Studie: Welchen Effekt hatten strengere Maßnahmen im ersten Lockdown?

  • Bund und Länder wollen heute über einen strengeren Lockdown beraten.
  • Aber welchen Effekt haben diese Maßnahmen, wenn es um die Eindämmung des Coronavirus geht?
  • Wissenschaftler der Universität Stanford haben in einer Analyse im Bezug auf Ausgangssperren und Geschäftsschließungen Anfang 2020 kaum einen Nutzen gefunden.
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Die Akzeptanz für staatlich verordnete Maßnahmen sinkt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Covid-19-Snapshot-Monitoring (Cosmo). Nur noch knapp die Hälfte der Befragten (52 Prozent) fand diese demnach vertretbar. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Bevölkerung findet sie eindeutig übertrieben und fast eine Drittel (32 Prozent) ärgert sich über die Einschränkungen. Nur noch 40 Prozent vertrauen der Regierung. Es sind die niedrigsten Werte seit Erhebungsbeginn im März vergangenen Jahres. Laut Snapshot-Monitoring stimmen immer mehr Menschen der Aussage zu, sie „seien es leid, sich einzuschränken“.

Kein Vorteil strengerer Maßnahmen beobachtet

Einzelne Maßnahmen zu bewerten, ist schwierig. Wissenschaftlern der Universität Stanford haben in einer statistischen Analyse den Effekt von Anti-Corona-Maßnahmen in zehn Ländern verglichen, darunter auch Deutschland. Dabei untersuchten sie, wie strenge Maßnahmen (Ausgangssperren und Geschäftsschließungen) und weniger strenge Maßnahmen (Empfehlung zum Social Distancing und das Verbot von Großveranstaltungen) den Verlauf der Infektionszahlen beeinflussten.

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Sie stellten dabei fest, dass sich das Schließen von Geschäften und Ausgangssperren Anfang 2020 nicht eindeutig auf das Infektionsgeschehen auswirkten. Das Virus wurde demnach schon von freiwilligen Verhaltensänderungen wie der Reduzierung sozialer Kontakte oder dem Verzicht auf Besuche in Geschäften ausgebremst. Der Effekt ließ sich durch strenge Maßnahmen nicht mehr eindeutig steigern.

Während strenger Beschränkungen sei es jedoch zu mehr Todesfällen in Pflegeheimen gekommen, schreiben die Autoren – was zeige, dass harte Maßnahmen nicht unbedingt dem Schutz vulnerabler Gruppen dienen.

Infektionszahlen sanken wegen Verhaltensänderungen

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Was die Stanford-Wissenschaftler beschreiben, war in Deutschland bereits nach dem ersten Lockdown beobachtet worden. So hatten Verhaltensänderungen in der Bevölkerung und das Absagen von Großveranstaltungen dazu geführt, dass die Infektionsraten sanken. Bereits vor dem beschlossenen Lockdown war so das gewünschte Ziel erreicht worden, den R-Wert (die Zahl der Personen die ein Infizierter durchschnittlich ansteckt) unter eins zu senken. Dies hatte sich aber erst im Nachhinein herausgestellt.

Ähnlich wie es die Forscher beschreiben, war zudem in der ersten wie in der zweiten Welle versäumt worden, die Hauptrisikogruppe der älteren Menschen in Pflegeheimen ausreichend zu schützen. So ist es in Deutschland seit dem Herbst trotz beschlossener Maßnahmen weiterhin zu vielen Neuinfektionen bei älteren Menschen und damit zu mehr Todesfällen gekommen.

Das Fazit der Stanford-Forscher: Mit ihrer Studie ließen sich positive Auswirkungen strenger staatlicher vorgeschriebener Einschränkungen Anfang 2020 zwar nicht gänzlich ausschließen, so die Autoren. Wenn diese vorhanden seien, stünden sie jedoch möglicherweise nicht im Verhältnis zu deren Folgen.



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