RKI warnt vor “Erdrutsch” bei Lockerung der Corona-Maßnahmen

  • Deutschland ist bisher gut durch die Corona-Krise gekommen.
  • Doch das Robert-Koch-Institut sieht diesen Erfolg in Gefahr.
  • RKI-Vizepräsident Lars Schaade warnt vor voreiligen Lockerungen.
1:03 min
„Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden. Gerade im Hinblick auf die ersten Lockerungen. Diese dürfen jetzt nicht zu einem Erdrutsch an weiteren Lockerungen führen, die dann nach sich ziehen.“ sagte Lars Schaade, RKI-Vizepräsident am Freitag.  © Reuters
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Berlin. “Dass wir in Deutschland vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind, haben wir den Maßnahmen zu verdanken. Das muss auch so bleiben”, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Freitag. Es dürfe nicht zu einem Erdrutsch bei den Lockerungen kommen.

In Deutschland gebe es keinen Übersterblichkeitsanstieg wie in anderen Ländern, sagte Schaade. Von Übersterblichkeit spricht man, wenn etwa durch eine Epidemie mehr Menschen als üblich sterben. In europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien ist die Übersterblichkeit deutlich höher als bei einer Grippewelle. Allerdings, schränkte Schaade ein, werden diese Zahlen in Deutschland bisher nicht flächendeckend erhoben.

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“Nicht nachlässig werden”

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“In Deutschland konnten viele Todesfälle verhindert werden”, sagte Schaade. Das habe man den Maßnahmen zu verdanken. Er kritisiert, dass der Erfolg der Maßnahmen nun zu dem Paradox führe, dass sie jetzt infrage gestellt würden. Man dürfe “nicht nachlässig” werden. Mehr Kontakte hätten auch mehr Infektionen zur Folge. Im schlimmsten Fall sei die Situation nicht mehr beherrschbar.

Nach den Angaben der Gesundheitsministerien der Bundesländer gab es in Deutschland bis zum Freitagmorgen mehr als 153.000 Fälle von Coronavirus-Infektionen und knapp über 5500 Tote.

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Reproduktionszahl 0,9

Die Reproduktionszahl wird laut RKI wie an den beiden Vortagen auf 0,9 geschätzt. Das bedeutet, dass im Mittel fast jeder mit Sars-CoV-2 Infizierte einen weiteren Menschen ansteckt und die Zahl der Neuerkrankungen leicht zurückgeht.

Wie gut das Tragen von Alltagsmasken andere Menschen schütze, könne man nicht generell sagen, sagte Schaade. Es gebe aber Hinweise darauf, dass der medizinische Mund-Nasen-Schutz den Ausstoß von Tropfen behindern könne, auch bei anderen Stoffbarrieren gebe es dafür Hinweise. Vor einer Infektion schützten diese Masken den Träger jedoch nicht. Für einen lungengesunden Menschen sei das Tragen einer Maske im Bezug auf die Sauerstoffsättigung kein Problem. Die Masken sollten aber nur so lange getragen werden, bis sie feucht sind. Eine Gefahr, dass sie das Virus kultivierten, gebe es aber nicht.

Zudem empfiehlt das RKI, dass Menschen mit Atemwegsinfektionen generell getestet werden – egal, wie schwer diese ist.

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