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Studie: Mobiles Arbeiten wirkt sich positiv auf gut ausgebildete Beschäftigte aus

  • Beschäftigte, die über ein gewisses Maß an digitalem Know-how verfügen, profitieren von der Arbeit im Homeoffice.
  • Allgemein treten bei ihnen weniger Schlafprobleme und Stress auf.
  • Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie der Barmer und der Universität St. Gallen.
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Seit mehr als einem halben Jahr befinden sich viele Beschäftigte im Homeoffice, gehen ihrer Arbeit mobil von zu Hause aus nach. Die Corona-Pandemie hat die Umstellung auf Remote-work enorm beschleunigt. Wurden vor Beginn der Krise durchschnittlich 15,9 Stunden pro Woche mobil gearbeitet, so wuchs die Zahl der im Homeoffice geleisteten Arbeitsstunden in den vergangenen Monaten auf 35,7 Stunden an. Diese Digitalisierung der Arbeit hat dabei unterschiedliche Auswirkungen auf die Beschäftigten, wie die Krankenkasse Barmer gemeinsam mit der Universität St. Gallen im Rahmen einer Langzeitstudie festgestellt hat.

Unter bestimmten Voraussetzungen wirkt sich die fortschreitende Digitalisierung positiv auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten aus, heißt es in den ersten Zwischenergebnissen der Studie, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Vor allem Menschen, die sich mit der erforderlichen Technik auskennen, profitieren von der Heimarbeit. Im Vergleich zu Beschäftigten im Homeoffice, die nicht über entsprechendes Know-how verfügen, klagen die Digitalaffinen über weniger Schlafprobleme (−18,3 Prozent) und weniger Stress (−6,4 Prozent). Gleichzeitig wird die Produktivität als deutlich höher eingestuft. 56,1 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten bereits mobil, die meisten davon (92,1 Prozent) von zu Hause aus. Rund 25 Prozent halten mobiles Arbeiten in ihrem Job zukünftig für möglich.

Technische Ausrüstung für viele besonders wichtig

Auch die digitale Kompetenz der Führungskräfte spielt der Studie zufolge beim Wohlbefinden eine wichtige Rolle. So bewerteten Beschäftigte mit einem Vorgesetzten, der über virtuelle Führungsqualifikationen verfügt, ihre Arbeitszufriedenheit um 48,3 Prozent höher ein, als Beschäftigte, deren Vorgesetzte nicht über entsprechende Skills verfügen. Auch sorgt eine digital qualifizierte Führungskraft für weniger Stress (−15,5 Prozent) und dafür, dass Beschäftigte sich weniger Gedanken über eine mögliche Kündigung machen (−40,7 Prozent).

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Als besonders wichtig für das mobile Arbeiten empfinden Beschäftigte die technische Ausstattung und die Unterstützung durch den Arbeitgeber (75,5 Prozent). Bei 73,4 Prozent der Befragten gibt es bereits entsprechende Versorgung. Deutlich größer sind die Unterschiede bei dem Thema “Führungskräfteschulungen zum Umgang mit mobiler Arbeit”. Hier wünschen sich 55,3 Prozent der Befragten, dass ihre Vorgesetzten zum Thema Homeoffice weitergebildet werden. Bei 34,5 Prozent der Befragten gibt es ein derartiges Angebot.

Räumliche Distanz führt zu Unsicherheit

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Für die Studie werden etwa 8000 Beschäftigte im Alter von 18 Jahren bis hin zum Renteneintritt halbjährlich zu Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeit befragt. “Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass digitale Kompetenzen zum Umgang mit neuen Technologien einen wichtigen Hebel darstellen, um die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten positiv zu beeinflussen”, sagt Professor Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Eine Studie der Krankenkasse DAK, die im Juli veröffentlicht wurde, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach bevorzugen 76,9 Prozent der Befragten die neue Arbeitsform – zumindest in Teilen – gegenüber der üblichen Arbeitsstelle. Als positive Entwicklung nahmen die Beschäftigten weniger Stress, eine höhere Produktivität und mehr Zeit für die Familie wahr.

Das mobile Arbeiten zieht jedoch auch negative Aspekte mit sich. So vermissen viele die persönlichen Kontakte zu Kollegen. Die räumliche Distanz sorgt für Unsicherheiten und das Zugehörigkeitsgefühl nimmt ab. Hier kann eine engere Einbindung der Kollegen durch digitale Kommunikationsmittel den Zusammenhalt im Team verbessern, heißt es in der Barmer-Studie. Zudem besteht die Schwierigkeit, Arbeit und Privatleben strikt voneinander zu trennen.

Das sogenannte Grenzmanagement, also die Trennung beider Lebensbereiche, wird zu einer neuen Herausforderung. Dabei kann es zum Beispiel hilfreich sein, einen geschlossenen Arbeitsplatz einzurichten, der nur für das Homeoffice genutzt wird. Auch die Strukturierung der eigenen Zeit und die klare Kommunikation spielen dabei eine wichtige Rolle. Je besser es Beschäftigten gelingt, zeitliche und örtliche Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben zu ziehen, desto geringer fällt der Stress aus.

RND



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