umsichtigen und strengen” Linie festhalten werde.

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Viele Menschen waren infiziert, ohne es zu merken

Die italienische Studie zeigt auch, dass viele Menschen das Virus hatten, ohne es zu merken. 27,3 Prozent, also gut jede vierte Testperson, hat die Infektion ohne Symptome überstanden. Männer und Frauen waren in gleichem Maße betroffen. Abgesehen von Kindern bis zu fünf Jahren und Senioren ab 85 Jahren, die während der Pandemie jeweils besonders geschützt wurden, verteilten sich die Infektionen laut Studie relativ gleichmäßig auf alle Altersklassen.

Die größte Infektionsgefahr lag nach Angaben der Forscher innerhalb von Familien: 41,7 Prozent der Testpersonen, die mit einem Corona-Patienten zusammenlebten, entwickelten demnach Antikörper.

RND/dpa

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