Spahn zu Biontech-Impfstoff: „Daten sind sehr ermutigend"

  • Erstmals gibt es zu einem für Europa maßgeblichen Corona-Impfstoff Zwischenergebnisse aus der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase.
  • Die Daten zeigten, dass der Biontech-Impfstoff einen Unterschied in der Pandemie machen könne, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.
  • Hoffnung mache auch, dass die Dynamik der Virusausbreitung bereits etwas abflache – was aber noch kein Trend sei.
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Erstmals gibt es zu einem für Europa maßgeblichen Corona-Impfstoff Zwischenergebnisse aus der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase. Wie das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech am Montag mitteilte, bietet seine Impfung diesen Daten zufolge einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. „Die Daten sind sehr ermutigend“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Sie zeigten, dass dieser Impfstoff einen Unterschied im Pandemiegeschehen machen könne. Danach sehe es nach Stand jetzt aus. Es freue ihn sehr, dass damit deutsche Entwickler erste Studienergebnisse bei einem Impfstoff gegen Covid-19 vorweisen können. Jetzt müssten weitere Ergebnisse abgewartet und das Zulassungsverfahren von Biontech und Pfizer bei der US-Gesundheitsbehörde FDA und auch bei der europäischen Behörde EMA abgewartet werden.

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BioNTech plant Zulassungsantrag von Corona-Impfstoff
1:43 min
Zahlreiche Regierungen haben sich bereits Millionen Dosen der Impfung vorab gesichert.  © Reuters
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Die Frage, welche Mengen eines möglicherweise zugelassenen Impfstoffes in Deutschland ab wann zur Verfügung stehen, könne noch niemand beantworten. „Das wäre rein spekulativ“, so Spahn. Sicher sei aber, dass in den ersten Wochen und Monaten nicht ausreichend Impfstoff für alle zur Verfügung steht.

Spahn begrüßte deshalb das am Montag von der Ständigen Impfkommission, dem deutschen Ethikrat und der Akademie der Wissenschaften Leopoldina veröffentlichte Positionspapier. Demnach sollen zuerst diejenigen Anspruch haben, die das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Auch Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen, die mit vulnerablen Gruppen im Alltag zu tun haben, fallen in die Priorisierung.

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Corona-Impfstoff priorisieren

Klar sei auch: „Es braucht Impfzentren, um Priorisierung durchsetzen zu können“, sagt Spahn. 60 Impfzentren seien in Planung und würden vom Bund beliefert. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde es auch mobile Teams geben, die in Pflegeeinrichtungen vor Ort impfen können.

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Der Hintergrund: Die Logistik ist herausfordernd, denn die Impfstoffe müssen dauerhaft bei minus 20 bis minus 80 Grad gekühlt werden und in der Kühlkette darf nichts schiefgehen. Wichtig sei auch ein Surveillance-System, wodurch nachvollziehbar werde: Wie viele Menschen haben sich wo schon impfen lassen? Und wo sind Nebenwirkungen aufgetreten? „Wir wollen das so transparent wie möglich gestalten“, betonte Spahn.

Erste Effekte von Corona-Maßnahmen?

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In letzten Tagen habe sich mit Blick auf die Infektionszahlen gezeigt, dass die Dynamik der Virusausbreitung etwas abflache und es weniger starke Steigerungen gebe. „Aber das ist noch nicht das Ziel“, sagte Spahn. „Wir müssen runter mit den Zahlen. Wir müssen in den nächsten Tagen beobachten, ob das auch wirklich zum Trend wird.“ Die Mobilität habe sich in Deutschland in den letzten Tagen bereits deutlich reduziert – aber nicht so stark wie im Frühjahr. Effekte der seit Montag geltenden Maßnahmen würden sich frühestens Ende dieser Woche zeigen.

Mit Blick auf die Demonstrationen in Leipzig sagte Spahn, er habe zwar viel Verständnis für die Ausübung des Demonstrationsrechts. Er habe aber wenig Verständnis, ohne Alltagsmaske und Abstand zu demonstrieren. Das müsse jetzt vor Ort aufgearbeitet werden. „Jeder Einzelne solle sich fragen, was am Ende so viel Aggressivität rechtfertigt, wie wir es in Teilen, auch in Leipzig, gesehen haben“, sagte Spahn. Kontroversen seien angesichts der harten Maßnahmen sicherlich notwendig. Aber selbst, wer von alldem nichts akzeptiere, müsse sich als Bürger an die Regeln halten.

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