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RKI zieht positive Bilanz zur Kontaktnachverfolgung: Corona-Warn-App so effektiv wie Gesundheitsämter

Die Corona-Warn-App mit der Seite zur Risikoermittlung ist im Display eines Smartphones zu sehen.

Pünktlich zum ersten Geburtstag der Corona-Warn-App (CWA) am 16. Juni haben das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und das Robert Koch-Institut (RKI) eine positive Zwischenbilanz gezogen. „Die Wirksamkeitsanalyse zeigt, dass die CWA hilft, Infektionsketten zu durchbrechen“, sagte BMG-Pressesprecher Sebastian Gülde dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Zuerst hatte Heise Online darüber berichtet. Mit aktuell 28,3 Millionen Downloads erfasst die App rund 35 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands (Stand: 11.06.21).

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Datenspenden und Befragungen

Möglich ist die Bilanz trotz anonymisierter und dezentraler Kontaktnachverfolgung durch freiwillige Datenspenden und eine Onlinebefragung gewesen. Dabei wurden Menschen, die eine „Erhöhtes Risiko“-Warnung bekommen hatten, zu einer freiwilligen Befragung im Zeitraum 4. März bis 27. Mai 2021 eingeladen. 26.000 Menschen nahmen dabei an der Basisbefragung, 15.000 an der Folgebefragung teil. Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie von der Warnung über einen riskanten Kontakt überrascht wurden.

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In der Folgebefragung gaben rund 87 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie einen Sars-CoV-2-Test infolge der CWA-Warnung haben durchführen lassen.

Mit den Daten aus Befragung und Datenspenden berechnete das RKI die Wirkung der App. Ausgehend von 4000 positiven Testergebnissen an einem bestimmten Tag folge daraus, dass zwischen 20.000 und 40.000 Nutzende gewarnt werden würden. Von diesen ließen sich zwischen 16.000 und 32.000 testen, was zwischen 1000 bis 2000 Corona-Infektionen zusätzlich aufdeckte.

Bis 230.000 positive Tests mehr – dank der Corona-Warn-App

Diese Schätzungen rechnete das RKI auf alle knapp 475.000 geteilten positiven Testergebnisse in der CWA hoch – und stellte fest, dass zwischen 110.000 bis 230.000 Nutzende nach einer roten Warnung positiv getestet wurden.

Die Ergebnisse erlauben eine erste Einschätzung über die Wirksamkeit der CWA, heißt es in dem Bericht des BMG und des RKI, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt. Es zeige sich, dass CWA-Nutzende häufig über die rote Warnung überrascht sind und infolgedessen Maßnahmen zur Vermeidung einer Weitergabe einer möglichen Infektion ergreifen würden.

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Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Testergebnisses sei bei CWA-Nutzenden mit roter Warnung gegenüber der Gesamtbevölkerung deutlich erhöht und entspreche etwa der Positivrate, die bei der analogen Kontaktnachverfolgung beobachtet werden kann. Die Erfassung der CWA ist also ähnlich wirkungsvoll wie die der Gesundheitsämter. „Die CWA leistet somit einen wichtigen Beitrag, um Infektionsketten zu unterbrechen“, heißt es in dem Bericht.

Ärzte in Gesundheitsämtern: Warnapp ist keine Hilfe

Kritik an der weiterhin mangelnden Funktionalität der App kommt hingegen vom Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes . „Es gibt nach wie vor keine Schnittstelle zwischen der Corona-Warn-App und den Gesundheitsämtern“, sagte Verbandsvorsitzende Ute Teichert dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Daher sei die App für die Arbeit in den Gesundheitsämtern keine Hilfe.

Auch bei der neuen Check-In-Funktion finde keine Datenübertragung an die Ämter statt, anders als bei der Luca App. „Die CWA ist nicht dafür konzipiert, die Ämter zu entlasten. Sie ist als System gedacht, das neben den Gesundheitsämtern besteht“, kritisierte Teichert weiter. Sie forderte: „Ich würde es begrüßen, wenn wir in den Ämtern Unterstützung durch ein digitales System bekommen würden, das die Daten von Kontaktpersonen digital einspielt.“

Lauterbach: „App besser als ihr Ruf“

Positiv zu den ersten Ergebnissen der Evaluation äußerte sich hingehen Karl Lauterbach: „Die Evaluation des RKI zur Corona-Warn-App zeigt, dass diese mehr als 100.000 Positive isolieren konnte. Das ist halb so viel wie ALLE Gesundheitsämter zusammen. Die App ist viel besser als ihr Ruf. Ich packe meinen Impfausweis darauf“, schrieb er auf Twitter.

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Die Analyse und Ergebnisse der Evaluation seien allerdings vorläufig und werden im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit differenziert ausgewertet. Dies solle im Herbst 2021 folgen.

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