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„Dies ist ein Notruf“: Drosten und Intensivmediziner warnen vor steigender Intensivbettenauslastung

  • In einem Prognosemodell haben Intensivmediziner die Intensivbettenauslastung für Covid-19 prognostiziert.
  • Ein Blick auf die realen Zahlen zeigt: Die Prognosen scheinen sich zu bewahrheiten.
  • Für den Virologen Drosten und den Intensivmediziner Karagiannidis stellt das eine alarmierende Entwicklung dar.
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Hannover. Der Virologe Christian Drosten und der wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, haben angesichts der aktuellen Infektionsdynamik vor einer steigenden Auslastung der Intensivbetten in Deutschland gewarnt. Drosten retweetete am Donnerstagmorgen den Tweet von Christian Karagiannidis mit der Einschätzung: „Dies ist ein Notruf.“

Karagiannidis selbst hatte am Mittwoch getwittert: „Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen, bevor Ihr reagieren wollt???“. Dazu stellte der Intensivmediziner mehrere Grafiken, die verdeutlichen, wie die Prognosen des Divi mit den tatsächlichen Belegungen der Intensivbetten übereinstimmen.

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Prognosen der Intensivbettenauslastung

© Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

Eine der Grafiken zeigt dabei eine Prognose der Belegung von Intensivstationen in zwei verschiedenen Szenarien: Ein pessimistisches und ein optimistisches Impfszenario (Stand: 3. April 2021). In beiden Fällen werden drei verschiedene Prognosen für jeweils unterschiedliche Szenarien verglichen. In Grün wird zudem die Echtzeitbelegung der Intensivstationen dargestellt. Dabei zeigt sich: Der Trend folgt bisher sehr genau der in dem Modell vorausgesagten Kurve – und nähert sich dem Szenario, in dem von einer sehr hohen Auslastung der Intensivbetten ausgegangen werden muss. „Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen. Unser Prognosemodell im Abgleich mit den realen Zahlen (in Grün) spricht Bände. Bitte handelt endlich!“, schreibt Christian Karagiannidis dazu.

Zahl der freien Intensivbetten in einigen Städten nur noch einstellig

In einem zweiten Tweet betont Karagiannidis zudem die Dringlichkeit für Städte wie Bonn, Bremen und Köln. Diese hätten „kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Covid-Patienten!“. Die Bilder zeigten die Lage deutlich: Bonn etwa hat demnach sieben freie Intensivbetten. Im Fall von Bremen sieht die Lage mit acht freien Intensivbetten ähnlich aus.

Karagiannidis mahnt, dass auch Verlegungen keine Lösung für das Problem seien: „Und einen instabilen Patienten kann man NICHT einfach dorthin verlegen, wo gerade Platz ist. Ein freies Bett in Ostwestfalen hilft da NICHT!“

Charité reduziert Zahl der planbaren Eingriffe

Seit Mitte März steigt bundesweit die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 wieder deutlich an. Derzeit sind es mehr als 4400, zu Jahresbeginn waren es knapp 5800 gewesen. „Wenn das so weitergeht, werden wir in Kürze auch leider Gottes über 5000 Covid-19 Patienten haben“, sagt der ehemalige Divi-Präsident Uwe Janssens am Mittwoch den Sendern RTL/ntv. Ab einer Zahl von 5000 bis 6000 Intensivpatienten könne es sein, dass einige Krankenhäuser wieder auf den Notbetrieb umstellen müssten.

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Die Berliner Charité, Europas größte Uniklinik, teilte am Donnerstag mit, künftig wieder wegen steigender Patientenzahlen in der dritten Corona-Welle den übrigen Klinikbetrieb stark einzuschränken. Ab kommender Woche würden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder vermehrt in Covid-19-Bereichen eingesetzt, planbare Eingriffe würden zurückgefahren, teilte der für die Krankenversorgung zuständige Vorstand Martin Kreis mit.

Als Nadelöhr bei der Versorgung gilt vor allem die Verfügbarkeit von Pflegepersonal. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), die die Belegungszahlen täglich herausgibt, warnt seit vielen Wochen vor den Folgen der hohen Corona-Infektionszahlen und forderte zuletzt einen harten Lockdown.

RND/mr/dpa

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