Rückruf von Lebensmitteln: Was Verbraucher wissen müssen

  • Wegen Verunreinigungen oder falschen Produktangaben kommt es immer wieder zu Rückrufaktionen von Lebensmitteln.
  • Hersteller sind gesetzlich zur Warnung der Öffentlichkeit verpflichtet, wenn sie Keime oder Fremdkörper in ihren Produkten entdecken.
  • Die wichtigsten Informationen für Verbraucher im Überblick.
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Hannover. Keime in Wurst und Milch, Plastikteilchen im Toast oder Folie in Babybrei – kaum eine Woche vergeht, in der Verbraucher nicht von einer Rückrufaktion für Lebensmittel betroffen sind. Als Konsumenten sind Verbraucher auf transparente Informationen und eine zuverlässige Überwachung von Qualitäts- und Hygienestandards angewiesen.

Doch wer ist für die Überprüfung zuständig, wie können Verbraucher mangelhafte Produkte melden und was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Rückruf und einer Rücknahme?

Aktuelle Lebensmittelwarnungen und Rückrufaktionen im Überblick:

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- Fremdkörper im Kartoffelsalat

- Listerien in Salat von Aldi

- Krebsverdacht bei Säuglingsmilch

- Folienteilchen in Babybrei

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- Erhöhter Chlorat-Gehalt in Tiefkühlfisch

- Schimmel in Joghurt von Zott

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- Kunststoff in Lidl-Hackfleisch

- Bakterien in Milch

- Bakterien in französischem Käse

- Metallstücke in Röstzwiebeln

- Explosionsgefahr bei Apfelschorle von Kaufland

- Keimbelastete Wurst: Der Wursthersteller Wilke steht seit August im Zentrum einer der größten Lebensmittelskandale in Deutschland seit Jahren. Nach drei Todesfällen durch mit Listerien belastete Produkte des Herstellers wurden weltweit Waren zurückgerufen. Das Unternehmen musste die vorläufige Insolvenz anmelden.

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Wer ist für die Überwachung von Lebensmittelstandards zuständig?

Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die Sicherheit von Lebensmitteln beim Hersteller. Das regelt die EU-Verordnung "zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts" (VO (EG) Nr. 178/2002). Somit müssen die Unternehmen Sorge dafür tragen, dass sie keine Lebensmittel in den Verkehr bringen, die die Gesundheit oder Sicherheit der Verbraucher gefährden. Dafür werden interne Gefahrenanalysen und Kontrollen durchgeführt. Die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer überprüfen die Eigenkontrolle der Hersteller regelmäßig.

Wann gibt es einen Rückruf?

Lebensmittel- und Produktwarnungen informieren die Öffentlichkeit über Produkte, die ein Gesundheits- oder Sicherheitsrisiko für Verbraucher darstellen. Finden sich in Lebensmitteln beispielsweise Fremdgegenstände oder Verunreinigungen, sind Hersteller verpflichtet, die betroffenen Produkte zurückzunehmen oder zurückzurufen. Auch wenn Produkte unvollständig oder fehlerhaft beschrieben sind, können sie reklamiert werden.

Auch für Kosmetik, Reinigungs- und Pflegeprodukte, Kinderspielzeug und andere Bedarfsgegenstände können Produktwarnungen ausgesprochen werden. Finden sich in den Produkten Unreinheiten oder Mängel, müssen Hersteller diese vom Markt nehmen.

Rückruf oder Rücknahme – was ist der Unterschied?

Nicht immer kommt es zu einem Rückruf von Lebensmitteln und Produkten. Ist das unsichere Lebensmittel oder fehlerhafte Produkt noch nicht in Umlauf gebracht worden, erfolgt eine sogenannte Rücknahme durch den Hersteller. In diesem Fall fordert das Unternehmen seine Handelspartner auf, das Produkt aus dem Verkehr zu nehmen. Meist bekommen Verbraucher solche "stillen Rücknahmen" gar nicht mit.

Ist das Produkt bereits an Verbraucher verkauft worden, muss ein öffentlicher Rückruf erfolgen. Wie dieser erfolgt, ist nicht einheitlich festgelegt. Viele Geschäfte informieren ihre Kunden über Aushänge im Geschäft. Doch auch eine Veröffentlichung im Internet oder in der Presse ist üblich. Wichtig ist, dass der Rückruf die Verbraucher erreicht.

Wer kann Produkte oder Lebensmittel melden?

Prinzipiell können sich Verbraucher an das zuständige Lebensmittelüberwachungsamt wenden, wenn sie verunreinigte Lebensmittel finden. Alternativ kann auch der jeweilige Lebensmittelproduzent direkt kontaktiert werden.

Für den Rückruf zuständig ist der jeweilige Hersteller, Händler oder Inverkehrbringer.

Besteht ein Ersatzanspruch?

In der Regel ist der Händler der Ware, die zurückgerufen wurde, der erste Ansprechpartner für Kunden. Ein nicht einwandfreies Produkt kann im Geschäft entweder umgetauscht oder, sofern das nicht möglich ist, erstattet werden. Wichtig hierfür ist, dass der Kunde den Kauf und die Beeinträchtigung der Ware beweisen kann. Allerdings erstatten viele Hersteller Verbrauchern den Kaufpreis auch ohne Kassenbeleg.

Rückruf fehlerhafter Produkte und Lebensmittel: Wo gibt es eine Übersicht?

Für welche Produkte es aktuelle Rückrufaktionen gibt, kann auf einem Portal des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) überprüft werden. Fast täglich werden dort neue Produkte eingestellt, darunter Lebensmittel, Kosmetik und Bedarfsgegenstände. Hier erhalten Verbraucher unter anderen Informationen zu der genauen Produktbezeichnung, dem Grund der Warnung, dem Hersteller und den Bundesländern, in denen es einen Rückruf für das Produkt gibt.