Corona-Antikörpertests – auch sinnvoll für Geimpfte?

  • Angesichts steigender Corona-Zahlen in Deutschland nimmt die Debatte um Drittimpfungen an Fahrt auf.
  • Gerade Menschen mit einem schlechten Antikörperstatus nach zwei Impfdosen sollen davon profitieren.
  • Sollten jetzt alle Geimpften einen Test auf Antikörper machen?
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Hannover. Der Anstieg der Corona-Fallzahlen in Deutschland setzt sich weiter fort: Am Freitagmorgen meldete das Robert Koch-Institut einen neuen Rekordwert bei den Neuinfektionen. Innerhalb eines Tages hat die Behörde knapp 37.000 neue Fälle verzeichnet. Angesichts des zunehmenden Infektionsgeschehens kommen bereits erste Stimmen auf, die eine Auffrischungsimpfung für alle fordern – und nicht nur für bestimmte Personengruppen wie etwa über 70-Jährige, wie von der Ständigen Impfkommission (Stiko) bisher empfohlen.

Die Empfehlung der Stiko geht auf die Annahme zurück, dass vor allem Ältere mehrere Monate nach der Immunisierung weniger Antikörper haben können – und damit anfälliger für eine Infektion und einen schweren Krankheitsverlauf sind. Studien aus Israel zeigen inzwischen jedoch, dass auch Jüngere von einer dritten Impfdosis profitieren können, weil viele Drittimpfungen einen dämpfenden Effekt auf die Infektionsdynamik haben.

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Vielen Geimpften stellt sich daher die Frage, wie es um ihren Antikörperstatus mehrere Monate nach der Impfung steht. Um Antikörperkonzentrationen zu bestimmen, werden in der Medizin sogenannte Antikörpertests verwendet. Können diese auch im Fall der Corona-Impfung hilfreich sein?

Sollten Corona-Geimpfte Antikörpertests durchführen?

Der Verband der akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) schreibt auf seiner Internetseite, dass „eine routinemäßige Testung auf Antikörper nach erfolgter Impfung“ zurzeit nicht empfohlen sei. Nur bei Personen mit schwerer Immundefizienz sollte vier Wochen nach der zweiten, aber auch vier Wochen nach der dritten Impfung eine Untersuchung auf spezifische Antikörper durchgeführt werden – denn bei diesen Menschen könnte die entsprechende Immunantwort nach der Impfung ausbleiben.

Zudem könne ein Antikörpertest auch keine genaue Aussage darüber machen, ob jemand gegen das Coronavirus geschützt sei. „Grenzen, ab welchem Wert Antikörper vor einer Infektion schützen, sind nicht festgelegt. Generell gilt: Sind Antikörper vorhanden, spricht das meistens für einen Schutz. Ob viele Antikörper besonders gut schützen, ist noch nicht belegt“, schreibt der Verband.

Dies bestätigte der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), Reinhold Förster, gegenüber dem RND. Was derzeit fehle, sei ein bestimmter Schwellenwert, ab dem Personen als sicher geschützt gelten. So gibt es bislang keine Konzentration an Antikörpern, ab der sich sicher sagen lässt, dass jemand vor dem Virus geschützt ist. Gäbe es einen solchen Schwellenwert, ließe sich leicht ein Zeitpunkt bestimmen, ab dem es eine Boosterdosis braucht. „Es steht zu befürchten, dass dies noch für sehr lange Zeit so sein wird“, so Förster.

Wann sollte man einen Antikörpertest durchführen?

Der Verband ALM schreibt, dass der Zeitraum der Nachweisbarkeit von Antikörpern nach einer Infektion individuell sehr unterschiedlich sei. Das Gleiche gelte auch für die Menge der nachweisbaren Antikörper. Im Umkehrschluss könne man aber nicht sicher davon ausgehen, dass man nicht infiziert war, sollte der Test keine Antikörper nachweisen.

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Die individuellen Unterschiede hätten verschiedene Gründe: etwa die Menge der aufgenommenen Viren, die Dauer, aber auch die Schwere des Krankheitsverlaufes bei einer Sars-CoV-2-Infektion. „Es kommt vor, dass wir bei Personen nach einer Sars-CoV-2-Infektion mit mildem Verlauf Antikörper im Blut nur vorübergehend und insgesamt in geringer Menge nachweisen können. In anderen Fällen weisen wir länger und mehr Antikörper nach.“

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Wer sollte einen Test durchführen?

Der Verband der akkreditierten Labore in der Medizin empfiehlt die Corona-Antikörpertests insbesondere für Menschen, die beispielsweise eine Immunerkrankung haben oder Medikamente bekommen, die das Immunsystem angreifen: „Das kann zum Beispiel eine Chemotherapie sein“, schreibt der Verband. In diesen Fällen könne die Untersuchung sinnvoll sein – denn so sei zu sehen, ob und in welchem Maße das insgesamt eingeschränkt arbeitende Immunsystem auf die Impfung reagiert habe.

Eine generelle Entwarnung für Menschen, bei denen Antikörper nachgewiesen wurden, gibt der Verband aber nicht: „Auch als Geimpfter kann ich erneut Viren aufnehmen, mich infizieren und weitergeben, auch wenn bei Geimpften eine solche Infektion meist milder verläuft.“ Auch Geimpfte sollten deshalb immer dort, wo die Wahrscheinlichkeit steige, auf Infizierte zu treffen, die Abstands- und Hygieneregeln befolgen.

RND/sic

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