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Studie: Kinder wohl kein Pandemietreiber – gilt das auch für die Corona-Mutation?

  • Seit Sommer vergangenen Jahres analysiert die Berliner Charité das Infektionsgeschehen an 24 Schulen.
  • Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kinder keine Treiber der Corona-Pandemie sind.
  • Und auch zu ihrer Anfälligkeit für die britische Corona-Variante gibt es neue Erkenntnisse.
Laura Beigel
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Die Rolle der Kinder in der Corona-Pandemie ist nach wie vor umstritten. Auch in der Wissenschaft kursieren zu diesem Thema unterschiedliche Standpunkte. So kommt die Berliner Corona Schulstudie (BECOSS) der Charité zu dem Ergebnis, dass Kinder keine Treiber der Pandemie sind. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, zeigen vorläufige Analysen, dass sich Kinder durchaus, aber selten mit Sars-CoV-2 infizieren und in der Schule kaum andere Mitschüler anstecken.

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Die Tageszeitung beruft sich auf eine unveröffentlichte Antwort der Senatswissenschaftsverwaltung auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Adrian Grasse, die der Redaktion vorliege. Demnach seien insgesamt zehn Corona-Infektionen in acht von 24 untersuchten Schulklassen aufgetreten. Sechs Betroffene seien Einzelfälle in ihren Klassen gewesen, in zwei Klassen fanden sich wiederum je zwei Infizierte. Die Mehrheit der infizierten Kinder habe keine Symptome gezeigt.

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Charité will Studie in der kommenden Woche veröffentlichen

„Bei der Nachverfolgung positiver Klassenverbände zeigte sich nach einer Woche keine auf das Schulumfeld zurückzuführende Infektion bei Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften, allerdings vier von sieben Infektionen bei Haushaltsmitgliedern, bei denen dies nicht auszuschließen ist“, zitiert der „Tagesspiegel“ aus dem Antwortschreiben von Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD).

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90 Prozent weniger Viren im Raum für knapp 200 Euro: Das macht eine selbstgebaute Lüftungsanlage des Max-Planck-Instituts für Chemie möglich.  © Reuters

Direkt bestätigen wollte die Charité die bekannt gewordenen Ergebnisse der BECOSS-Studie nicht. Stattdessen teilte die Klinik auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland mit: „Die in dem Artikel veröffentlichten Studienergebnisse basieren auf vorläufigen Ergebnissen zum Zeitpunkt der Beantwortung der parlamentarischen Anfrage. Die endgültige Veröffentlichung ist für Mitte nächster Woche vorgesehen.“

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Infektionsgeschehen soll über längeren Zeitraum überwacht werden

Die Berliner Corona Schulstudie hatte die Charité im Sommer vergangenen Jahres begonnen. Mobile Teams sollten an 24 zufällig ausgewählten Grund- und Oberschulen Abstriche für Corona-Tests aus dem Nasen-Rachen-Raum von jeweils 20 Schülern und fünf Lehrkräften nehmen. Die Tests sollten innerhalb von zwölf Monaten regelmäßig wiederholt werden. Das Ziel: Das Infektionsgeschehen an den Schulen über einen längeren Zeitraum überwachen.

Staatssekretär Krach sagte gegenüber dem „Tagesspiegel“, dass die Studie in ihrem Umfang einzigartig sei und die Forschung Zeit brauche, um aktuelle Entwicklungen wie die neuen Virusmutationen zu berücksichtigen. Vor allem die britische Corona-Variante B.1.1.7 – auch VUI-202012/01 genannt – könnte das Infektionsgeschehen noch einmal verschärfen, wenn sie sich in Deutschland ausbreitet. Denn erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Variante ansteckender ist als die ursprüngliche Form von Sars-CoV-2.

Kinder weisen meist asymptomatischen Krankheitsverlauf auf

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Die Expertengruppe New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group (Nervtag), die die britische Regierung berät, hatte zudem davor gewarnt, dass Kinder besonders anfällig für B.1.1.7 sein könnten. „Es gibt einen Hinweis darauf, dass es [das mutierte Coronavirus, Anm. d. Red.] eine höhere Neigung hat, Kinder zu infizieren“, hatte Prof. Neil Ferguson, Epidemiologe am Imperial College London und Mitglied von Nervtag, gegenüber dem britischen Science Media Center gesagt. „Wir haben keine Art von Kausalität dafür festgestellt, aber wir können es in den Daten sehen. Wir werden mehr Daten sammeln müssen, um zu sehen, wie es sich in Zukunft verhält.“

Bisher galten Kinder im Vergleich zu Erwachsenen als weniger empfänglich für Infektionen mit Sars-CoV-2. Infizieren sie sich doch mit dem Coronavirus, zeigt sich bei ihnen in der Regel ein milder oder asymptomatischer Krankheitsverlauf.

Sind Kinder doch nicht anfälliger für die britische Corona-Variante?

Gleich zwei Studien liefern jetzt Hinweise dafür, dass Kinder wohl doch nicht besonders anfällig für die britische Coronavirus-Variante sind. So untersuchte ein Forscherteam um Prof. Sarah Walker, Professorin für medizinische Statistik und Epidemiologie am Nuffield Department of Medicine der Oxford-University, mehr als 1,5 Millionen Nasen-Rachen-Abstriche, die zwischen dem 28. September 2020 und 2. Januar 2021 in Großbritannien genommen wurden. Die Abstriche wurden auf die Gene N, S und ORF1ab getestet, die auf Sars-CoV-2 hindeuten.

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Von den mehr als 1,5 Millionen Proben wiesen 15.166 im PCR-Test ein positives Ergebnis auf. Das Coronavirus war also nachweisbar. Bei 56 Prozent der positiven Abstriche konnten die drei Gene N, S und ORF1ab identifiziert werden, bei 23 Prozent (3.531 Tests) kam es hingegen zu einem S-Gene-Target-Failure (SGTF). Das Fehlen des S-Gen-Targets deutet auf eine Mutation des Sars-CoV-2-Virus hin und gilt als hochspezifischer Marker für B.1.1.7.

Die Steigerungsraten der SGTF-Positivität seien bei Kindern und Erwachsenen ähnlich groß gewesen. „Unsere Ergebnisse, dass es keine Hinweise auf einen Unterschied in den SGTF-Wachstumsraten zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, sprechen nicht dafür, dass B.1.1.7 besonders angepasst ist, um eine höhere Übertragung bei Kindern zu erreichen“, heißt es in der Studie, die auf dem Preprint-Server medRxiv veröffentlicht wurde. „Die höheren aktuellen Positivitätsraten bei Kindern und jungen Erwachsenen in Großbritannien bedeuten jedoch unweigerlich, dass die gleichen Wachstumsraten zu einer höheren Anzahl von Neuinfektionen in diesen Altersgruppen führen werden.“

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Untersuchung aus Portugal, die auf dem Portal virological.org publiziert wurde. Bei dieser waren mehr als 27.000 positiv getestete Nasen-Rachen-Abstriche analysiert worden. „Wir beobachteten, dass der Anteil der SGTF-Fälle von rund einem Prozent in den Wochen 49-50 (2020) auf 11,4 Prozent in Woche 2 (2021) anstieg“, schrieb das Forscherteam um den Infektiologen Vítor Borges vom National Institute of Health Dr. Ricardo Jorge in Lissabon. Eine „relevante Verschiebung in der Altersverteilung“ sei dabei nicht aufgetreten. Das bedeutet, dass sich Kinder nicht häufiger mit der britischen Coronavirus-Variante infizierten als die erwachsenen Probanden.




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