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„Hervorragende Neuigkeiten“: Biontech-Impfstoff könnte Coronavirus-Übertragung verhindern

  • Eine noch unveröffentlichte Studie aus Israel hat am Sonntag für Aufsehen gesorgt.
  • Diese legt nahe, dass der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer auch die Übertragung von Sars-CoV-2 verhindert.
  • Impfstoffexperten in Deutschland fassen die israelischen Studienergebnisse als ermutigend auf.
Laura Beigel
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Jerusalem. Es war die große Unbekannte: Verhindern die Corona-Impfstoffe nur, dass Geimpfte an Covid-19 erkranken, oder reduzieren sie auch das Risiko, dass Geimpfte das Virus an andere übertragen? Bisher konnte diese Frage weder für die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna noch für den Vektorimpfstoff von Astrazeneca klar beantwortet werden.

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Studie: Biontech-Impfstoff ist „hocheffektiv“

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Dabei ist es wichtig, dass die Impfstoffe auch vor Infektionen schützen. Denn nicht alle Menschen können gegen das Coronavirus geimpft werden. Würden Geimpfte zwar nicht mehr schwer an Covid-19 erkranken, aber weiterhin infektiös sein, könnten sie andere anstecken, die noch nicht geimpft sind. Der Corona-Impfstoff BNT162b2 vom Mainzer Biotechnologieunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer scheint jedoch vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu schützen.

Das legen zumindest vorläufige Ergebnisse einer vom israelischen Gesundheitsministerium durchgeführten Beobachtungssstudie nahe. Demnach könne das mRNA-Vakzin die Übertragung von Sars-CoV-2 zu 89,4 Prozent verhindern – und sei damit „hocheffektiv“. Bei der Untersuchung traten 1842 Corona-Infektionen in der Gruppe der doppelt Geimpften auf, in der Kontrollgruppe der Ungeimpften hingegen 76.797.

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Ergebnisse liegen nur als Vorabveröffentlichung vor

Gleichzeitig untersuchten die Forscher, wie effektiv der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer ist. Dabei zeigte sich, dass die Impfungen die Zahl der positiven Sars-CoV-2-Tests um knapp 90 Prozent reduzierten. Symptomatische Fälle gingen um fast 94 Prozent zurück und schwere Fälle, die mitunter zu Hospitalisierung und Tod führen können, um rund 93 Prozent. Diese Ergebnisse ähneln denen der klinischen Studien. Damals war die Rede von einem 95-prozentigen Impfschutz.

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Studie aus Israel: Biontech-Impfung verhindert Ansteckung
1:09 min
Daten aus Israel belegen die hohe Wirksamkeit des Impfstoffes. Wer bereits zwei Dosen bekommen hat, darf dort wieder ins Fitnessstudio, Theater oder Hotel.  © Reuters

Die Studie wurde israelischen Journalisten des Internetportals „ynet“ zugespielt. Bisher liegt sie nur in einer noch unveröffentlichten Version vor, soll aber bald auf einem Preprintserver und in einem Fachmagazin erscheinen. Sowohl der Impfstoffhersteller Biontech als auch das Gesundheitsministerium in Jerusalem wollten sich nicht zu den Ergebnissen äußern.

Asymptomatische Fälle sind nicht erfasst worden

Prof. Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, bewertet die Daten aus Israel positiv, weil sie die Ergebnisse der klinischen Studien bestätigen. Er wies jedoch darauf hin, dass „asymptomatische Fälle, die nicht per PCR getestet wurden, bei denen die Personen aber dennoch ansteckend sind, nicht erfasst wurden“. Rund 10 Prozent der asymptomatischen Fälle seien auch bei den Geimpften aufgetreten.

„Die Impfung reduziert die Weitergabe des Virus deutlich“, sagte der Immunologe dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Aber natürlich kann es in wenigen Fällen noch dazu kommen, dass Geimpfte das Virus weitergeben können. Bisher wurde das immer so dargestellt: Geimpfte sind noch ansteckend! Nun heißt es: Die Impfung verhindert die Weitergabe! Die Wahrheit liegt wie immer dazwischen.“

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Mehr als vier Millionen Menschen in Israel haben Erstimpfung erhalten

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) sprach von einer „sehr positiven Nachricht“. Auf Twitter schrieb er: „Das würde Herdenimmunität per Impfung möglich machen.“ Mit einer Herdenimmunität ist ein Schutz durch die Gemeinschaft gemeint. Wenn eine ausreichende Zahl der Bevölkerung geimpft ist, breitet sich das Coronavirus kaum noch aus. Wie hoch die Impfquote sein muss, ist umstritten. Experten bezifferten sie zuletzt mit 60 bis 90 Prozent.

Israel ist auf einem guten Weg, diese Durchimpfungsquote bald zu erreichen. Seit Mitte Dezember haben rund 4,3 Millionen Menschen eine erste Impfdosis erhalten, knapp drei Millionen Einwohner sind bereits zum zweiten Mal geimpft worden. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Zahl der Erstimpfungen bei mehr als 3,1 Millionen, die Zahl der Zweitimpfungen bei knapp 1,7 Millionen.

Impfstoffexperte: Studienergebnisse sind „sehr ermutigend“

Prof. Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, zeigte sich ebenfalls erfreut über die Studienergebnisse. „Das sind hervorragende Neuigkeiten, die gut zu den bisher bekannt gewordenen Zahlen aus Israel passen“, sagte er dem RND. „Hier bestätigt sich nicht nur die exzellente Effektivität der Impfung gegen die Covid-19 Erkrankung, sondern es zeichnet sich ein deutlicher Effekt auf die Infektionen und die Transmission ab.“

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Der Impfstoffexperte merkte gleichermaßen an, dass die Studienteilnehmer nicht systematisch auf asymptomatische Infektionen untersucht wurden. Daher seien noch Korrekturen bei der Angabe zur Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffes möglich. Aber insgesamt sei die israelische Studie „sehr ermutigend und zeigt, dass es einen realistischen Weg aus dem Pandemieszenario gibt, der maßgeblich durch Impfungen erreicht werden kann.“

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