Spahn verspricht: Nächste Woche wieder PCR-Tests für jeden mit Symptomen

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, die nationale Testverordnung zu kommender Woche zu ändern.
  • Die Laborkapazitäten ließen wieder PCR-Tests auch bei unspezifischeren Symptomen zu.
  • Unternehmen und den Einzelhandel rief Spahn dazu auf, bei künftigen Lockerungsschritten Selbsttests einzusetzen.
|
Anzeige
Anzeige

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, die nationale Testverordnung zu kommender Woche zu ändern. Ab dann könne wieder jeder, der auch unspezifischere Symptome verspüre, einen PCR-Test erhalten. Die Laborkapazitäten ließen das inzwischen wieder zu, sagte Spahn bei einer Pressekonferenz am Freitag in Berlin. Im November wurde die Verordnung zuletzt wegen starker Inanspruchnahme der Tests verändert. Es sollten seitdem nur Patienten mit schweren respiratorischen Symptomen, einer Störung des Geruchs- und Geschmacksinns oder intensivem Kontakt zu einer positiv getesteten Person getestet werden.

Zusätzlich rief Spahn Unternehmen und den Einzelhandel dazu auf, bei künftigen Lockerungsschritten Selbsttests einzusetzen. Viele Einrichtungen könnten schon heute bestimmte Schnelltests beziehen. „Ich kann nur dazu ermuntern, da wo viel Kontakt im Einzelhandel ist, das auch zu nutzen“, betonte Spahn mit Blick auf mögliche Lockerungsperspektiven. Wann auch Laientests ohne spezielle Schulung für alle Menschen konkret erwerbbar sind, hänge von der Qualität der Tests statt, es bedürfe noch einiger Prüfungen vor dem Einsatz. Wie hoch der Preis für solche Tests ausfalle, sei noch unklar.

Corona-Schnelltests für Laien in Planung

„Antigen-Schnelltests können einen wichtigen Beitrag leisten, einen Weg aus dem Lockdown zu finden“, betonte auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek bei der Pressekonferenz. Selbsttestungen, bei denen es keine speziellen Schulungen brauche, stünden kurz vor der Zulassung. Sie habe beispielsweise in Hessen eine Studie mit rund 10.000 solcher Tests bei Lehrern begleitet, vor und nach den Herbstferien. „Wir haben gesehen, dass das sehr gut funktioniert hat.“ Wichtig sei, gut zu erklären, wie genau diese Tests für Laien anzuwenden sind und ob die Herstellerangaben für ausreichende Spezifität geprüft seien. So ein Test funktioniere ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Zwei Streifen zeigten an, dass jemand positiv ist – einer bedeutet einen negativen Nachweis.

Anzeige

Ciesek betonte aber auch: „Diese Tests bieten nicht 100 Prozent Sicherheit. Sie dürfen nicht dazu führen, dass die Aha plus L-Regeln vernachlässigt werden.“ Es sei auch keine medizinische und individuelle Diagnose, wie das Ergebnis des PCR-Tests. „Das ist eine zusätzliche Sicherheit und Möglichkeit, Infektionsketten zu unterbrechen“, erklärte Ciesek.

Corona-Lage in Deutschland: Impfen, Inzidenz, Virusvarianten

„Die Infektionszahlen sinken ermutigend stark“, sagte Spahn zur aktuellen Infektionslage in Deutschland. Es gebe die realistische Chance, dass die Sieben-Tage-Inzidenz am Wochenende unter 60 sinken könne. Allerdings seien die Virusmutationen zu gefährlich, um zu lockern. „Wenn wir jetzt öffnen, verspielen wir den bisherigen Erfolg“, sagte der Gesundheitsminister. „Besser jetzt noch eine Weile durchhalten, als einen Rückschlag zu riskieren.“ Erfreulich sei, dass die Impfkampagne inzwischen an Fahrt gewinne. 3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sei geimpft, 1,4 Prozent hätten eine Zweitimpfung durchlaufen. 5,7 Millionen Dosen seien ausgeliefert, bis Ende nächster Woche seien es dann acht Millionen Dosen.

Spahn stehe auch im Kontakt mit der Ständigen Impfkommission zu möglicherweise noch zu verändernden Prioritäten bei der Impfreihenfolge. Für ihn sei aber klar, dass zunächst die Menschen mit der obersten Priorität – also die über 80-Jährigen – geimpft werden müssten. Vom Zeitablauf sei erst im Frühjahr mit möglichen Veränderungen zu rechnen, weil ausreichend Impfstoff die Voraussetzung sei. Erst Erzieher oder erst Menschen mit Vorerkrankungen impfen – das sei eine schwierige Debatte.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gehe weiter herunter, bestätigte auch Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Lage auf den Intensivstationen sei zwar angespannt, aber glücklicherweise seien sie nicht überlastet. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Wieler. Allerdings gehe er davon aus, dass sich die neuen Corona-Mutationen weiter ausbreiten. „Wir müssen die Ausbreitung der Varianten verlangsamen“, betonte der RKI-Präsident. Das könnten alle gemeinsam aktiv verhindern durch Kontaktreduktion, Maske tragen, Abstand halten, lüften.

Positiver Effekt bei weniger Kontakten: Grippewelle bleibt aus

Die Corona-Maßnahmen wirkten in diesem Winter nicht nur gegen Covid-19, berichtete Wieler. Sie verhinderten auch, dass sich die Menschen mit anderen Erregern anstecken. Das sei in dieser Pandemie „ein echter Pluspunkt“, weil weniger Erkrankte die Krankenhäuser und Arztpraxen entlasteten. „Die Grippewelle ist ausgeblieben“, sagte der RKI-Chef.

Normalerweise würden mehrere Tausend bis Zehntausend Grippefälle übermittelt, Tausende müssten im Krankenhaus behandelt werden. „Im Moment beobachten wir nur 20 bis 30 Grippefälle pro Woche, in dieser Saison gab es bislang 150 schwere Fälle im Krankenhaus.“ Ähnlich sei es bei den Erkältungen: Anfang Februar 2020 wurden pro Woche rund 5,6 Millionen akute Atemwegserkrankungen in Deutschland registriert. Anfang Februar 2021 seien es rund 900.000 Fälle.

Anzeige

Lockdown bis zum 7. März

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut binnen eines Tages 9860 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Außerdem wurden 556 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie aus Zahlen des RKI vom Freitag (12. Februar) hervorgeht. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bundesweit bei bei 62,2. Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen das Coronavirus – aber noch lange keinen Anlass für Entwarnung. Am Mittwoch wurde daher der Lockdown bis zum 7. März verlängert.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.320.093 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 12. Februar, 00.00 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.101.000 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 64.191.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen