Tag des positiven Denkens: So werden Sie zum Optimisten!

  • Optimisten gehen mit einem Lachen durchs Leben.
  • Menschen mit dieser Eigenschaft freuen sich über Kleinigkeiten und glauben an sich selbst.
  • Diese positive Haltung ist nachweislich gesund und lässt sich auch erlernen.
Alena Hecker
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Hannover. Drei Jahre ist es her, dass der Wirtschaftsjournalist Michael Mross während eines Urlaubs in Sri Lanka von einem Auto angefahren wird. 20 Operationen folgen, sein rechtes Bein und der rechte Arm sind nicht zu retten. „Wenn man aufwacht und man hat Arm und Bein verloren, da gibt es Zweifel, ganz klar“, erinnert sich der Rheinländer an diesen prägenden Moment. „Es gibt Momente des Wahnsinns, der Trauer, der Verzweiflung. Aber ich bin, glaube ich, von Grund auf ein optimistischer Mensch. Irgendwann verfliegt das wieder, und da helfen auch andere Menschen.“ Michael Mross kämpft sich durch. Sein Lebenswille ist zu stark, um aufzugeben. Stattdessen fängt er an zu recherchieren: Welche Arten von Prothesen gibt es, wie schaffen es andere, damit zu leben? In der ersten Zeit steht dem damals 57-Jährigen seine Schwester zur Seite, später sucht er sich eine Selbsthilfegruppe, trifft sich mit Betroffenen, die Ähnliches erlebt haben, bekommt Tipps für den Alltag.

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13. September: Weltweiter Tag des positiven Denkens
1:07 min
Positiv denken ist kein Privileg für Optimisten, es soll bei jedem Menschen gut fürs Gehirn sein.  © Alena Hecker/dpa

Fokus auf den Fortschritt legen

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Er akzeptiert die Tatsache, sich entweder mithilfe des Rollstuhls oder einer Beinprothese fortbewegen zu können. Und selbst wenn er als Autor besonders auf seinen rechten Arm und die rechte Hand angewiesen ist, schafft er es trotz aller Verzweiflung, sich den positiven Blick auf die Dinge zu bewahren: „Man kann damit leben. Es gibt immer noch schlimmere Situationen. Man sollte die kleinen Fortschritte, die man im Leben macht, dankbar hinnehmen und davon ausgehen, dass es tatsächlich immer irgendwie besser wird.“

Michael Mross’ Lebenseinstellung mag erstaunen, in jedem Fall ist sie gesund. Studien belegen, dass allein eine positive oder negative Grundhaltung das Krankheitsrisiko beeinflussen kann. „Die körperliche Stressreaktion von Optimisten ist geringer ausgeprägt“, erklärt die Psychologin Elisabeth Heckel. „Es wird weniger Stresshormon ausgeschüttet, der Blutdruck steigt weniger an, der Blutzuckerspiegel bleibt geringer. Und dadurch ist auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen geringer.“

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Optimismus liegt auch in den Genen

Ob ein Mensch eher positiv oder negativ durchs Leben geht, geben Schätzungen zufolge zu etwa 20 bis 30 Prozent die Gene vor. „Das andere kommt obendrauf“, so Heckel. „Je nachdem, in welchem Elternhaus ich aufgewachsen bin, wie die Kindheit verlaufen ist, welche Sprüche ich in der Kindheit gehört habe.“ Hat das Kind gelernt, zu nichts nutze zu sein, oder wird es bestärkt und ermuntert, Fehlversuche hinzunehmen und es einfach noch einmal zu probieren? „Da wachse ich mit mehr Selbstvertrauen und mehr Zuversicht auf.“

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Die gute Nachricht dabei: Selbst wer kaum Vertrauen in sich selbst hat, sich mit der eigenen Leistung nicht zufriedengeben kann und eher missmutig durchs Leben geht, kann sich eine positive Sicht der Dinge antrainieren und dadurch selbst zuversichtlicher werden. Dabei reicht es manchmal schon, den eigenen Fokus auf die positiven Dinge im Leben zu lenken und sich zu fragen: Was kann ich denn gut? Was sind meine Stärken? Was macht mir Freude?

An kleinen Dingen erfreuen

Wer sich dankbar an vermeintlich kleinen Dingen wie dem Zwitschern der Vögel, dem Sonnenschein oder dem Duft des Frühstückskaffees erfreut, beginnt den Tag mit positiver Energie. Anstatt sich über die volle U-Bahn zu ärgern, kann man sich darüber freuen, einen halbwegs bequemen Stehplatz ergattert zu haben. „Das ist ein bisschen wie Muskeltraining“, so Heckel. Pro Tag könne man sich drei Dinge notieren, die gut gewesen seien. Zusätzlich helfe es, die eigene Grübelzeit zu begrenzen: „Eine halbe Stunde am Tag grüble ich über etwas nach, und danach mache ich bewusst etwas Positives.“

Für die Bloggerin Nora Fieling war es harte Arbeit, sich selbst anzunehmen und auch die schönen Seiten des Lebens zu sehen. Jahrelang hat sie unter Angststörungen und Depressionen gelitten. „Ich hatte Zukunftsängste, habe mir nichts zugetraut, dachte, dass alles, was ich anpacke, schiefgeht, dass ich im Job nicht klarkomme, dass ich das Studium nicht schaffe.“

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Das Leben annehmen, wie es ist

Seit vier Jahren schreibt sie darüber in ihrem Blog www.nora-fieling.de. Anfangs anonym und nur für sich selbst, doch mittlerweile bekennt sie sich offen zu ihren Problemen und Selbstzweifeln. Neben Gesprächen mit Therapeuten und anderen Betroffenen hat vor allem das Schreiben ihr geholfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen und auch Fortschritte anzuerkennen.

„Mittlerweile kann ich mehr davon schreiben, wie ich Krisen bewältigt habe, und nicht, wie ich sie erlebe. Und damit hat sich dann auch meine allgemeine Sicht verändert, dass ich eben auch zuversichtlicher wurde.“ Seit zwei Jahren lebt die 34-Jährige krisenfrei, sie hat einen Job, den sie gern macht und bei dem sie Hilfesuchende berät, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie sie. Und sie schreibt an einem Buch, das bald erscheinen wird. „Ich mag mein Leben, wie es jetzt ist.“

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Auch Trauer und Depression brauchen Raum

Und wenn es doch mal Tage gibt, an denen scheinbar alles schiefgeht? Nora Fieling findet es wichtig, auch Trauer und Depressionen ihren Raum zu geben. Dann sei es nachvollziehbar und völlig in Ordnung, sich zu verkriechen und den ganzen Tag nichts zu machen oder rumzulungern. Abgesehen davon hilft ihr persönlich oft das Gebet am Abend, in dem sie sich auf die guten Dinge des Tages fokussiert, für die sie dankbar ist.

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Elisabeth Heckel empfiehlt zusätzlich, sich in solchen Fällen bewusst etwas zu gönnen: gute Songs hören, die glücklich machen, eine schöne Aktivität. Bei all dem gehe es nicht darum, sich die Welt schön zu denken: „Aber wie ich damit umgehe – das macht die optimistische Grundhaltung aus.“

Fünf Schritte zu mehr Optimismus:

  1. Sich negativer Denkmuster bewusst werden. Warum sind Sie bei der letzten Party nicht mit anderen Menschen in Kontakt gekommen? Weil Sie im tiefsten Inneren glauben, dass Sie langweilig und nicht liebenswert sind? Erst wenn Sie den Auslöser für negative Gefühle kennen, können Sie daran arbeiten.
  2. Beweise suchen. Gehen Sie verschiedene Situationen Ihres Lebens durch und überzeugen Sie sich selbst davon, dass Ihre negativen Gedanken nicht der Realität entsprechen: Es gab sicherlich Situationen, in denen Menschen positiv auf Sie reagiert haben. Welche?
  3. Eine andere Deutung finden. Woran kann es noch liegen, dass Sie bei der Party nicht mit den anderen Menschen ins Gespräch kamen? Womöglich waren die anderen genauso unsicher wie Sie selbst.
  4. Gedanken kontrollieren. Geben Sie negativen Gedanken weniger Raum und bestimmen Sie selbst, was Sie denken wollen.
  5. Positive Gedanken ausprobieren. Versuchen Sie sich an einer positiven Denkweise und entscheiden Sie selbst, was sich für Sie besser anfühlt: „Niemand möchte mit mir reden, weil ich langweilig und nicht liebenswert bin.“ Oder: „Heute war kein guter Tag für mich, darum haben die anderen auch nicht so gut auf mich reagiert.“