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  • Steigende Corona-Zahlen in Griechenland: Regierung will zweiten Lockdown vermeiden

Die Wachsamkeit lässt nach: Auch in Griechenland steigen die Corona-Zahlen an

  • Bisher ist Griechenland weitgehend von der Pandemie verschont geblieben.
  • Mit 667 festgestellten Corona-Fällen verzeichnete Griechenland am Dienstag die höchste Zahl von Neuinfektionen im Land seit Beginn der Pandemie Ende Februar.
  • Trotzdem hofft die Regierung, einen neuen Lockdown vermeiden zu können.
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Wie in den meisten anderen Ländern steigt auch in Griechenland die Zahl der Neuinfektionen seit Wochen an, allerdings von einem relativ niedrigen Niveau aus. Bisher haben sich in dem Land mit seinen 19,7 Millionen Einwohnern etwa 26.500 Menschen infiziert. Zum Vergleich: In Portugal, das fast gleich viele Einwohner hat, gab es seit dem Beginn der Pandemie bereits rund 104.000 festgestellte Infektionen.

Frühzeitige Maßnahmen haben Schlimmeres verhindert

Die erste Welle im Frühjahr hatte Griechenland besser gemeistert als die meisten anderen europäischen Länder. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hörte auf die Fachleute und ließ frühzeitig Kontaktbeschränkungen einführen. Schon am Tag nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls am 26. Februar wurden die Karnevalsumzüge abgesagt. Schrittweise führte die Regierung weitere Beschränkungen ein, von der Schließung der Schulen am 12. März bis zum völligen Lockdown zehn Tage später. Bei den meisten Maßnahmen war Griechenland anderen EU-Ländern zeitlich voraus, obwohl es damals erst sehr wenige Fälle verzeichnete.

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Überdies war die Akzeptanz in der Bevölkerung groß. In der Pandemie zeigten die Griechen eine Qualität, die man ihnen im Rest Europas eher wenig zutraut: Disziplin. Dazu trugen auch die Schreckensbilder überfüllter Krankenhäuser und Leichenhallen aus dem benachbarten Italien bei. Weil die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung die Beschränkungen befolgte und die Einhaltung polizeilich intensiv kontrolliert wurde, flachte die Kurve der Neuninfektionen schon Anfang April wieder ab.

Etwa 3 Prozent der Tests sind positiv

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Seit August steigt die Neuinfektionenkurve aber wieder steil an. Am Dienstag wurde mit 667 gemeldeten Fällen ein neuer Tagesrekord erreicht. Offenbar sind vor allem jüngere Griechinnen und Griechen in den vergangenen Wochen wieder unvorsichtiger geworden, die Wachsamkeit hat nachgelassen. Dass mehr Neuninfektionen gemeldet werden, dürfte aber auch damit zu tun haben, dass viel mehr getestet wird. Während die Gesundheitsbehörden im Mai und Juni täglich noch bis zu 5000 Tests auswerteten, sind es aktuell etwa 20.000 am Tag. Der Anteil der positiven Testergebnisse liegt dabei, ähnlich wie in Deutschland, zwischen 2 und 3 Prozent.

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Presseberichte, wonach die Zahl der Todesfälle in Griechenland jetzt überproportional ansteige, bestätigen die offiziellen Statistiken der staatlichen Gesundheitsbehörde EODY nicht. Im Gegenteil: Nach den offiziellen Daten ist die Zahl der Sterbefälle seit Anfang September weniger stark gestiegen als die der Neuinfektionen – was auch mit dem sinkenden Altersdurchschnitt der Infizierten erklärt werden kann. Bis zum Dienstag waren in Griechenland 528 Menschen an Covid-19 gestorben. Das entspricht 49 Todesfällen pro Million Einwohner, gegenüber 119 in Deutschland.

Regierung will erneuten Lockdown vermeiden

Nachdem die Regierung im Frühjahr landesweit einheitliche Beschränkungen erließ, setzt sie in der zweiten Welle auf regionale und lokale Maßnahmen und auf die intensive Nachverfolgung der neuen Fälle, um Infektionsherde frühzeitig zu erkennen und zu isolieren. Mit dieser Strategie hofft die Regierung, einen neuen generellen Lockdown vermeiden zu können. Griechenland ist eines der wenigen europäischen Länder, die aktuell noch nicht zum Risikogebiet erklärt wurden. Der Tourismus ist eine zentrale Einnahmequelle in Griechenland und boomt gerade jetzt, da Urlaubswillige nur wenige Alternativen haben. Ein erneuter Lockdown hätte katastrophale Folgen für die ohnehin angeschlagene griechische Wirtschaft.

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