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Kontakt halten und in Gesellschaft trinken

Senioren vor Hitze schützen: Was Angehörige und Nachbarn jetzt wissen müssen

Ältere Menschen haben bei Hitze zu kämpfen. Für sie ist es wichtig, bei hohen Temperaturen besonders auf ihre Gesundheit zu achten – ansonsten kann es gefährlich werden.

Ältere Menschen haben bei Hitze zu kämpfen. Für sie ist es wichtig, bei hohen Temperaturen besonders auf ihre Gesundheit zu achten – ansonsten kann es gefährlich werden.

Berlin/ Bad Homburg. „Bei großer Hitze sollte man besonders auf ältere, pflegebedürftige Menschen achten. Denn der Körper passt sich im Alter nicht so gut an hohe Temperaturen an“, sagt Daniela Sulmann, Pflegeexpertin und Geschäftsleiterin des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Es kann zu Erschöpfung, Schwäche und Schwindel und – in schweren Fällen – zum lebensgefährlichen Kreislaufkollaps kommen. Nicht selten müssen ältere Menschen wegen Hitzefolgen im Krankenhaus behandelt werden. Besonders gefährdet sind pflegebedürftige Senioren und Seniorinnen, die allein wohnen und nicht oder ambulant betreut werden.

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Je länger die Hitzewelle andauert, desto wahrscheinlicher treten Gesundheitsprobleme auf. Hinzu kommt, dass immer mehr ältere Menschen allein leben. Was Angehörige oder besorgte Nachbarinnen und Nachbarn wissen müssen:

In Kontakt bleiben und Hilfe anbieten

Achten Sie während dieser Hitzewelle auf Ihre Eltern, Großeltern und ältere Bekannte aus Ihrem Umfeld und bleiben Sie mit ihnen regelmäßig in Kontakt. Erkundigen Sie sich mindestens einmal am Tag nach ihrem Befinden und welche Raumtemperatur in der Wohnung herrscht.

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Helfen Sie gegebenenfalls dabei, Vorräte wie frisches Obst und Gemüse zu besorgen, bieten Sie Ihre Hilfe an, Wege zu erledigen und luftige Kleidungsstücke in möglichst hellen Farben auszuwählen. Bei Inkontinenz des Pflegebedürftigen sollte eine Netzhose mit Einlage als Schutz verwendet werden, informiert das ZQP. „Vermeiden Sie möglichst Inkontinenzhosen und Bettunterlagen, die mit Folie beschichtet sind.“

Räume kühl halten

Die Räume sollten an heißen Tagen so kühl wie möglich gehalten werden – in den kühleren Morgen- und Abendstunden gut lüften und stark von der Sonne beschienene Fenster tagsüber abdunkeln. „Hilfreich können auch Stirnauflagen mit einem kühlen Waschlappen, kühlende Körperlotion, kühlende Fußbäder oder der Einsatz von Ventilatoren sein“, rät Sulmann. Bei dem Einsatz von Ventilatoren sollte der Luftstrom möglichst nicht direkt auf eine pflegebedürftige Person gerichtet werden.

Ans Trinken erinnern und in Gemeinschaft anstoßen

Erinnern Sie Ihre Angehörigen oder Nachbarinnen und Nachbarn daran zu trinken. Fragen Sie nach, wie viel die Person getrunken hat. Sowohl die Wärmeempfindlichkeit als auch das Durstgefühl sind bei älteren Menschen oft eingeschränkt und es besteht das Risiko einer Fehleinschätzung.

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Da vermehrtes Schwitzen, Trinken oder Wasserlassen, auch aufgrund von Medikamenten, den Wasser-Salz-Haushalt im Körper verändern kann, eignen sich besonders natriumhaltiges Wasser und isotonische Getränke. Kühlen Sie die Getränke nicht zu stark herunter, denn um diese wieder auf Körpertemperatur zu erwärmen, strengt sich der Körper an.

In Gemeinschaft trinkt es sich leichter, sagt Edeltraud Lintelow, Pflegeberaterin für den Caritasverband Hochtaunus in Hessen. „Prost“ sei ein wahres Zauberwort, wenn ein älterer Mensch kein Durstgefühl verspürt. „Hebt man das Glas und prostet einem Senior oder einer Seniorin zu, macht er oder sie das in der Regel mit.“ Zudem sollten Sie nicht nur reines Wasser anbieten. „Für viele ältere Menschen ist Wasser kein Genuss. Alternativen sind zum Beispiel Schorlen, abgekühlter Tee. Selbst alkoholfreies Bier ist besser als keine Flüssigkeit.“ Ein weiterer Trick ist, das Trinken so einfach wie möglich zu gestalten, indem Getränke beispielsweise auf routinierten Wegen in der Wohnung platziert werden.

Anstatt große Mengen Wasser zu trinken, bieten sich ergänzend kleine Portionen leichter Kost mit frischen Salaten und Gemüse an. „Gut geeignet ist wasserreiches Obst und Gemüse, zum Beispiel Melone, Gurke oder Pfirsich“, informiert das ZQP.

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Zusätzliche Besuche organisieren

Um Hitzefolgen vorzubeugen, ist bei Pflegebedürftigen die Unterstützung durch Angehörige, Nachbarinnen, Nachbarn oder Bekannte hilfreich. Die ambulanten Dienste sind meist nur kurz bei ihren Klienten. Zusätzliche Einsätze können organisatorisch häufig nicht realisiert werden. „Damit ist niemand permanent vor Ort“, sagt Lintelow.

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Leben die Angehörigen weiter entfernt oder sind zeitlich stark eingespannt, kann beispielsweise ein Trinkpate oder eine Trinkpatin aus der Nachbarschaft mehrmals am Tag vorbeischauen, rät sie. Für zusätzliche tägliche Besuche an den Hitzetagen können auch verschiedene Dienste der Wohlfahrtspflege, wie Besuchsdienste oder Einkaufshilfen genutzt werden. Wer Glück hat, findet womöglich einen Pflegedienst in der Nähe, der noch über die Kapazitäten verfügt.

Individuelle Faktoren von Erkrankungen und Medikation beachten

Bei Herz- und Nierenerkrankungen sollten Sie die Empfehlungen zur Trinkmenge des jeweiligen Hausarztes oder der Hausärztin beachten. Herzkranke Menschen sollten regulär 1,5 Liter pro Tag nicht übersteigen, so die Deutsche Herzstiftung, an heißen Tagen sollten sie aber die Menge etwas erhöhen. Kontrollieren lässt sich die Trinkmenge, indem sich Betroffene morgens und abends wiegen. Bleibt das Körpergewicht am Ende des Tages gleich, passt die Trinkmenge. Steigt aber das Gewicht, war sie zu hoch.

Bei hohen Außen- und Raumtemperaturen sinkt der Blutdruck. Ältere Menschen, die Medikamente zur Absenkung des Blutdrucks einnehmen, sollten zu Beginn des Sommers mit ihrem Hausarzt, ihrer Hausärztin, der Apothekerin oder dem Apotheker besprechen, ob und wie die Medikamente bei extremen Hitzephasen möglicherweise angepasst werden müssen.

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Medikamente, die keine klassische Tablettenform haben, sollten bei den hohen Temperaturen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Diese Informationen finden Sie auf dem jeweiligen Beipackzettel, Sie können sich aber auch in der Apotheke beraten lassen.

Bei Schwindel, Verwirrtheit und Schwäche nicht zögern

Sulmann appelliert, im Zweifel schnell zu handeln: „Zögern Sie nicht, ärztliche Hilfe zu rufen, etwa wenn Schwindel, Verwirrtheit und Schwäche auftreten. Ist die pflegebedürftige Person plötzlich nicht mehr ansprechbar, ihr Bewusstsein getrübt oder atmet sie schnell, rufen Sie sofort die 112 an.“

Stellen Sie Anzeichen für Überhitzung oder Flüssigkeitsmangel fest, wie niedriger Blutdruck, trockener Mund, erhöhter Körpertemperatur oder blieben Hautfalten auf dem Handrücken bei leichtem Anheben der Haut stehen – auch einige Zeit nach Aufenthalt in der Hitze –, rät die ZQP dazu, ärztlichen Rat einholen.

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