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Schnelltests an Schulen: Ärzte sehen Risiko durch falsche Ergebnisse und warnen vor trügerischem Sicherheitsgefühl

  • Die Schnelltests für Schüler sollen helfen, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen und erneute Schulschließungen zu vermeiden.
  • Allerdings liegt die durchschnittliche Trefferquote Experten zufolge nur bei 40 Prozent. Der Laborärzte-Verband warnt daher vor einem falschen Sicherheitsgefühl.
  • Der Lehrerverband wünscht sich unterdessen eine bundesweit einheitliche Regelung mit verpflichtenden Tests.
Katrin Schreiter
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In der Schule oder zu Haus, freiwillig oder verpflichtend, ein- oder zweimal pro Woche: Jedes Land hat seine eigenen Regeln für die Corona-Schnelltests für Schüler und Lehrer definiert. Die Idee aber ist dieselbe: Die Schnelltests sollen einerseits Ansteckungsrisiken in den Schulen eindämmen, andererseits Kindern möglichst viel Unterricht im Klassenraum ermöglichen.

Derzeit läuft in Deutschland eine umfangreiche Testkampagne in den Schulen. Doch bundesweit gibt es kein einheitliches Vorgehen: Jedes Land öffnet seine Schulen nach eigenem Ermessen – und testet auch mit eigenem Konzept. So haben einige Länder wie beispielsweise Sachsen bereits umfassend mit dem Testen begonnen, Bayern dagegen plant, erst nach Ostern damit zu beginnen.

Laborärzte: Trefferquote von 40 Prozent

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Nicht nur beim Vorgehen, auch bei den Schnelltests selbst gibt es ganz unterschiedliche Varianten: „An den Schulen kommen vor allem Gurgel- und Speicheltests sowie Nasenabstriche zum Einsatz“, sagt Dr. Matthias Orth, Vorstandsmitglied im Berufsverband Deutscher Laborärzte und Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin im Stuttgarter Marienhospital.

Der Mediziner warnt vor einem falschen Sicherheitsgefühl. „Zum einen haben die Schnelltests im Durchschnitt nur eine Empfindlichkeit von 40 Prozent. Denn sie weisen nur sehr hohe Viruskonzentrationen nach.“ Zum anderen führten Testungen, die nicht korrekt ausgeführt werden, häufig zu einem falschen Ergebnis. Vor allem beim Nasenabstrich: „Wenn man Kindern nur mal mit dem Teststäbchen vor der Nase rumfuchtelt, wird man kein brauchbares Resultat erhalten.“ Kranke Schüler würden so nicht erkannt werden, selbst nicht solche mit einer hohen Viruskonzentration.

Fehlalarm und falsche Sicherheit

„Geht man dann wegen der negativen Testergebnisse davon aus, dass alle Kinder gesund sind, wird man automatisch auch bei den AHA-Regeln unvorsichtiger – das wiederum erhöht die Ansteckungsgefahr und die Pandemie kann sich weiter ausbreiten“, sagt Chefarzt Orth. „Aber auch falsche positive Testergebnisse führen immer wieder zu Fehlalarmen – und ganze Klassen werden fälschlicherweise in Quarantäne geschickt.“

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Nach Ansicht von Chefarzt Orth suggerieren die Schnelltests eine falsche Sicherheit. „Man müsste das große Angebot an Schnelltests außerdem unbedingt auch extern validieren und hinterfragen, ob sie überhaupt geeignet sind.“ Da habe man wild viele Schnelltests zugelassen, so der Labormediziner, der in diesem Zusammenhang von Goldgräberstimmung spricht. Um sichere Ergebnisse zu erhalten, plädiert Orth für die PCR-Tests. Das dauere zwar etwas länger, aber damit könne man „bereits in der Frühphase der Corona-Erkrankung die Viren zuverlässig nachweisen“.

Marburger Bunde gegen Laientests

Andreas Hammerschmidt, 2. Landesvorsitzender des Marburger Bundes Niederachsen, hält die Schnelltests für sinnvoll. Er weist darauf hin, dass in manchen Bundesländern – zum Beispiel in Sachsen-Anhalt – nur sogenannte Laientests verwendet werden. „Die sind viel weniger zuverlässig, müssten deshalb häufiger zum Einsatz kommen“, sagt der Mediziner und kritisiert auch die unterschiedliche regionale Herangehensweise.

„Deutschland braucht eine flächendeckende, klare Teststrategie für die Schulen“, fordert Hammerschmidt. Auch müsse klar geregelt sein, welche Konsequenzen es bei einem positiven Ergebnis gebe. „Um sicher zu sein, muss dann ein PCR-Test gemacht werden“, sagt Hammerschmidt.

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Lehrerverband gegen Freiwilligkeit

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sieht in den Schnelltests einen wichtigen Baustein, um den Ort Schule sicher zu machen. „Es fehlt allerdings noch an der ausreichenden Testmenge, um die Schüler mindestens zweimal pro Woche testen zu können.“ Damit die Aktionen überhaupt aussagekräftig sein könnten, müssten sie verpflichtend sein, fordert der Pädagoge.

Generell gebe es allerdings noch zahlreiche weitere Ungereimtheiten, erklärt Meidinger. „Lehrer dürfen heutzutage ihren Schülern auf Klassenfahrten nicht mal eine Kopfschmerztablette geben, nun sollen sie plötzlich Schnelltests durchführen.“ Da hätten einige Bedenken. „Zum Beispiel, dass es durch unsachgemäße Handhabung zu gesundheitlichen Schäden oder falschen Ergebnissen kommt.“

Für einheitliche Regelungen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes wünscht sich deshalb eine professionelle Begleitung der Schnelltests, zum Beispiel mit Unterstützung des Gesundheitsamts oder auch der Mithilfe von Eltern, die selbst Ärzte sind.

„Unklar ist auch an vielen Schulen, wie man mit positiven Ergebnissen umgehen soll“, meint Meidinger. Besonders wenn jüngere Kinder betroffen sind: „Man will ja niemanden vor den anderen Kindern bloßstellen. Außerdem stellt sich die Frage nach der Betreuung der kranken Schüler und dem Umgang mit dem Rest der Klasse.“ Da wären einheitliche Regelungen hilfreich.

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