RKI-Präsident Wieler: „Manche Kliniken können an ihre Grenzen kommen“

  • Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind erneut gestiegen.
  • Am Donnerstagmorgen meldete das Robert-Koch-Institut mehr als 22.600 Neuinfektionen.
  • RKI-Präsident Lothar Wieler warnte, dass die Lage weiterhin sehr ernst sei.
Laura Beigel
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Berlin. Der Anstieg der Corona-Neuinfektionen reißt nicht ab: Bis Donnerstagmorgen verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) 22.609 neue Fälle. Das sind rund 5000 Fälle mehr als noch am Vortag. Zum Vergleich: Eine Woche zuvor, am 12. November, hatte das RKI noch 21.866 Neuinfektionen gezählt.

„Die Lage ist weiterhin sehr ernst“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin. „Wir sind noch nicht über den Berg.“ Das Infektionsgeschehen in Deutschland scheine sich zwar zu stabilisieren, die Fallzahlen steigen nicht mehr so rasant. „Das ist eine gute Nachricht. Wir wissen aber nicht, ob das schon eine Trendwende ist.“

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Das RKI hält die aktuelle Lage für sehr ernst.
2:00 min
Trotz nach wie vor hoher Corona-Infektionszahlen macht das RKI einen Erfolg der zuletzt beschlossenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens aus.  © Reuters
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Wieler: Infektionen auf ein verträgliches Level bringen

Dennoch seien die Fallzahlen auf einem hohen Niveau, was zur Folge haben könnte, „dass manche Kliniken an ihre Grenzen kommen“. Patienten könnten dann nicht mehr richtig versorgt werden. Die Deutsche Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin zählte am Mittwoch mehr als 3500 Corona-Patienten, die in 1288 Krankenhäusern intensivmedizinisch behandelt werden müssen. 56 Prozent von ihnen werden künstlich beatmet.

Ziel müsse es sein, die Infektionszahlen auf ein Level zu bringen, mit dem „wir alle umgehen können“, machte Wieler deutlich. Er sei optimistisch, dass sich der Trend bei den Fallzahlen fortsetze, aber „selbst dann wird es dauern, bis wir dieses Level erreichen“. Der RKI-Präsident appellierte deshalb erneut an die Bevölkerung, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, Masken zu tragen, Kontakte zu reduzieren und bei coronatypischen Symptomen mindestens fünf Tage zu Hause zu bleiben.

Wieler lobte zudem die deutsche Strategie zur Bewältigung der Corona-Krise, mit der neue Fälle verhindert, Risikogruppen geschützt und die Auswirkungen der Pandemie abgemildert werden sollen. „Wir sind nicht machtlos gegen das Virus“, sagte er. „Wir sind alle von der Pandemie betroffen. Deshalb können wir sie nur gemeinsam bewältigen.“

Mehr als 13.300 Todesfälle registriert

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich laut RKI mehr als 855.000 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Unter den Infizieren seien inzwischen wieder mehr ältere Menschen, teilte Ute Rexroth, Leiterin des Lagezentrums am RKI, mit. Der Anstieg von Inzidenzfällen in den höheren Altersgruppen habe zur Folge, dass immer mehr Menschen in Kliniken behandelt werden müssen.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 beziffert die Behörde aktuell mit 13.370 – das sind 251 Fälle mehr als noch am Mittwoch. „Es kann sein, dass diese Woche insgesamt mehr als 1000 Todesfälle berichtet werden“, so Rexroth. Schätzungsweise 562.700 Menschen sind inzwischen wieder genesen.

Am Montag hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über die derzeitige Corona-Lage in Deutschland beraten sowie ein Zwischenfazit des Teil-Lockdowns gezogen. Statt die Maßnahmen weiter zu verschärfen, appellierten Bund und Länder an die Eigenverantwortung der Bürger. „Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut“, sagte Merkel bei der anschließenden Pressekonferenz. Am Mittwoch, den 25. November, wollen Bund und Länder erneut zusammenkommen.

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