Studie zu Moderna-Impfstoff: Schon eine Vierteldosis könnte ausreichen

  • Können mit einer Dosis des Corona-Impfstoffs von Moderna deutlich mehr Menschen geimpft werden?
  • Diese Vermutung legt eine neue Studie aus den Vereinigten Staaten nahe.
  • Nach wie vor herrscht in vielen Ländern auf der Welt ein Mangel an Impfstoffen.
Maximilian Hett
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Der mRNA-Impfstoff des Herstellers Moderna kann vermutlich auch mit einer deutlich geringeren Dosis eine ausreichend gute Immunantwort hervorrufen. Das geht aus einer vorveröffentlichten und noch von unabhängigen Gutachtern zu prüfenden Preprint-Studie aus den Vereinigten Staaten hervor, über die auch das Fachmagazin „Nature“ berichtet. Demnach führt die Impfung mit nur 25 Mikrogramm statt der sonst üblichen 100 Mikrogramm zu einer gleich guten Reaktion – mit schützenden Antikörpern und einer T-Zell-Antwort.

Moderna-Impfstoff: 25 Mikrogramm könnten genug sein

In den ersten Studien des Herstellers wurden noch 100 Mikrogramm als beste Dosierung ermittelt. Die Gründe: Sie löste eine starke Immunität aus und hatte akzeptable Nebenwirkungen. Deshalb wurde diese Dosierung schließlich auch in vielen Ländern so zugelassen.

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Immunologinnen und Immunologen des La Jolla Instituts in den USA wollten nun wissen, ob auch eine niedrigere Dosis einen ausreichenden Schutz bieten könnte. Dazu untersuchten sie das Blut von Teilnehmenden der Ursprungsstudie. Diese bekamen dann im Abstand von 28 Tagen zwei 25-Mikrogramm-Impfungen.

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Fachleute zur Moderna-Dosierung: „Das ist eine ziemlich gute Nachricht“

Auch sechs Monate nach der zweiten Impfung hatten fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch neutralisierende Antikörper. Die niedrigere Dosis löste eine Immunreaktion aus, die mit denen von Covid-19-Genesenen vergleichbar waren.

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Die Ergebnisse geben Grund zur Hoffnung. „Das ist eine ziemlich gute Nachricht. Selbst mit einer niedrigen Dosis kann man das eigene Immunsystem auf ganz nette Weise anregen“, sagte Corine Geurts van Kessel, klinische Virologin am Erasmus University Medical Center in Rotterdam laut „Nature“. Die Ergebnisse könnten also auch relevant sein, wenn es darum geht, ob eine dritte Auffrischimpfung im Rahmen der weltweit laufenden Impfkampagnen nötig wird. Expertinnen und Experten hoffen zudem, durch eine Streckung der Dosis den Impfstoffmangel auf der Welt besser beheben zu können.

Corona-Impfstoff: Geringe Quote in vielen Ländern

In Deutschland gibt es inzwischen keinen Mangel mehr, jeder und jede kann einen Impftermin vereinbaren. Knapp 58, 7 Prozent der Bevölkerung wurde mindestens einmal geimpft, 43 Prozent sind bereits vollständig immunisiert (Stand: 13. Juli). In anderen Ländern hingegen, besonders in Afrika und Asien, sind bislang nur wenige Menschen durch eine Impfung gegen Covid-19 geschützt. Die Impfquote liegt häufig im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Ein Grund dafür ist die schlechte Verfügbarkeit von Impfstoffen.

Deutliche Worte zur aktuell genutzten Impfdosis äußerte Alex Tabarrok, Wirtschaftswissenschaftler an der George Mason University in Fairfax, Virginia. „Es gibt eine enorme Voreingenommenheit gegenüber dem Status quo, und das tötet Menschen“, sagte Tabarrok im dem „Nature“-Bericht. Durch eine Reduzierung der Dosis hätte man Dutzende bis Hunderte Millionen Menschen mehr impfen können, wird der Wirtschaftswissenschaftler zitiert.

Impfstoffdosierung: Studie auch zu Biontech/Pfizer

Er sagte, zwar könne die ausgelöste Immunreaktion bei einer niedrigeren Dosis möglicherweise schwächer ausfallen. Eine halbe Dosis jetzt sei für eine ungeimpfte Person aber immer noch nützlicher als eine volle Dosis ein Jahr später. Wie „Nature“ berichtet, wird in Belgien bereits für den Wirkstoff von Biontech/Pfizer geprüft, ob auch hier eine niedrigere Dosis ausreichen könnte. Bereits bei anderen Impfungen hatte sich in der Vergangenheit gezeigt, dass eine niedrigere Dosis ausreichen könnte. 2016 wurde mit einer solchen Strategie in Afrika und Südamerika gegen Gelbfieber geimpft.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte zuletzt Pharmaunternehmen aufgerufen, Impfstoffe gegen das Coronavirus zuerst an arme Länder zu liefern, anstatt sie in reichen Ländern als dritte Impfdosis einsetzen zu lassen. Zunächst müsse es Priorität haben, Menschen gegen das Coronavirus zu impfen, die noch nicht geimpft worden seien, sagte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Montag. Die Unternehmen Pfizer und Moderna sollten das globale Impfprogramm Covax versorgen.

Mit Material von dpa

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