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So ergeht es geheilten Coronaviruspatienten – und so erlebten sie die Quarantäne

  • Bei all den Ängsten, den Quarantänen und Hamsterkäufen gerät derzeit eine Tatsache in den Hintergrund.
  • Mehr als 60.000 Menschen weltweit haben sich mittlerweile von einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus erholt.
  • Doch selbst bei einer vollständigen Heilung hinterlässt die Krankheit bei manchen psychische Narben, wie geheilte Patienten erzählen.
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Mehr als 60.000 Menschen weltweit haben sich inzwischen von einer Coronavirusinfektion erholt. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO genesen Menschen mit leichten Krankheitsverläufen innerhalb von rund zwei Wochen. Bei schwereren Erkrankungen dauert es bis zu sechs Wochen, ehe die Betroffenen wieder gesund werden. In Festlandchina, wo das Virus ausbrach, wurde es bei mehr als 80.000 Menschen diagnostiziert. Davon sind über 58.000 mittlerweile wieder gesund.

Unterschiedliche Ausprägungen der Krankheit macht die Lage knifflig

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Die vom Virus Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19 kann in ganz unterschiedlicher Stärke auftreten. Für ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen kann sie lebensbedrohliche Ausmaße mit einer Lungenentzündung annehmen. Bei den meisten Betroffenen löst das Virus jedoch nur milde oder moderate Symptome wie Fieber und Husten aus. Die große Mehrheit der Menschen erholt sich davon.

Weil die Ausprägungen der Krankheit so unterschiedlich sein können, stehen die Gesundheitsbehörden weltweit vor der schwierigen Aufgabe, die Öffentlichkeit zu alarmieren, ohne dabei Panik auszulösen.

89-Jähriger Amerikaner geheilt

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Selbst die am stärksten gefährdeten Menschen können die Krankheit überstehen. So wurde bei dem 89 Jahre alten Eugene Campbell das Virus diagnostiziert. Er liegt zwar noch im Krankenhaus in Edmonds im US-Staat Washington. Doch sein Arzt sei optimistisch, sagt Campbells Sohn Charlie. “Unter normalen Umständen hätte er meinen Vater schon entlassen. Aber das sind keine normalen Umstände.”

Eugene Campbell lebt normalerweise in einem Pflegeheim in Kirkland, mit dem ein großer Teil der Coronavirustoten in dem US-Staat in Verbindung gebracht wird. Sein Vater atme normal, seine Vitalwerte seien gut. “Er wird womöglich der älteste Mensch, der sich vom Coronavirus erholt”, sagt Charlie Campbell.

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Virus zunächst für eine Grippe gehalten

Tan Shiyun, Doktorandin an einer Universität in der chinesischen Metropole Wuhan, bemerkte die ersten Symptome des Virus, als sie auf dem Weg zu ihrer Familie ins knapp 300 Kilometer entfernte Yichang war. Sie ging ins Krankenhaus, bekam Erkältungsmedikamente und wurde wieder nach Hause geschickt.

Doch die Symptome blieben. Sie begab sich nochmals ins Krankenhaus, wo ambulant eine Computertomographie erstellt wurde. Als sie dann einen Anruf erhielt, sie solle nochmals zurückkommen, wurde ihr klar, dass ihre Symptome nicht von einem gewöhnlichen grippalen Infekt stammten.

Nach mehreren Tagen und zahlreichen Untersuchungen sagten ihr die Ärzte, die Infektion habe beide Lungen befallen. Danach habe sie Kopfschmerzen und Atemprobleme gehabt und sich sehr erschöpft gefühlt, berichtet Tan in einem Videoblog. Aber nach zwei Wochen im Krankenhaus zeigte eine weitere CT, dass die Infektion abklang. Sie wurde nach Hause entlassen.

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Um eine zweite Ansteckungswelle in Deutschland zu vermeiden, sind einige Verhaltens- und Hygieneregeln zu beachten.  © RND

Symptome: “Eine zwei auf einer Skala bis zehn”

Einige der Infizierten, die sich auf dem Kreuzfahrtschiff “Diamond Prinzess” befanden, das vor Japan unter Quarantäne lag, berichteten der Nachrichtenagentur AP, die Symptome seien nicht stärker als eine normale Erkältung oder ein grippaler Infekt gewesen.

“Es war eine zwei auf einer Skala bis zehn”, sagt Carl Goldman, der in Omaha in Nebraska seit dem 17. Februar im Krankenhaus liegt. Auf dem Flug von Japan in die USA hatte er hohes Fieber bekommen. Anschließend habe er mehr als zwei Wochen Husten gehabt.

Aber wenn es nicht das Coronavirus gewesen wäre, hätte er nach eigener Aussage höchstens einen Tag bei der Arbeit gefehlt. Mittlerweile geht er in seinem Zimmer spazieren, um sich fit zu halten. “Ich sehe völlig ein, dass das hier der Ort ist, wo ich zu sein habe. Ich muss das zuerst loswerden, bevor ich entlassen werde”, sagt er über die Krankheit.

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Nach Quarantäne in psychologische Beratung

Auch bei Greg Yerex und seiner Frau Rose wurde auf der “Diamond Princess” das Virus diagnostiziert. Er habe aber keine Symptome gehabt und sich gesund wie immer gefühlt, sagte er. “Wenn ich zu Hause gewesen wäre, hätte ich alles wie immer gemacht”, sagte er in einem Interview über Facebook, als sich das Paar noch in Nagoya im Krankenhaus befand. Bei Rose Yerex war der Coronatest bereits bei der Einlieferung negativ.

Für Greg Yerex war der psychische Druck das Schlimmste während der Quarantäne – isoliert von Freunden und Familie und ohne jeden direkten Kontakt zu anderen Menschen. “Das war so, als wäre man ein Gefangener”, sagt er. Inzwischen sind die beiden aus dem Krankenhaus entlassen. Um den mentalen Stress besser verarbeiten zu können, wollen sie sich psychologisch beraten lassen.

Das Schlimmste: Warten und niemanden zum Reden

Ihre Mitreisende Rebecca Frasure kann die Gefühle des Ehepaars gut nachvollziehen. “Ich habe niemanden zum Sprechen”, sagte sie in einem Facebook-Interview aus dem Krankenhaus in Nagoya. “Ich habe ein kleines Fenster in meinem Zimmer, aber ich kann nicht raus. Den einzigen Kontakt habe ich über den Facebook-Messenger. So etwas würde ich niemals jemandem wünschen.”

Das Schlimmste für sie sei das Warten auf die Testergebnisse gewesen. Patienten, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, benötigten zwei negative Tests hintereinander, bevor sie entlassen werden durften.

Auch Frasure hat das Krankenhaus mittlerweile verlassen. Sie macht sich vor allem Sorgen, dass sie bei sich zu Hause stigmatisiert werden könnte. “Wird man Angst haben?”, fragt sie sich. “Wird man mich kritisieren, weil ich zu Hause bin, weil man denkt, ich habe das Virus mitgebracht?”

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