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Neuer Erreger: Forscher warnen vor Schweinegrippe mit Pandemie-Potenzial

  • Nach einem halben Jahr der Corona-Pandemie droht bereits der nächste Erreger zu einem globalen Problem zu werden.
  • Chinesische Wissenschaftler haben einen neuen Typ der Schweinegrippe entdeckt, der sich in Mastbetrieben zunehmend ausbreitet.
  • Bei Menschen wurde das Virus bisher jedoch kaum nachgewiesen.
Michèle Förster
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Beijing. In China wurde ein neuartiger Influenza-Stamm entdeckt, der sich laut Wissenschaftlern zu einer Pandemie entwickeln könnte. Die Virologen warnen vor einer neuen Art der Schweinegrippe, die zuletzt 2009 ausgebrochen war. Die Entdeckung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Weltweit haben sich bereits über zehn Millionen Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, mehr als eine halbe Million sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit verstorben.

Neues Schweinegrippe-Virus ist für Menschen ansteckend

Der Virus-Genotyp namens G4 besitze “inzwischen alle wesentlichen Eigenschaften, das es zu einem Kandidaten für eine Influenza-Pandemie macht”, schreibt eine Gruppe chinesischer Forscher in einem am Montag veröffentlichten Artikel in der Fachzeitschrift der amerikanischen Nationalen Wissenschaftsakademien “PNAS”. Der neue Genotyp stamme den Virologen zufolge vom H1N1-Virus ab, das bereits vor elf Jahren eine Welle der Schweinegrippe auslöste.

Laut der von Veterinärmedizinern aus Peking und dem chinesischen Zentrum für Krankheitsbekämpfung und -prävention durchgeführten Studie konnte das Virus seit 2011 in mindestens zehn chinesischen Provinzen nachgewiesen werden. Die untersuchten Stichproben von Schweinen und Arbeitern in Zuchtbetrieben weisen den Wissenschaftlern zufolge auf einen neuen, für Menschen infektiösen Influenzavirus-Typ hin.

Bisher nur wenig Nachweise beim Menschen

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In einer an Frettchen durchgeführten Studie konnten die Wissenschaftler zudem beobachten, dass sich G4 über direkten Kontakt oder eine Tröpfcheninfektion schnell von Tier zu Tier überträgt. Das neue Virus verursachte bei den Tieren auch stärkere Grippesymptome als andere Virusvarianten. Ob das auch bei Menschen der Fall wäre, ist noch unklar. Antivirale Medikamente gegen Influenzaviren, wie sie das Robert-Koch-Institut 2009 beim Aufkommen der Schweinegrippe empfahl, scheinen bei dem neuen Virus-Typ G4 nicht wirksam zu sein. “Impfstoffe gegen die saisonale Grippe bieten derzeit keinen Schutz”, bestätigen auch die chinesischen Virologen.

Es sei besorgniserregend, so die Forscher, dass sich der G4-Influenza-Genotyp auch an den Menschen anpasse. Damit würde sich das Risiko einer Pandemie erhöhen. Ihren Beobachtungen zufolge konnten bei zehn Prozent der Arbeiter in Schweinezuchtbetrieben Antikörper im Blut nachgewiesen werden. In vier Betrieben hatte sogar jeder siebte Arbeiter Kontakt zu dem Virus. In der epidemiologischen Landesstatistik sei der Influenza-Typ bisher jedoch nicht aufgefallen. Somit scheint von dem Erreger kein unmittelbares Risiko für eine globale Verbreitung auszugehen.

Interessant ist jedoch, dass ein Virusstamm mit einer ähnlichen Zusammensetzung ebenfalls in Europa auftauchte. Dänische Forscher berichteten 2017 von einer Neukombination genetischen Materials in einem Influenza-A-Virus, das in mehreren Schweinezuchtbetrieben in Dänemark nachgewiesen werden konnte. Auch sie sprachen von einer möglichen Herausforderung für die Gesundheit von Menschen und Tieren.

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