Studie: Antikörper aus Blutplasma machen Hoffnung im Kampf gegen Corona

  • Nach einer überstandenen Corona-Infektion ist es möglich, Erkrankten mit einer Blutplasmaspende zu helfen.
  • Die Wirksamkeit des Verfahrens, das vor allem wegen Antikörpern vielversprechend ist, wird noch untersucht.
  • Erste Studienergebnisse machen Hoffnung - genau wie die aktuelle Bereitschaft der Deutschen, zu spenden.
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Oldenburg/Hannover. Im ersten Stock des Oldenburger Blutspendezentrums herrscht eine entspannte Atmosphäre. Mehrere Frauen sitzen zurückgelehnt auf blauen Stühlen, die Arme über Schläuchen mit speziellen Maschinen verbunden, die ihr Blut filtern und einen bestimmten Teil - das sogenannte Plasma - in einem Beutel sammeln. Nach zwanzig Minuten kündigt bei Nicole Schmidt ein Signalton an, dass ihre heutige Plasmaspende vorüber ist.

Nicole Schmidt spendet nach ihrer Coronainfektion Plasma mit Antikörpern beim DRK Blutspendedienst Oldenburg. © Quelle: Sina Schuldt/dpa

Seit sie im März 2020 eine Corona-Infektion überstanden hat, ist die 47-Jährige Stammgast im Oldenburger Blutspendezentrum. Das besondere an ihrem Plasma: Nach der überstandenen Infektion befinden sich darin Antikörper, die Corona-Patienten möglicherweise das Leben retten können. Als Heilmittel zugelassen ist eine Therapie mit diesen Antikörpern in Deutschland noch nicht - aber erste Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse.

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Im Plasma gebildete Antikörper können helfen

Doch was ist überhaupt Plasma? Und wie hilft es bei einer Infektion mit Corona? „Plasma ist der flüssige Teil des Blutes, in dem unter anderem die Immunabwehr stattfindet“, erklärt Hagen Baume, Leiter der Zytaphereseabteilung und zuständig für die Herstellung von Blutpräparaten beim Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Standort Oldenburg. Steckt man sich mit einem Virus an, wird das Abwehrsystem des Körpers aktiv und bildet Antikörper. Vereinfacht ausgedrückt binden diese das Virus und führen dazu, dass es unschädlich gemacht wird.

Die Antikörper aus dem Plasma von Genesenen sollen jetzt Corona-Patienten helfen, bis deren Körper selbst genügend Abwehrstoffe produziert hat - und ihnen dadurch einen Zeitvorsprung bei der Bekämpfung der Infektion verschaffen. Die Hoffnungen der Ärzte stützen sich vor allem auf einen gemilderten Krankheitsverlauf. „Ziel ist es, die Krankheitsdauer zu verkürzen und Schäden wie Lungenversagen zu verhindern“, sagt Baume.

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Studien laufen derzeit - kaum Nebenwirkungen erwartet

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Besonders vielversprechende Ergebnisse zeige die Behandlung mit Antikörpern aus Plasma, wenn sie möglichst frühzeitig erfolge, sagt der Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin an der medizinischen Hochschule Hannover, Rainer Blasczyk. Etwa zu dem Zeitpunkt, wenn Patienten aufgrund einer Corona-Infektion in eine Klinik eingewiesen werden, aber noch nicht beatmet werden müssen.

Noch fehlt die Zulassung, um das Verfahren flächendeckend anzuwenden. Unter anderem in Hannover läuft derzeit eine Studie, die die Wirksamkeit von diesem sogenannten Rekonvaleszentenplasma untersucht. Im Vergleich zu anderen Medikamenten, die bei Corona-Infektionen verwendet werden, seien Nebenwirkungen bei einer Therapie mit Plasma äußerst selten, berichtet Blasczyk. Das Verfahren stellt einen der wenigen verfügbaren Therapieansätze im Kampf gegen eine Corona-Infektion dar. Ein wirklich wirksames Mittel gegen das Virus gibt es zurzeit nicht, Ärzte behandeln vor allem die Symptome der Erkrankung.

Anwendung im großen Stil möglich

Hoffnungen in die Behandlung mit Antikörpern setzt auch die Bundesregierung: Ende Januar wurde der Kauf von 200.000 Dosen neuer Antikörper-Medikamente für Deutschland bekannt gegeben. Ähnlich wie „Rekonvaleszentenplasma“ sind diese jedoch noch nicht zugelassen und werden nur in Einzelfällen nach Abschätzung durch die behandelnden Ärzte gegeben. Während das Plasma Genesener einen Mix aus vielen verschiedenen Antikörpern enthält, die das Virus an verschiedenen Stellen angreifen, enthalten die neuen Medikamente nur eine beziehungsweise zwei Arten von künstlich hergestellten Antikörpern.

Sollten Studien die Wirksamkeit bestätigen, misst Blasczyk der Behandlung mit Rekonvaleszentenplasma für die Zukunft eine hohe Bedeutung bei: „Wenn Zulassung und Wirksamkeit erwiesen sind glaube ich, dass man das Verfahren im großen Stil anwenden kann.“ Selbst, wenn irgendwann ausreichend Menschen geimpft sind, würden immer noch Personen davon profitieren, die sich beispielsweise aufgrund körperlicher Voraussetzungen nicht für eine Impfung eignen.

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Spendenbereitschaft ist hoch

Für die Herstellung von Rekonvaleszentenplasma wird vor dann allem eines gebraucht: immer neue Freiwillige, die Plasma spenden. Denn die Konzentration der Antikörper nehme im Laufe der Zeit ab und sei besonders kurz nach der Infektion am größten, sagt Hagen Baume vom Oldenburger Blutspendedienst. Jede Woche kommen vier bis fünf ehemalige Corona-Patienten nach Oldenburg zur Spende. Die Bereitschaft ist laut Baume hoch. Und das, obwohl nur wenig Werbung für Plasmaspenden nach Corona gemacht wird.

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Neben der allgemeinen Tauglichkeit zur Blutspende, die unter anderem ein Mindestgewicht von 50 Kilogramm voraussetzt, dürfen Plasmaspender in den vergangenen vier Wochen keine andere Infektionskrankheit durchgemacht haben und sollten über gute Venen-Verhältnisse verfügen. Ob ausreichend Antikörper vorhanden sind, wird vorab zusammen mit einem Test auf Störantikörper und Infektionserkrankungen ermittelt. „Ungefähr jeder zehnte, der sich bereiterklärt zu spenden, besitzt ausreichend Antikörper“, sagt Baume.

Patienten weist noch immer viele Antikörper nach

Nicole Schmidt hat über eine Bekannte von der Möglichkeit der Plasmaspende erfahren. „Ich wusste vorher nicht einmal, dass es das überhaupt gibt“, sagt die 47-Jährige. Seitdem sie regelmäßig spendet, hat sie fleißig Werbung im Bekanntenkreis gemacht. „Viele wollten spenden, hatten aber nicht genug Antikörper im Blut. Da sind viele Faktoren, die zusammenspielen müssen.“

Dass bei Schmidt die Antikörper-Konzentration auch Monate nach ihrer Infektion so hoch ist, ist überraschend. Gerade liegt ihre 13. Spende hinter ihr. Obgleich sie jedes Mal mehr als 40 Kilometer aus ihrer Heimat nahe Friesoythe nach Oldenburg fahren muss, will sie so lange wie möglich weitermachen: „Es tut gut, anderen damit helfen zu können. Das ist der einzig positive Nebeneffekt an dieser bescheuerten Krankheit.“

RND/dpa

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