Schweden lockert Corona-Regeln: Bald sind bis zu 500 Zuschauer erlaubt

  • Schweden geht seit jeher einen Sonderweg durch die Corona-Pandemie.
  • Nun lockert das Land eine der wenigen harten Regeln.
  • Ab Oktober dürfen wieder deutlich mehr Menschen in der Öffentlichkeit zusammenkommen.
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Stockholm. Die schwedische Gesundheitsbehörde hat dem Vorschlag der Regierung zugestimmt, bei öffentlichen Veranstaltungen wieder mehr Publikum zuzulassen. Solange die Zuschauer einen Meter Abstand hielten, könne die Anzahl der Personen von 50 auf 500 erhöht werden, sagte Staatsepidemiologe Anders Tegnell am Donnerstag.

Die Regel soll ab Oktober gelten. Vorausgesetzt, es gebe nummerierte Sitzplätze, wie zum Beispiel in Fußballstadien.

Die Regierung empfiehlt bislang einen Abstand von zwei Metern. In Schweden waren bis Donnerstag 5820 Menschen an Covid-19 gestorben, rund 84.000 wurden positiv getestet.

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Schweden hat immer wieder für Diskussionen gesorgt, da es vergleichsweise lockere Corona-Regeln hat. Dass das Coronavirus dort trotz Sonderweg mit Verzicht auf einen Lockdown seit Wochen auf dem Rückzug zu sein scheint, liege unter anderem daran, dass die Bürger freiwillig den zahlreichen Empfehlungen zur Vermeidung einer Ausbreitung gefolgt seien. „Wir glauben mittlerweile, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Bevölkerung Stockholms immun sind“, sagte Staatsepidemiologe Tegnell Im RND-Interview Mitte August.

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Es gebe Gründe, anzunehmen, dass die hohe Immunitätsrate eine weitere umfassende Corona-Welle verhindern könnte. „Ausbrüche kann es aber weiter geben. Da muss man auf der Hut bleiben.“

Schwedens Sonderweg wurde kritisiert, weil im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich mehr Menschen gestorben sind als in den Nachbarländern und in Deutschland. Allerdings seien in einigen Ländern mit hartem Lockdown noch mehr Menschen gestorben, gibt Tegnell zu bedenken. Seine Strategie zur Corona-Eindämmung habe damit nichts zu tun.

„Ein großer Anteil der Verstorbenen in Schweden, rund die Hälfte, lebte in speziellen Altenheimen, wo die Ältesten und Schwerkranken leben. Insgesamt sind dort rund 70.000 Menschen untergebracht“, sagt Tegnell. Einige Altenheime hätten für die Pandemie leider keine Bereitschaft und nicht das nötige Wissen, um die Ausbreitung zu verhindern.

RND/dpa

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