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Hohe Sterblichkeit bei Corona-Patienten in deutschen Krankenhäusern

  • Patienten, bei denen die Corona-Infektion einen schwerem Verlauf nimmt, werden stationär im Krankenhaus behandelt.
  • Eine Studie soll zeigen, welche Altersgruppe besonders betroffen ist und wie hoch die Sterblichkeit bei schweren Krankheitsverläufen ist.
  • Dafür haben Forscher mehr als 10.000 Patientendaten ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie im Überblick.
Michèle Förster
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Ende Januar wurden die ersten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Deutschland bestätigt. Neun Patienten aus dem Kreis Starnberg wurden im Schwabinger Klinikum behandelt. Seitdem sind sechs Monate vergangen und mehr als 207.000 Menschen (Stand 29. Juli) haben sich in Deutschland nachweislich mit Covid-19 infiziert.

Patienten mit schweren Krankheitsverläufen werden zur stationären Behandlung im Krankenhaus aufgenommen. Um zu erfassen, wie alt diese Patienten im Durchschnitt sind, welche Vorerkrankungen sie haben und wie hoch die Sterblichkeit ist, haben deutsche Forscher mehr als 10.000 Behandlungsdaten untersucht.

Sterblichkeit bei Beatmung besonders hoch

Dabei fiel auf, dass gut ein Fünftel der Corona-Patienten, die im Frühjahr in deutschen Kliniken aufgenommen wurden, nicht überlebt haben. Besonders hoch war die Sterblichkeit mit 53 Prozent bei Patienten, die beatmet wurden. Von den Krankenhauspatienten, die nicht beamtet wurden, starben 16 Prozent. Für die Analyse werteten Forscher der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) und der Technischen Universität Berlin insgesamt 10.021 Patientendaten aus.

Die im Fachblatt “The Lancet Respiratory Medicine” veröffentlichte Studie ist die erste bundesweite und bevölkerungsrepräsentative Auswertung zur Behandlung von Covid-19-Patienten in Deutschland. Die Grundlage bildeten Abrechnungsdaten Deutschlands größter Krankenkasse, der AOK. Untersucht wurden dabei Daten von Covid-19-Patienten, die zwischen dem 26. Februar und dem 19. April stationär in einem deutschen Krankenhaus aufgenommen wurden.

Nicht alle Patienten hatten Vorerkrankungen

Das durchschnittliche Alter der behandelten Patienten lag bei 72 Jahren, wobei 29 Prozent der Erkrankten jünger als 60 Jahre und rund ein Drittel älter als 80 Jahre waren. Häufig lagen dabei Vorerkrankungen zugrunde. Die Mehrheit der behandelten Patienten (56 Prozent) litt an Bluthochdruck, gefolgt von Diabetes (28 Prozent) und Herz-Rhythmus-Störungen (27 Prozent).

Allerdings müsse man diese Daten differenziert betrachten. “Wir hatten genügend Patienten, die keine oder nur leichte Vorerkrankungen hatten”, sagte Studienleiter Prof. Christian Karagiannidis gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Gerade Bluthochdruck komme im Alter häufig vor. “Deshalb glaube ich, dass die Wertigkeit dieser Vorerkrankungen überschätzt wird.”

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Ältere Patienten überleben Erkrankung seltener

Ein knappes Fünftel der Patienten (17 Prozent) musste aufgrund der Lungenerkrankung Covid-19 beatmet werden. Dabei fiel auf, dass diese Patienten in der Regel auch mehr Vorerkrankungen hatten. Mehr als 40 Prozent der Erkrankten, die beatmet werden mussten, litten an Herz-Rhythmus-Störungen. Auch bei den beatmeten Patienten zeigten sich deutliche Unterschiede in der Sterblichkeit: Während 28 Prozent der Unter-60-Jährigen starben, waren es bei den Über-80-Jährigen sogar 72 Prozent.

“Was einen etwas wehmütig stimmt, ist, dass mehr als 50 Prozent der beatmeten Patienten versterben”, so Karagiannidis. “Da die Sterblichkeit bei dieser Erkrankung aber extrem vom Alter abhängt, kann man die Zahlen nicht international vergleichen.” Länder wie Italien hätten ältere Covid-19-Patienten von der Behandlung ausgeschlossen, erklärt der Kölner Intensivmediziner.

Derzeit sind laut Divi-Intensiv-Register noch 258 Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, in intensivmedizinischer Behandlung. Die Analyse ergab, dass Patienten im Schnitt zwei Wochen im Krankenhaus verbringen. Bei Patienten, die beatmet werden müssen, sind es sogar 25 Tage.

mit dpa


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