Sinkende Corona-Zahlen: Ist das Reisen im Sommer 2021 noch zu riskant?

  • Die Mehrheit der Deutschen plant laut einer Umfrage in diesem Sommer einen Urlaub.
  • Aus virologischer Sicht bleibt Reisen aber ein Wagnis – nicht zuletzt wegen neuer Virusvarianten.
  • Es brauche deshalb eine gute Kontrolle, sagt Corona-Expertin Sandra Ciesek.
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Ob Kurztrip ans Meer oder längere Reise im Ausland: Die Mehrheit der Deutschen plant trotz Corona-Pandemie eine Reise im Sommer dieses Jahres. Zwei von drei Befragten (64 Prozent) gaben bei einer Umfrage des Meinungsforschungs­instituts Forsa am letzten Mai- und ersten Junitag an, im Sommer verreisen zu wollen.

Die Vorzeichen sind günstig: Immer mehr Menschen hierzulande sind dran mit der schützenden Impfung, auch die Inzidenz ist auf so niedrigem Niveau wie schon Monate nicht mehr. Aber ist touristisches Reisen, gerade ins Ausland, schon jetzt sinnvoll, wenn es um die Eindämmung der Pandemie geht? Immerhin zählt dann nicht nur die Lage im eigenen Land, sondern weltweit.

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Aus epidemiologischer Perspektive bleibt das Reisen auch im Sommer 2021 ein Wagnis, auch für die Entwicklung der Fallzahlen in Deutschland. Es sei denkbar, dass die Zahlen in den kommenden Wochen wieder stagnieren oder auch leicht steigen, befürchtet etwa die Virologin Sandra Ciesek von der Frankfurter Universität. „Ich denke, dass das mehr wird“, sagte die Corona-Expertin vergangene Woche im NDR-Info-Podcast „Coronavirus-Update“. „Wir haben auch letztes Jahr gesehen, dass Reisen damit assoziiert ist, dass Viren ins Land gebracht werden und dass man das natürlich überwachen muss.“

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Reisen in der Pandemie: Ansteckungsrisiko bleibt auch 2021 bestehen

Es brauche deshalb sinnvolle Abläufe, die klar definiert werden: Was macht man mit denen, die geimpft sind, oder denen, die nicht geimpft sind? Die Virologin gibt zu Bedenken, dass der Flughafen allein gar nicht das größte „Problem“ sein müsse, sondern auch der Reiseverkehr mit dem Auto eine große Rolle spiele – gerade aus Osteuropa oder auch aus England zum Beispiel. Auch diese Verkehrswege müsse man im Blick behalten.

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Zwar gebe es schon einige, die einen Impfschutz haben. Wo viele noch nicht geimpft und damit geschützt sind, etwa bei großen Menschen­ansammlungen, werde dem Virus aber weiterhin die Gelegenheit zu Übertragungen gegeben, und der Erreger werde seine Chance nutzen – gerade wenn man Varianten hat, die übertragbarer oder leichter übertragbar sind als das Ursprungsvirus. „Ich vermute, dass wir dann auch wieder mehr diese Ausbrüche sehen werden, wie wir das letztes Jahr in Deutschland hatten, aber auch jetzt zum Beispiel in Vietnam beobachten können“, erläuterte Ciesek im Podcast.

Aktuelles Beispiel: Unsicherheitsfaktor Deltavariante

Wie schnell die Situation in dieser Phase der Corona-Pandemie bei immer mehr sich bemerkbar machenden Virusvarianten kippen kann, zeigt dieser Tage auch das Beispiel Großbritannien. Dort ist die Zahl der Neuinfektionen trotz hoher Impfquote zuletzt wieder angestiegen. Dafür verantwortlich ist offenbar die Deltavariante, vor wenigen Wochen zuerst in Indien entdeckt, die nach Einschätzung der britischen Gesundheits­behörden um etwa 40 Prozent übertragbarer sein soll als das Ursprungsvirus – und damit auch wieder zu mehr Ansteckungen und schweren Verläufen führen kann. Erste Daten lassen zudem vermuten, dass der Impfschutz bei Geimpften etwas heruntergesetzt wird.

In Deutschland spielt die Deltavariante nach Daten des Robert Koch-Instituts bislang zwar nur eine untergeordnete Rolle mit einem Anteil von 2,1 Prozent an den untersuchten Proben. Die Erfahrung mit der Alphavariante (vorher als B.1.1.7 bekannt) hat aber gezeigt, wie schnell sich neue Virusvarianten durch Mobilität und Reisen europaweit durchsetzen können.

Fallzahlen, Virusvarianten, Impfstatus: weltweit sehr unterschiedliche Corona-Lage

Deutschlands oberste Gesundheits­behörde hat zum Thema Reisen trotz Impfungen eine gleichbleibende Einschätzung: „Derzeit sollte auf Reisen unbedingt verzichtet werden“, heißt auch die Anfang Juni aktualisierte Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI). Laut Risikoanalyse handelt es sich weltweit, in Europa und in Deutschland, weiterhin „um eine ernst zu nehmende Situation“.

Die Anzahl der Corona-Fälle nehme zwar nicht nur in Deutschland, sondern überall auf dem Globus ab. Die Fallzahlen entwickelten sich aber von Staat zu Staat unterschiedlich: Manche Länder erleben nach vorübergehendem Rückgang aktuell einen dritten beziehungsweise vierten Anstieg der Fallzahlen. In anderen Staaten gehen die Fallzahlen momentan zurück. Auch das Impftempo unterscheidet sich teilweise stark.

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Um das individuelle Ansteckungsrisiko beim Reisen innerhalb der eigenen Landesgrenzen wie auch im Ausland abschätzen zu können, lohnt deshalb ein Blick auf die aktuelle Gefahrenlage und die Bestimmungen zur Eindämmung vor Ort. Besondere Vorsicht gilt bei Aufenthalten in den offiziell deklarierten Hochinzidenz- und Virusvarianten­gebieten. Erste Anlaufstelle zu Regeln und Empfehlungen kann das Auswärtige Amt sein.

Am Ende hängt es auch am eigenen Verhalten. Wer vollständig geimpft ist, kann von einem guten persönlichen Schutz gegen Infektionen ausgehen. Das Risiko, andere anzustecken und neue Virusvarianten mit nach Deutschland zu bringen, liegt zwar nicht bei null, sinkt nach bisheriger Einschätzung aber rapide. Bei fehlender zweiter Dosis oder als nicht geimpfte Person sollte auf regelmäßige Tests und Quarantäne gesetzt werden. Grundsätzlich sind laut RKI weiterhin die Regeln der vergangenen Monate sinnvoll, zu Hause wie im Urlaub: also Maske, Abstand, Kontaktregeln – vor allem in Innenräumen.

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