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Studie: Sommer reduziert Corona-Übertragung stärker als gedacht

In den Sommermonaten stecken sich weniger Menschen mit dem Coronavirus an als in den Wintermonaten.

London/Kopenhagen. Der Einfluss der Saisonalität auf die Ausbreitung des Coronavirus könnte größer sein als gedacht. Eine dänisch-britische Studie, die Mitte Juni auf dem Preprint-Server medRxiv erschienen ist, legt nahe, dass die Übertragung von Sars-CoV-2 in den Sommermonaten um rund 40 Prozent zurückgeht. Corona-Expertinnen und -Experten wie der Berliner Virologe Christian Drosten waren bisher von einem Effekt von rund 20 Prozent ausgegangen. Die Preprint-Studie muss noch von einem unabhängigen Expertengremium begutachtet werden.

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Die Forscherinnen und Forscher hatten für ihre Modellierungen Daten aus 143 gemäßigten Regionen in Europa ausgewertet. Sie kamen dabei zu dem Schluss, dass der saisonale Effekt ähnlich groß ist wie die Corona-Maßnahme, Versammlungen auf maximal zehn Personen zu reduzieren. Schul- und Universitätsschließungen würden die Reproduktionszahl – also die Zahl, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt – hingegen weniger senken als die Saisonalität.

Drosten: Temperatureffekt nicht überschätzen

Werden mehrere Corona-Maßnahmen wie Versammlungsverbote, Geschäfts- und Schulschließungen miteinander kombiniert, hätte das den größten Effekt auf die Übertragung des Coronavirus. Dann könnte die Reproduktionszahl um rund 75 Prozent reduziert werden. „In Zukunft wird die langfristige Saisonalität von Sars-CoV-2 zum Teil von der Entwicklung der Immunität der Bevölkerung sowie von der Entstehung von Varianten abhängen“, schreibt das Forscherteam – und weist darauf hin, dass sich die Daten nur auf eine Sommer-Winter-Periode und nur auf Europa beziehen. Der saisonale Effekt könnte in verschiedenen Klimazonen also unterschiedlich groß sein.

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Darauf macht auch das Robert Koch-Institut in seinem Coronavirus-Steckbrief aufmerksam. Dort heißt es: „Während in Europa stärkere saisonale Effekte beobachtet werden, lassen sich in (sub)tropischen Regionen weniger starke Effekte feststellen.“ Weil hierzulande vielen Menschen noch eine Grundimmunität fehle, seien größere Ausbrüche auch im Sommer möglich. Einzelne Corona-Maßnahmen müssten deshalb weiterhin aufrechterhalten werden.

Virologe Christian Drosten hatte Ende Mai in seinem NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ klargestellt, dass man den Effekt der Saisonalität nicht überschätzen dürfe oder gar davon ausgehen könne, dass die steigenden Temperaturen allein das Virus unter Kontrolle bringen. „Es ist nicht so, dass irgendjemand jemals behauptet hätte, es gäbe keinen Temperatureffekt“, sagte er. „Es ist aber auch nicht so, dass man davon ausgehen könnte, dass die Temperatur das alles erledigt.“

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