Studie: Bluttest soll 20 verschiedene Krebsarten erkennen

  • Wie kann Krebs frühzeitig erkannt werden? Ein Bluttest, der dazu imstande wäre, soll nun von Forschern erfolgreich erprobt worden sein.
  • Der neuartige Test soll mehr als 20 Krebsarten mit hoher Genauigkeit erkannt haben.
  • Doch wie erfolgsversprechend die Ergebnisse wirklich sind, bleibt abzuwarten.
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Boston. Forscher des "Dana-Farber Cancer" Institutes in Boston haben nach eigenen Angaben einen neuen Bluttest erprobt, der mehr als 20 verschiedene Krebsarten mit hoher Genauigkeit erkennen können soll. Für den Test, der von Grail Inc., einem auf DNA-Sequenzierung spezialisierten Startup aus den USA, entwickelt wurde, haben die Forscher nach eigenen Angaben knapp 3600 Blutproben untersucht. Darunter waren den Forschern zufolge 1530 Proben von Menschen mit Krebserkrankung und 2053 von Menschen, bei denen noch keine Erkrankung diagnostiziert wurde.

Zu den Krebsarten, die in den Proben entdeckt werden konnten, sollen unter anderem Brustkrebs, Darm- und Magenkrebs, Speiseröhrenkrebs und Lungenkrebs gehören. Insgesamt konnte der Test nach Angaben der Wissenschaftler mit 99,4 Prozent Genauigkeit eine Krebserkrankung diagnostizieren. Bei 0,6 Prozent habe er demzufolge ein falsches positives Ergebnis gezeigt. Zudem habe der Test für die Proben, die ein Ursprungsgewebe lieferten, in 89 Prozent der Fälle das Organ oder das Ursprungsgewebe korrekt identifizieren können.

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Bluttest sucht nach Methylgruppen

Beim angewendeten Bluttest komme laut den Forschern eine Technologie zum Einsatz, bei der die DNA auf winzige chemische Markierungen untersucht wird, die Einfluss darauf haben, ob ein Gen aktiv oder inaktiv ist.

Der Test suche dafür nach DNA, die Krebszellen beim Absterben in die Blutbahn abgeben. Dabei konzentriere sich die Technologie auf Veränderungen der DNA, die als Methylgruppen bekannt sind. Methylgruppen sind chemische Einheiten, die steuern, welche Gene aktiviert und welche deaktiviert sind. Binden sich diese Einheiten an die DNA, spricht man von Methylierung.

Laut den Forschern weisen abnormale Methylierungsmuster eher auf Krebs hin als Genmutationen. Der Bluttest untersuche deshalb die Teile des Genoms, in denen abnormale Methylierungsmuster in Krebszellen gefunden wurden.

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Ergebnisse der Studie schwer einzuschätzen

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Wann und ob der Bluttest flächendeckend eingesetzt wird, ist nicht bekannt. Dabei stellt sich vor allem die Frage nach der wissenschaftlichen Fundierung der Studie, in dessen Rahmen der Bluttest erprobt wurde. Aus der Pressemitteilung der Forscher ist nicht ersichtlich, welche Rolle die Ergebnisse in wissenschaftlichen Fachmagazinen spielen. Erwähnt wird lediglich, dass die Ergebnisse des Bluttests beim "European Society for Medical Oncology Congress" (ESMO) in Barcelona vorgestellt würden. Auf der Webseite des Veranstalters finden sich jedoch keine Hinweise darauf. Der Kongress fand vom 27. September bis 1. Oktober 2019 statt.

Ein großes Problem bei der Behandlung von Krebs ist, dass die Erkrankung meist erst spät entdeckt wird. Oft haben sich die Tumorzellen bereits ausgebreitet und Metastasen im Körper gebildet. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) sind Krebserkrankungen mit 226.000 Todesfällen pro Jahr die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislaufkrankheiten in Deutschland. Jährlich erkranken über 470.000 Menschen hierzulande neu an Krebs.

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Bluttests in der Krebsforschung umstritten

Das Thema Bluttest ist in der Krebsforschung keineswegs neu. Grail hatte den nun von den Forschern des Bostoner Cancer-Instituts erprobten Test bereits vor Jahren als Durchbruch in der Krebsforschung angepriesen.

Der Test solle schon bei kleinen Tropfen Blut auf eine drohende Tumorerkrankung anschlagen. Hinter der Technologie, die das ermöglichen soll, steckt das Medizintechnikunternehmen Illumina mit Sitz in San Diego. Als Ableger für die Entwicklung der Bluttests wurde 2015 das Start-Up Grail gegründet, zu dessen Investoren auch Amazon-Chef Jeff Bezos und Microsoft-Gründer Bill Gates zählen. Als einer der größten Hersteller von DNA-Sequenzierautomaten winkt Illumina mit den Tests ein potenziell milliardenschweres Geschäft. Lesen Sie hier mehr dazu.

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Erst Anfang des Jahres hatte eine umstrittene PR-Kampagne für einen Brustkrebs-Bluttest am Heidelberger Uniklinikum einen Skandal ausgelöst. Wie sich später herausstellte, war der als Sensation verkündetet Bluttest noch gar nicht marktfähig.

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