Schulalltag trotz Corona: Virologen sind für eine Maskenpflicht

  • Derzeit laufen hitzige Diskussionen über die Risiken von Schulöffnungen nach den Sommerferien.
  • Führende Virologen sprechen sich zwar grundsätzlich für Öffnungen aus, warnen aber vor dem Unterschätzen der Gefahr.
  • Deshalb schlagen sie einige Maßnahmen vor und sprechen sich für das Tragen einer Maske im Unterricht aus.
David Sander
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In vielen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern oder Niedersachsen sind derzeit Sommerferien – in einigen Ländern hingegen begann in dieser Woche das neue Schuljahr, darunter Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Hamburg. Normalerweise keine große Sache, doch in Zeiten der Corona-Pandemie stehen auch die Schulöffnungen nach den Ferien unter besonderer Beobachtung. Wie geht es in den Schulen weiter? Sind Öffnungen zu riskant? Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll? Nur ein Auszug der Fragen, die rund um den Schulstart gestellt werden könnten.

Nicht nur Schüler, Eltern und Lehrkräfte machten sich Gedanken, auch einige namhafte Virologen. So hat die Gesellschaft für Virologie vergangene Woche vor dem Risiko von Corona-Infektionen unter Schülern gewarnt und Vorschläge für Vorsichtsmaßnahmen gemacht. Zu den Autoren der Stellungnahme gehören unter anderem Christian Drosten, Jonas Schmidt-Chanasit und Helmholtz-Forscherin Melanie Brinkmann.

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In Zeiten von Corona müssten aber vermeidbare Risiken ausgeschlossen werden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.  © Reuters
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Sind Virologen gegen die Schulöffnungen?

Grundsätzlich sprechen sich die Experten für die Öffnung von Schulen aus, es entlaste berufstätige Eltern und das Wohlergehen der Kinder sei unabdingbar an einen funktionierenden Schulbetrieb gebunden, heißt es in dem Papier. Allerdings müsse der Betrieb an pragmatische Konzepte gekoppelt sein, um das Risiko einer Infektionsausbreitung auszuschließen oder zumindest möglichst gering zu halten. “Fehlende Präventions- und Kontrollmaßnahmen könnten in kurzer Zeit zu Ausbrüchen führen, die dann erneute Schulschließungen erzwingen”, schreiben die Virologen.

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Damit sich das Coronavirus in der Gesamtgesellschaft nicht weiter ausbreitet, spielt auch eine niedrige Viruszirkulation in Schulen eine grundlegende Rolle, meinen die Wissenschaftler. Präventiv dazu beitragen könnten effektive Kontrollen der Neuinfektionen im privaten Umfeld von Schülern sowie Lehrkräften. “Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen”, betonen die Virologen, solche Vorstellungen stünden nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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Welche Maßnahmen empfehlen die Virologen?

Ein wichtiger Punkt, der bei dem Schulstart zu beachten ist, ist die Erkenntnis, dass die Übertragung von Sars-CoV-2 durch Aerosole (Übertragung durch die Luft) gefährlich ist – vor allem in Innenräumen bei unzureichender Luftzirkulation. Um das Übertragungsrisiko in Schulen zu minimieren, empfehlen die Virologen einige Maßnahmen. So könnten beispielsweise die Klassengrößen abhängig von der Zahl der Neuinfektionen reduziert werden, räumliche Ressourcen vollends ausgeschöpft und Lösungen für einen verbesserten Luftaustausch gefunden werden.

Sind die räumlichen Kapazitäten bereits ausgelastet, wäre eine digitale Lösung mit einer Mischung aus Präsenzunterricht und Heimarbeitseinheiten denkbar. In Bezug auf den Klassenverband raten die Experten zu festen Kleingruppen - Lehrpersonal eingeschlossen-, die im Schulalltag so wenig wie möglich durchmischt werden. “Unterrichtseinheiten könnten möglichst breit per Kleingruppe über verschiedene Tageszeiten und Wochentage verteilt werden”, heißt es weiter. Auch eine mögliche Ausdehnung der Weihnachtsferien ziehen die Wissenschaftler in Betracht, falls die Infektionszahlen gegen Jahresende unter regelmäßiger Beteiligung von Schulen kritisch ansteigen sollten.

Ist eine Maskenpflicht in Schulen sinnvoll?

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Das is wohl die am häufigsten diskutierte Frage im Zusammenhang mit Schulöffnungen. Dass Mund- und Nasenmasken bei konsequentem und korrektem Einsatz sinnvoll sind, haben diverse Studien mittlerweile gezeigt. Dieser Thematik widmen sich auch die Experten in ihrer Stellungnahme: “Im Hinblick auf die reale Gefahr der Übertragung zwischen Schülern, die zum Zeitpunkt der Infektiosität (noch) keine Krankheitssymptome haben, sprechen wir uns aus alleiniger virologischer Sicht daher für das konsequente Tragen von Alltagsmasken in allen Schuljahrgängen auch während des Unterrichts aus.” Dabei sollte den Kindern altersgerecht die Notwendigkeit erklärt werden und weitere Präventionsmaßnahmen wie konsequente Händehygiene beibehalten werden.

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Am Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster müssen die Schüler auch im Klassenzimmer eine Maske tragen und ganz viel lüften.  © Reuters

Was ist, wenn sich Schüler oder Lehrkräfte mit dem Coronavirus infizieren?

Weisen Schüler bereits milde Symptome einer akuten Atemwegsinfektion auf, sollten diese laut den Experten umgehend untersucht werden, “weil sie als Anzeiger von Übertragungsherden (Clustern) eine unverzichtbare Rolle in der Früherkennung von Schulausbrüchen spielen.” Bis ein Testergebnis vorliegt, sollten Betroffene nicht am Schulbetrieb teilnehmen. Des Weiteren sprechen sich die Virologen für eine besonders niedrigschwellige Testung von Lehrkräften aus. Eine Befundübermittlung innerhalb von 24 Stunden nach Probeannahme sollte das organisatorische Ziel bei der Testung von Schülern und Lehrpersonal sein.

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Werden Personen positiv getestet, sind sie so genannte Indikatorfälle für Übertragungscluster. “Für die Behandlung von Übertragungsclustern könnte eine generelle und sofortige Kurzzeitquarantäne in Betracht gezogen werden”, heißt es in der Stellungnahme. Oft würde in der Praxis die sofortige Isolierung von Übertragungsherden durch den Wunsch nach einstweiliger diagnostischer Abklärung des Ausmaßes einer Cluster-Übertragung verzögert, warnen die Experten. Dabei sei aber eine sofortige zumindest kurzzeitige Quarantäne des gesamten Sozialverbands erforderlich. Deshalb sei es zuvor auch so wichtig, im Schulbetrieb dauerhafte, sich nicht überschneidende Gruppen (Klassenverbände) zu schaffen.

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