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Studie zu Long Covid: Leichte Infektion könnte Arterien junger Erwachsener schädigen

  • Langzeitfolgen von Covid-19, auch Long Covid genannt, können in unterschiedlicher Form auftreten.
  • US-Forscher haben nun Hinweise darauf gefunden, dass junge Erwachsene noch bis zu vier Wochen nach einer leichten Corona-Infektion eine verhärtete Halsschlagader haben können.
  • Die Folge: Die Blutversorgung des Gehirns wird beeinträchtigt.
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Boone. Covid-19-Patienten können oftmals noch Monate nach der Erkrankung unter langfristigen gesundheitlichen Folgen leiden. Experten sprechen dann von Long Covid. Die Studienlage zu den Corona-Langzeitfolgen ist noch nicht eindeutig, aber es zeichnet sich immer mehr ab, dass nicht nur ältere Menschen betroffen sein können, sondern auch jüngere.

Ein Forscherteam der US-amerikanischen Appalachian State University fand jüngst heraus, dass das Coronavirus mitunter Arterien im ganzen Körper schädigen kann – so auch die Halsschlagader, die das Gehirn mit Blut versorgt. Dieses Long-Covid-Symptom stellten sie bei jungen, mit Sars-CoV-2 infizierten Erwachsenen fest, die nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten, sondern nur einen leichten Krankheitsverlauf aufwiesen. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin „Experimental Physiology“ publiziert.

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Corona-Infizierte weisen verhärtete Halsschlagader auf

Die Studie umfasste 15 junge Erwachsene mit einem durchschnittlichen Alter von 20 Jahren, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Sechs von ihnen waren Männer, neun waren Frauen. Das Forscherteam um Stephen Ratchford untersuchte bei ihnen drei bis vier Wochen nach der Infektion die Halsschlagader und machte Ultraschallaufzeichnungen im Zeitraum von zehn bis 15 Herzschlägen. Für die Kontrollgruppe zogen sie Daten von ebenfalls 15 jungen, gesunden Erwachsenen heran, die vor der Corona-Pandemie gesammelt wurden.

„Im Vergleich zu den jungen, gesunden Erwachsenen hatten diejenigen, die kürzlich positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden, Arterien, die steifer und weniger nachgiebig waren und eine geringere Dehnbarkeit aufwiesen“, sagte Ratchford dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ist die Arterie versteift, kann das die Blutversorgung des Gehirns stören. Ratchford, der als Assistenzprofessor für Humanphysiologie und Bioenergetik an der Appalachian State University tätig ist, hatte bereits Mitte Januar eine Studie veröffentlicht, die kardiovaskuläre Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19 bei jungen, mit Sars-CoV-2 infizierten Erwachsenen thematisierte. Schon damals hatten er und sein Team beobachtet, dass drei bis vier Wochen nach einer Corona-Infektion Veränderungen der Blutgefäßfunktion auftreten können.

Die jetzt vorgelegten Ergebnisse untermauern die damaligen Forschungsnachweise noch einmal – und legen nahe, dass selbst junge Erwachsene mit leichten Covid-19-Symptomen mitunter ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, die noch einige Zeit nach der Infektion andauern können. „Wir werden diese Patienten in den nächsten sechs Monaten weiter untersuchen, um zu sehen, ob beziehungsweise wann diese Anzeichen der arteriellen Steifigkeit abklingen“, sagte Ratchford dem RND.

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Gleichzeitig wiesen er und sein Team in der Studie darauf hin, dass nicht klar ist, ob die Versteifung der Arterien bei den Erwachsenen im Zuge der Corona-Infektion aufgetreten ist, oder ob es sich dabei um eine angeborene Komplikation handelt, die schon zuvor vorhanden war.

Long-Covid-Patienten werden jünger

Ärzte in Deutschland warnten zuletzt davor, dass Long-Covid-Patienten zunehmend jünger werden. Zu den am häufigsten beobachteten Langzeitfolgen gehören beispielsweise Leistungsminderungen, Atembeschwerden und kognitive Einschränkungen, berichtete Jördis Frommhold, Chefärztin an der Median-Klinik in Heiligendamm, im April der Deutschen Presse-Agentur. Das Krankenhaus hat sich auf Long-Covid-Erkrankungen spezialisiert. Dort seien in den vergangenen Monaten vermehrt 20- bis 30-Jährige stationär aufgenommen worden, so Frommhold. Auch die Anfragen nach Rehaangeboten für pädiatrische Patienten häuften sich.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach glaubt, dass die Behandlung von Long-Covid-Erkrankungen in den kommenden Monaten von großer Bedeutung sein wird. Auf Twitter schrieb er dazu: „Wir müssen uns nach der Bewältigung der 3. Welle stärker um die vielen #LongCovid Opfer kümmern.“

In einer früheren Version des Textes hieß es, dass fünf Studienteilnehmer in der Kontrollgruppe und sechs in der Sars-CoV-2-Gruppe eine verhärtete Halsschlagader aufwiesen. Wir haben das korrigiert.

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