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Schönheitschirurg Mang zu neuen Beautytrends: „Man muss auch ein paar Falten akzeptieren lernen“

  • Durch Instagram und Pandemie nehme die Nachfrage nach Schönheits-OPs zu, sagt Prof. Werner Mang.
  • Auch Kinder und Jugendliche säßen inzwischen in seiner Sprechstunde.
  • Im RND-Interview erklärt der Chirurg, welche Schönheitstrends ihm Sorge bereiten – und wann er einen Eingriff empfiehlt.
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Prof. Werner Mang gilt als Pionier im Feld der Schönheitschirurgie. Seit mehr als 30 Jahren ist der HNO-Facharzt in der ästhetischen Chirurgie tätig. An der privaten Bodensee-Klinik in Lindau führt das Team unter der Leitung von Mang medizinisch notwendige Operationen durch, etwa nach Tumoren, Missbildungen und Unfällen. Ein Drittel sind hingegen reine Schönheits-OPs – bis zu 3000 im Jahr. Auch Promis kommen bei ihm unters Messer.

Der Bedarf daran habe in den vergangenen zehn Jahren aber auf besorgniserregende Weise zugenommen, mahnt Mang. Im RND-Gespräch erklärt der Mediziner, woher der aus seiner Sicht „neue Schönheitswahn“ kommt, worauf man beim Wunsch nach körperlicher Veränderung achten sollte – und wann er von einer Operation lieber absieht.

Zum Thema ist Anfang Juni auch sein Buch erschienen: Abgründe der Schönheit. Verunglückte Operationen, Scharlatane, Instagram-Wahnsinn.

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Werner Mang: "Abgründe der Schönheit. Verunglückte Operationen, Scharlatane, Instagram-Wahnsinn", Gräfe und Unzer, 128 Seiten, ISBN: 3833878959, 12,99 Euro. © Quelle: Gräfe und Unzer

Herr Mang, Sie sind seit mehr als 30 Jahren Schönheitschirurg. Welche Operation ist für Sie die schwierigste und schönste zugleich?

Mein Steckenpferd ist die Nase, und das ist auch die schwierigste OP. Die Nase ist das Zentrum und in gewisser Hinsicht auch die Seele des Gesichts. Sie besteht aus, Haut, Schleimhaut, Knochen und Knorpel. Sie muss individuell ins Gesicht passen und natürlich aussehen. Das ist jedes Mal wieder eine Herausforderung.

Bemerken Sie denn in der Pandemie neue Schönheitstrends und Wünsche Ihrer Patientinnen und Patienten?

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In Krisenzeiten legen die Menschen oft mehr Wert auf ihr Äußeres. Ich bemerke, dass die Anfragen vor allem für die kleineren „Schönheitsoperationen to go“ stark zunehmen. Also zum Beispiel Faltenbehandlungen mit Botox, Minilifting gegen Hauterschlaffung, Absaugen des Doppelkinns, Haartransplantationen.

Im Fokus steht im Moment auch ganz klar das Gesicht. Ich vermute, dass das mit den ganzen Videokonferenzen im Homeoffice und im Freundes- und Familienkreis zusammenhängt. Man wird dabei regelmäßig und schonungslos mit den eigenen Defiziten konfrontiert – statt ab und zu beim Blick in den Spiegel. Praktisch ist während der Pandemie auch, dass Schwellungen und Rötungen nach dem OP-Eingriff unter der Maske versteckt werden können.

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Schönheits-OPs boomen in der Corona-Krise

Welche Veränderungen bemerken Sie unabhängig von Corona, wenn es um Trends geht?

Inzwischen sitzen jede Woche Kinder und Jugendliche bei mir in der Sprechstunde. Ich schicke sie aber in der Regel wieder weg. Wer nicht mindestens 18 Jahre alt ist, wird von mir aus rein ästhetischen Gründen nicht operiert. Die Patientinnen und Patienten sind in den letzten zehn Jahren immer jünger geworden. Auch die Wünsche werden immer obskurer.

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Das finde ich bedenklich. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass ein Drittel der 13- bis 16-Jährigen heutzutage nicht mehr mit dem eigenen Aussehen zufrieden ist. Im Internet wird jungen Menschen in der Photoshop-Welt der Influencer permanent vermittelt, dass sie nur mit gutem Aussehen Erfolg haben können.

Ihr Credo lautet: Vernünftige Schönheitschirurgie ja, Schönheitswahn nein. Wo verläuft die Grenze?

Wenn ein medizinischer Zweck dahintersteht, sehe ich kein Problem. Es ist auch in Ordnung, wenn zum Beispiel ein junger Mensch unter einer Höckerlangnase und fliehendem Kinn leidet und deshalb Schwierigkeiten hat, Partner oder Partnerin zu finden. Wenn ein Mädchen wegen sehr großer oder ungleich gewachsener Brüste Beschwerden hat, kann ein ästhetisch-plastischer Eingriff das persönliche Wohlbefinden verbessern. Wenn sich jemand wegen altersbedingten Schlupflidern oder einem ausgeprägten Doppelkinn unwohl fühlt, kann ein Eingriff die Lebensqualität verbessern.

Aber wenn junge Patientinnen und Patienten mit einem Body-Mass-Index von weniger als 20 vor mir sitzen und eine minimale Fettregion an der Oberschenkelinnenseite absaugen lassen oder Rippen entfernen wollen für eine schlankere Taille, lehne ich ab. Ich bin auch kein Botox-Freund, um den Alterungsprozess aufzuhalten. Man muss auch ein paar Falten akzeptieren lernen.

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Aufpassen bei der Wahl der schönheitschirurgischen Praxis

In Ihrem Buch kritisieren Sie, dass viele Medizinerinnen und Mediziner gar nicht ausreichend ausgebildet seien, um ästhetische Operationen vorzunehmen. Was sollte man auf der Suche nach der passenden Klinik beachten?

Die ästhetische Chirurgie ist kein Friseurbesuch, sondern eine Operation, die auch Risiken mit sich bringt. Jeder praktische Arzt und jede praktische Ärztin kann sich Schönheitschirurg oder Schönheitschirurgin nennen. Der Begriff ist hierzulande nicht geschützt, und auch in der Medizin gibt es schwarze Schafe. Deshalb sollte man bei der Suche nach fachärztlicher Betreuung auf die Bezeichnungen ‚plastische Chirurgie‘ oder ‚plastische Operationen‘ achten. Das muss auf dem Praxisschild stehen. Ich empfehle zudem, für die OP nicht nur im Internet und in Hochglanzmagazinen zu suchen, sondern sich auch vor Ort im Gespräch zu informieren. Es schadet auch nicht, eine zweite Meinung einzuholen.

Manchmal geht der Blick auch ins Ausland. Ein Grund: Kosten sparen. Wie ist Ihre Erfahrung mit der Qualität von Schönheits-OPs im Ausland?

Ich warne vor Billig-OP-Tourismus im Ausland. Da bleibt die Gesundheit oft auf der Strecke. Damit meine ich nicht, dass die Ärztinnen und Ärzte dort unbedingt schlechter ausgebildet sind. Aber die Erfahrung zeigt, dass dort oft an Materialien und Medikamenten gespart wird. Und läuft dort etwas schief, zahlt auch keine Versicherung. In vielen Fällen kann man sich den Gang zur Schönheitschirurgie auch sparen und woanders ansetzen.

Wie meinen Sie das?

Zum neuen Schönheitsstandard zählen Vitalität, Jugendlichkeit und Dynamik. Und um das zu erreichen, kann man für die eigene Ästhetik, Gesundheit und Ausstrahlung auch auf andere Weise sehr viel tun. Etwa durch regelmäßigen Sport, mediterrane Kost, wenig Alkohol, kein Nikotin. Durch gesunden Schlaf, der die Haut über Nacht regeneriert. Auch ein geregeltes Sexualleben hilft, wegen der Glückshormone.

Wie stellen Sie sich die Trends der Schönheitschirurgie in 50 Jahren vor?

In meinem Kopf schweben zwei Zukunftsvisionen. Zum einen könnte die Forschung in ein paar Jahrzehnten das Altersgen analysiert haben. Dann sind wir vielleicht soweit, dass das Genmaterial so verändert werden kann, dass der Alterungsprozess gestoppt wird. Zum anderen könnte man demnächst mittels Gewebezüchtung auch Körperteile im Labor züchten, etwa neue Nasen und Ohren. Das wäre natürlich sehr praktisch. Aber wir müssen aufpassen, dass bald nicht nur noch völlig durchgestylte Barbies und Kens durch die Welt laufen.

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