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Schwerer Covid-19-Verlauf: Die Hälfte der Deutschen zählt laut RKI zur Risikogruppe

  • 51,9 Prozent der Menschen in Deutschland tragen einer Analyse des Robert-Koch-Instituts zufolge ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf.
  • Bei der Datenauswertung fällt auf, dass das Erkrankungsrisiko sozial ungleich verteilt ist.
  • Die Autoren schlussfolgern, dass neben Alter und Vorerkrankungen auch Geschlecht, Bildung und Wohnsituation für den Erfolg von Corona-Maßnahmen und Impfungen entscheidend sein könnten.
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36,5 Millionen Menschen in Deutschland tragen einer epidemiologischen Analyse des Robert-Koch-Instituts zufolge ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf infolge einer Corona-Infektion. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Gesundheitsbehörde hervor. „In Deutschland sind auf Basis der vorliegenden Berechnungen 51,9 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren der Risikogruppe für einen schweren Covid-19-Verlauf zuzurechnen“, schreiben die Autoren.

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Von den 36,5 Millionen Menschen zählen 21,6 Millionen Menschen zur Hochrisikogruppe. Als stark erhöht werten die Autoren das Erkrankungsrisiko bei Menschen, die älter als 65 Jahre sind oder bestimmte Vorerkrankungen aufweisen, wie Diabetes mellitus, chronische Nierenbeschwerden und die schwerste Form von Adipositas. Erhöhtes Risiko wird in der Studie bei Betroffenen mit einer Reihe weiterer Vorerkrankungen gesehen. Darunter fallen Bluthochdruck, Asthma, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie chronischen Folgebeschwerden. Zudem war der Hilfebedarf im Alltag ein Kriterium.

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RKI: Hälfte der Bevölkerung mit erhöhtem Risiko bei Covid-19
0:56 min
Wegen Alter und Vorerkrankungen sind mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland über 15 Jahre der Risikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe zuzurechnen.  © dpa

Covid-19-Risiko steigt mit Alter und Vorerkrankungen

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Die RKI-Auswertung beruht auf einer bundesweiten Querschnittsbefragung für ein regelmäßig stattfindendes Gesundheitsmonitoring. Es wurden rund 23.000 Menschen aus Deutschland ab dem 15. Lebensjahr zwischen April 2019 und Oktober 2020 telefonisch befragt. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bereits in jüngeren Jahren stetig ansteigt. Bei den 20- bis 24-Jährigen tragen 20,5 Prozent der Befragten ein erhöhtes Risiko, bei den 45- bis 49-Jährigen sind es 40,2 Prozent und bei den 60- bis 64-Jährigen bereits 60,9 Prozent.

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Der Anteil der Personen in der Hochrisikogruppe bleibt demgegenüber im jüngeren und mittleren Lebensalter zunächst auf niedrigem Niveau. Bis ins fünfte Lebensjahrzehnt hinein ist weniger als eine von zehn Personen der Hochrisikogruppe zuzurechnen. Auch unter den 60- bis 64-Jährigen sind es erst 17,7 Prozent. Die meisten schwerer Erkrankten seien infolge ihres fortgeschrittenen Alters von einem hohen Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf betroffen, schreiben die Autoren. „Nichtsdestotrotz weisen auch viele Personen im mittleren Lebensalter ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf auf.“ Die Prävalenz für ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ist bei Männern mittlerer Altersgruppen mit 45 Prozent höher als unter gleichaltrigen Frauen mit 35,3 Prozent.

Risikofaktoren: Auch Bildung und Wohnort spielen eine Rolle

Neben Alter und Vorerkrankungen korrelieren auch Bildung, Geschlecht und Wohnort statistisch gesehen mit dem Risikostatus. Die Lebensform der Befragten variiert deutlich nach Risikostatus. Überdurchschnittlich viele Personen mit größerem Risiko sind laut Auswertung alleinlebend. Der Anteil der Personen in der Hochrisikogruppe liegt bei Personen mit geringer Bildung mit 49,2 Prozent mehr als 25 Prozentpunkte höher als bei Personen mit mittlerer (21,9 Prozent) oder hoher Bildung (23,9 Prozent).

Und der Wohnort? „Im Saarland und in den ostdeutschen Bundesländern leben anteilig die meisten Menschen mit einem erhöhten Risiko“, heißt es in der statistischen Auswertung. Das seien gleichzeitig bevölkerungsarme Regionen. Die regional unterschiedliche Risikolast könne bei der Maßnahmenplanung relevant sein, schließen die Autoren.

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Corona-Impfungen an unterschiedliche Risikolast anpassen?

Die Datenanalyse sei mit Blick auf bisherige Erkenntnisse zu Covid-19 plausibel und beschreibe „die Population mit besonderem Schutzbedarf, die mit zielgerichteten Maßnahmen gegebenenfalls prioritär adressiert werden sollte“, resümieren die Autoren. Sie schlussfolgern daraus, dass die Ergebnisse bei der Impfkampagne und bei den Corona-Maßnahmen mitbedacht werden sollten:

  • Es werde deutlich, dass das Risiko für schwere Covid-19-Verläufe sozial ungleich verteilt ist. Die Autoren machen auf die Problematik aufmerksam, dass eine geringere Bildung nicht nur mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf einhergeht, sondern auch mit einer häufigeren Neigung, einer möglichen Impfung gegen Sars-CoV-2 eher skeptisch gegenüberzustehen.
  • Männer – ebenfalls mit einem erhöhten Risiko – sollten bereits in jüngeren Jahren eine besondere Zielgruppe in der Impfreihenfolge darstellen.
  • Für die Zuteilung von Impfdosen könnte die regional unterschiedliche Risikolast relevant werden.
  • Es sei zu bedenken, dass 16,8 Millionen Personen mit erhöhtem Risiko allein im Haushalt leben. „Unter diesen dürften viele der 3,3 Millionen Pflegebedürftigen und insgesamt viele ältere Menschen sein, die in Deutschland ambulant versorgt werden“, schreiben die Autoren. Ein Teil dieser Personen sei durch aufsuchende Maßnahmen möglicherweise besser zu erreichen als durch Einladungsverfahren für einen Termin im Impfzentrum.
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