Studie: Sind Infizierte mit B.1.1.7. länger ansteckend?

  • Infektionen mit B.1.1.7. dauern womöglich länger an. Das hat eine Studie US-amerikanischer Forscher ergeben.
  • Sollten sich die Studienergebnisse bestätigen, wäre eine längere Isolationszeit angebracht, so die Autoren.
  • Allerdings ist noch nicht belegt, dass B.1.1.7.-Infizierte auch länger ansteckend sind.
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Infektionen mit der neuen britischen Virusvariante B.1.1.7. könnten womöglich länger andauern. Das hat eine online veröffentlichte Studie amerikanischer Forscher mit einer kleinen Anzahl Probanden ergeben. Ob Infizierte andere auch länger anstecken können, ist aber noch nicht erwiesen.

Um zu prüfen, ob bei einer Infektion mit B.1.1.7. eine größere Menge Viren im Nasen-Rachen-Raum nachweisbar ist, hatten die Wissenschaftler PCR-Tests bei 65 Infizierten durchgeführt, von denen sieben mit B.1.1.7. infiziert waren. Anschließend verglichen sie die Viruslast bei denjenigen, die sich mit B.1.1.7. und denjenigen, die sich mit der Ursprungsvariante des Virus infiziert hatten.

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B.1.1.7. durch PCR länger nachweisbar

Wie die Wissenschaftler dabei feststellten, war die Menge der nachweisbaren Viren zum Höhepunkt der Infektion ähnlich hoch, unabhängig davon, mit welcher Variante sich die Patienten angesteckt hatten. Bei den mit B.1.1.7. Infizierten war das Virus jedoch länger nachweisbar, nämlich bereits fünf Tage vor dem Höhepunkt der Infektion und noch acht Tage danach. Bei denjenigen, die sich mit der Ursprungsvariante angesteckt hatten, konnten die Forscher das Virus hingegen nur zwei Tage vor und sechs Tage nach dem Zeitpunkt der höchsten Virenkonzentration nachweisen. Daraus würde sich eine gesamte Infektionsdauer von 13 gegenüber acht Tagen ergeben.

Eine längere Infektionsdauer könne einer der möglichen Gründe dafür sein, warum die Ansteckungsrate bei B.1.1.7. erhöht zu sein scheint, vermuten die Autoren. So deuten aktuelle Studien darauf hin, dass die britische Variante um 35 bis 45 Prozent ansteckender ist.

Länger infiziert heißt nicht unbedingt länger ansteckend

Die Untersuchung einer derartig kleinen Gruppe hat allerdings nur begrenzte Aussagekraft. Daher empfehlen die Studienautoren, die Studie bei einer größeren Zahl Infizierter zu wiederholen. Sollte sich dabei bestätigen, dass die Variante B.1.1.7. zu länger anhaltenden Infektionen führt, sei womöglich eine längere Isolationszeit nach einer Infektion angebracht, schreiben die Wissenschaftler.

Allerdings muss eine längere Nachweisbarkeit des Virus nicht unbedingt bedeuten, dass Infizierte auch länger ansteckend sind. So können mithilfe der PCR auch kleinste Virenmengen und Erbgutbruchstücke des Erregers nachgewiesen werden.

Virenmenge reicht nicht aus, um andere zu infizieren

Einen Rückschluss auf die Virenmenge lässt hierbei der sogenannte Ct-Wert zu. Er besagt, in wie vielen Zyklen Virenerbgut in einem Anstrich vermehrt werden muss, bis der Test anschlägt. Je mehr Zyklen benötigt werden, also je höher der Ct-Wert, desto geringer die Virenkonzentration in einer Probe. Die Studienautoren hatten Studienteilnehmer bereits dann als infiziert eingeordnet, wenn der PCR-Test erst nach 35 Vermehrungszyklen anschlug, der Ct-Wert also bei 35 lag. Schon ab einem Ct-Wert von 30 ist aber nicht mehr davon auszugehen, dass Infizierte noch ansteckend sind.

Das heißt: Auch wenn die neue Variante durch eine PCR-Untersuchung länger nachweisbar ist, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass Infizierte auch länger ansteckend sind und sich länger isolieren müssen. Denn die Virenmenge zu Beginn und Anfang der Infektion reicht wahrscheinlich nicht aus, um den Erreger weiterzugeben.

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