RKI sieht Corona-Reproduktionsrate wieder über dem kritischen Wert 1

  • Am Mittwoch hatte das RKI den Wert noch mit 0,65 angegeben.
  • Seitdem war die Reproduktionszahl stetig gestiegen.
  • Jetzt habe sie wieder den kritischen Wert von 1 überschritten.
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Berlin. Die Ansteckungsrate beim neuen Coronavirus ist in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wieder über die kritische Marke 1 gestiegen. Die sogenannte Reproduktionszahl liege mit Datenbestand 9. Mai 0:00 bei 1,10, wie das RKI in einem Situationsbericht schreibt. Der Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Das RKI hat immer wieder betont, um die Epidemie abflauen zu lassen, müsse die Reproduktionszahl unter 1 liegen.

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Am Mittwoch hatte das RKI den Wert noch mit 0,65 angegeben. Seitdem war die Reproduktionszahl stetig gestiegen.

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Das Institut teilte jedoch weiter mit: Wegen der statistischen Schwankungen, die durch die insgesamt niedrigeren Zahlen verstärkt würden, könne noch nicht bewertet werden, ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetzt – oder es zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen kommt. “Der Anstieg des geschätzten R-Wertes macht es erforderlich, die Entwicklung in den nächsten Tagen sehr aufmerksam zu beobachten”, schreibt das RKI.

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Verwirrungen um RKI-Zahlen

Das RKI berechnet R statistisch als Trend (Nowcasting). Dafür werden die Meldezahlen, welche vier Tage auseinanderliegen (so der definierte untersuchte Zeitraum), mit einer Rechen- und Schätz-Methode verglichen. Diesem Verfahren liegt den Angaben zufolge das in den jeweiligen Meldungen angegebene Erkrankungsdatum zugrunde – welches etwa zwei Wochen früher liegt.

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Zudem hatte das RKI in der vergangenen Woche bestimmte Parameter bei der Darstellungsweise der Nowcasting-Kurve R geändert. Die Berechnungsweise habe sich dadurch aber nicht verändert, hatte RKI-Präsident Lothar Wieler bei einem Presse-Briefing erklärt. Dennoch war es zu großen Verwirrungen gekommen, als die Reproduktionszahl von 1,0 innerhalb eines Tages auf 0,9 gesunken war.

Reproduktionszahl mit Vorsicht interpretieren

In ihrer “Unstatistik des Monats” sprachen Statistikexperten bei der Reproduktionzahl lediglich von einer “Schätzung mit einem nicht unerheblichen Schätzfehler, der bei der Bewertung der aktuellen Lage immer berücksichtigt werden muss”. Ebenso von Bedeutung seien die Dunkelziffer bei den Infektionen und sich ändernde Testkapazitäten.

Die Verfasser kommen zu dem Schluss: “So bedeutsam die Reproduktionszahl für die Einschätzung des Verlaufs der derzeitigen Pandemie auch ist, so vorsichtig sollte sie daher interpretiert werden.” Das gilt auch für die jetzt veröffentlichten Angaben des RKI.

Die Reproduktionszahl eigne sich “aufgrund der nach wie vor mangelhaften Datengrundlage nicht als zentrale oder gar einzige Entscheidungsgrundlage für die schwierige Frage, ob die derzeitigen Kontaktbeschränkungen gelockert werden können oder nicht”, heißt es von Seiten der Statistikexperten.

RND/dpa

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