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Studie mit Wasserproben: Gab es das Coronavirus schon Anfang 2019 in Europa?

  • Spanische Forscher sollen Covid-19 schon zu Beginn 2019 im Abwasser von Barcelona nachgewiesen haben.
  • Demnach wäre das Virus schon Monate vor den ersten bekannten Infektionsfällen im Dezember 2019 in Wuhan aufgetreten.
  • Die Forschungsarbeit ist jedoch umstritten.
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Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wurde angeblich schon im März des vergangenen Jahres im Abwasser von Barcelona nachgewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität von Barcelona, wie die “Neue Zürcher Zeitung” schreibt. Das Virus wäre damit schon deutlich früher zirkuliert als bislang angenommen. Bisher geht man davon aus, dass das neuartige Coronavirus im Dezember 2019 in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan seinen Ursprung fand, als dort erste Fälle einer damals noch unbekannten Lungenerkrankung aufgetreten waren.

Die Forscher unter Anleitung von Albert Bosch suchten in zwei Kläranlagen in Barcelona nach dem neuen Krankheitserreger. Dabei analysierten sie zunächst wöchentliche Wasserproben, da das Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Eine Spur des Erregers im Abwasser wäre somit ein Indiz für eine Entwicklung der Covid-19-Pandemie in der spanischen Großstadt. Tatsächlich nahmen die im Abwasser der Kläranlagen gefundenen Mengen an Sars-CoV-2-Erbgut genauso ab wie die Fallzahlen im Frühling in der Stadt, wie die Schweizer Zeitung weiter über die Studie berichtet.

Hinweise auf Virus in 16 Monate alter Wasserprobe

Als Nächstes nahmen sich die Forscher aufbewahrte Wasserproben vor, die unter anderem aus dem vergangenen Jahr stammten. Das Ergebnis war verblüffend. So gab es für das Virus im Abwasser schon 41 Tage vor dem ersten offiziellen Infektionsfall in Barcelona einen Nachweis. Dieser stammte vom 25. Februar 2020.

Doch damit nicht genug: Auch in einer Wasserprobe vom 12. März 2019 stieß die Forschergruppe auf Genomsequenzen, die auf das Coronavirus hindeuteten. Damit wäre nach den Autoren der Studie der Nachweis erbracht, dass sich das Virus schon lange vor der weltweiten medialen Berichterstattung über die ersten Infiziertenfälle in Barcelona ausbreitete.

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Experten äußern Zweifel an Studie

Unter Wissenschaftlern gilt die Studie jedoch als sehr umstritten. Die Studie wurde auf dem Preprint-Server “Medrix-Repository” veröffentlicht, doch bisher wurde sie noch nicht – wie üblich – wissenschaftlich überprüft. Bis dieser Peer-Review-Prozess abgeschlossen ist, sollten die Aussagen der Studie mit Vorsicht behandelt werden, sagen einige Experten.

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Experten bemängeln vor allem die Methodik der Studie von Bosch. Wie der “MDR” berichtet, wertet die Virologin Pilar Domingo vom spanischen Gesundheitsministerium das Probenergebnis als Einzelfall. Ihr zufolge wäre der Virusgenom-Nachweis anderen Prüfverfahren “möglicherweise durch die Lappen gegangen”. Auch Mikrobiologin Ana Maria de Roda Husman sagt laut “MDR”, ohne eine Analyse der Virus-Gensequenzen sei es sehr schwer zu sagen, ob in der katalanischen Abwasserprobe tatsächlich das neuartige Coronavirus gefunden wurde.

Zweifel an der Aussagekraft der Studie hat auch die Wissenschaftlerin Claire Crossan, die darüber bei “The Conversation” schreibt. Dass die Studie nicht mit epidemiologischen Daten über das Virus übereinstimmt, kommt ihr fragwürdig vor. Die Autoren würden keine Berichte zitieren, in denen über einen Anstieg der Anzahl von Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung Barcelonas nach dem Datum der Probenahme berichtet wird.

Selbst der Hauptautor der Studie, Albert Bosch, sagte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Medienanbieter RTE: “Hätte es die Pandemie nicht gegeben und die Werte entsprächen denen, die wir jetzt haben, dann wären sie ohne die schweren Covid-19-Fälle gar nicht bemerkt worden.” Die Ergebnisse der Studie sollten bis zu einer Überprüfung demnach kritisch hinterfragt werden.

RND/ak/mf

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