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RKI-Studie aus Bad Feilnbach: 39,9 Prozent der Infizierten ohne Antikörper

  • “Corona-Monitoring lokal”: Die Ergebnisse von vier räumlich eng begrenzten Antikörperstudien des Robert-Koch-Instituts sollen neue Erkenntnisse über das Coronavirus liefern.
  • Nun veröffentlichte das RKI die Ergebnisse der zweite Studie.
  • Demnach waren bei vielen Infizierte keine Antikörper im Blut zu finden und mehr als jeder Zehnte hatte keine Symptome.
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Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim war eine der Gemeinden, die gleich zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland einen starken Anstieg zu verzeichnen hatten. Aus diesem Grund wurde der Ort als einer von vier Studienorten für das “Corona-Monitoring lokal” ausgewählt.

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Coronastudie des RKI: Großteil der Infizierten zeigt Symptome
2:01 min
Das Robert-Koch-Institut führt eine Reihe regionaler Studien durch und hat nun Ergebnisse aus einer bayerischen Kleinstadt veröffentlicht.  © Reuters

Am 23. Juni 2020, dem Datum der ersten Pressekonferenz in Bad Feilnbach, gab es 159 gemeldete Infektionen mit dem Coronavirus. Zwei Monate später ist die Zahl auf 161 gestiegen. Demnach gab es in der Zwischenzeit kaum weitere Infektionen.

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Dr. Claudia Santos-Hövener und Dr. Osamah Hamouda vom Robert-Koch-Institut stellten die Ergebnisse der Antikörperstudie nun vor. Insgesamt gab es eine große Teilnahmebereitschaft, 2153 Personen hatten an der Studie teilgenommen.

Die Haupterkenntnisse der Bad-Feilnbach-Studie

Wie auch in Kupferzell, dem ersten Studienort, gab es zum Testzeitpunkt keine akuten Infektionen, keiner der Rachenabstriche war positiv. Die Gesamtzahl der Infektionen lag in Bad Feilnbach nach offiziellen Meldungen bei 161.

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Nach Angaben des RKI haben 6,0 Prozent der erwachsenen Einwohner Bad Feilnbachs eine Infektion durchgemacht, das Verhältnis zwischen Frauen und Männern war nahezu identisch (6,0 und 6,1 Prozent). Jedoch konnten bei 39,9 Prozent der Infizierten keine Antikörper nachgewiesen werden. Santos-Hövener betonte jedoch, dass dies nicht automatisch bedeute, dass keine Immunität besteht. Es gebe inzwischen auch Erkenntnisse, dass der Körper eine Immunität zum Beispiel durch T-Zellen erhalten könne. Gerade der Fakt, dass rund 40 Prozent der Getesteten ohne Antikörper waren, sei interessant, so Santos-Hövener, jedoch dürfe man die Aussagekraft noch nicht überbewerten, da es sich bisher nur um einen Datenbestand von 42 Fällen handele.

Bei 14,5 Prozent der Personen mit positivem Antikörpernachweis verlief die Erkrankung nach Angaben der Infizierten asymptomatisch. Bei 85,5 Prozent war mindestens eines der Symptome wie Fieber, Atemnot, Kurzatmigkeit, Lungenentzündung, Schnupfen, Husten, Schmerzen beim Atmen, Halsschmerzen, Geruchs- oder Geschmacksstörung aufgetreten.

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Die Dunkelziffer lag den Untersuchungsergebnissen zufolge bei 2,6 – es wurden bei den mehr als 2000 Getesteten also mehr als doppelt so viele Infektionen nachgewiesen als bislang in Bad Feilnbach bekannt.

Auch wenn es in Bad Feilnbach zu Beginn einen Ausbruch in einem Pflegeheim gab, wurden vor allem bei Jüngeren Infektionen festgestellt. Dabei wies die Gruppe der 35- bis 59-Jährigen die geringste Ansteckungsrate auf, am höchsten war sie bei den 18- bis 34-Jährigen. Es gebe keine Person unter den Erkrankten, die älter als 60 und jünger als 5 Jahre war.

Entsprechend der zuletzt deutschlandweit gemachten Beobachtungen gehen auch im Landkreis Rosenheim viele Infektionsfälle auf Reiserückkehrer zurück, diese machten 70 Prozent der Fälle aus, erläuterte Hamouda. Jedoch betreffe das nicht nur den Urlaubsverkehr. Auch – oder vielmehr – Personen, die hier in Deutschland wohnen und arbeiten und auf Verwandten-Besuch gehen, würden das Virus durch ein erhöhtes Infektionsgeschehen in anderen Ländern einschleppen.

Bad Feilnbach im Vergleich zu Kupferzell

Der Anteil an Infizierten lag in Bad Feilnbach mit 6 Prozent etwas niedriger, in Kupferzell waren es 7,7 Prozent. Die Anzahl an Todesfällen hingegen ist in Bad Feilnbach höher (16 zu drei), was aber durch einen Ausbruch in einem Pflegeheim beeinflusst wird.

Auch schon in Kupferzell sorgte der Anteil der Infizierten ohne nachweisbare Antikörper für Aufsehen – er lag bei 28 Prozent. In Bad Feilnbach liegt der Anteil mit knapp 40 Prozent sogar noch höher. Das könne laut Santos-Hövener im späteren Erhebungszeitraum begründet liegen. Damit könnten sich also noch spannende Ergebnisse entwickeln, wie lange eine Immunität nach einer durchgemachten Infektion anhalten kann. Bei der ersten Veröffentlichung handelt es sich jedoch um Eckpunkte der Erkenntnisse, in den nächsten Wochen sollen noch weitere Untersuchungen folgen.

Über die Studie “Corona-Monitoring lokal”

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Das Robert-Koch-Institut untersucht vier besonders von Pandemie betroffene Orte in Deutschland, um Erkenntnisse in vier zentralen Fragen zu erhalten.

  1. Wie viele Menschen sind akut infiziert?
  2. Wie viele Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht?
  3. Welcher Anteil hat einen symptomatischen beziehungsweise asymptomatischen Verlauf?
  4. Wie hoch ist der Dunkelzifferfaktor?

Die ersten beiden Ergebnisse aus Kupferzell und Bad Feilnbach liegen schon vor. Ab September soll dann ein Monitoring in Straubing starten. Die vierte Gemeinde steht noch nicht fest.

Die Studienverantwortlichen betonten, dass eine direkte Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf andere Gemeinden nicht gegeben sei. Allerdings könnten in Summe der Ergebnisse allgemeine Erkenntnisse zum Virus gewonnen werden. Tiefergehende Informationen wie zum Beispiel dem sozioökonomischen Hintergrund der Befragten sollen planmäßig bis Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Nicht nur das “Corona-Monitoring lokal” wird vom RKI in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie an der Charité vorangetrieben. Es laufen noch drei weitere seroepidemiologische Untersuchungen: Eine Kita-Studie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugend-Institut, eine Untersuchung an Blutspendern dank der Hilfe von mehr als 30 Blutspendeinstituten und ein bundesweites Monitoring sind ergänzend zu den lokalen Studien zusammen mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Planung.

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