• Startseite
  • Gesundheit
  • RKI-Chef zu Corona-Mutationen: „Wissen noch nicht, ob Geimpfte auch immun sind“

RKI-Chef zu Corona-Mutationen: „Wissen noch nicht, ob Geimpfte auch immun sind“

  • Seit Mitte Januar sinkt die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland.
  • Besorgt zeigt sich Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, jedoch über die neuen Mutationen.
  • Die genauen Eigenschaften der Coronavirus-Varianten seien noch nicht vollständig bekannt.
Laura Beigel
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Corona-Lage in Deutschland scheint sich allmählich zu entspannen. Seit Mitte Januar geht die Zahl der Neuinfektionen sichtbar zurück. Bis Freitagmorgen verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) 14.022 neue Fälle – das sind rund 3800 Fälle weniger als vergangene Woche. Auch bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz zeichnet sich ein Rückgang ab. Am Donnerstag lag sie erstmals seit Ende Oktober wieder unter der Schwelle von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Immer mehr Fälle mit neuen Corona-Varianten

Anzeige

„Wir verzeichnen gerade einen positiven Trend“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin. „Das reicht aber noch nicht. Wir wollen weiter runter mit den Zahlen.“ Die Fallzahlen zu reduzieren ist auch angesichts der sich ausbreitenden neuen Coronavirus-Varianten von Bedeutung. Denn bei hohen Inzidenzen ist das Risiko für Mutationen größer.

Nach Angaben von RKI-Präsident Lothar Wieler werden inzwischen „immer mehr Fälle und Ausbrüche“ mit den neuen Virusvarianten gemeldet, deren Eigenschaften noch größtenteils unbekannt seien. Zum Beispiel sei noch unklar, ob die Varianten gefährlicher sind als der Wildtyp von Sars-CoV-2. Und: „Wir wissen noch nicht, ob Geimpfte auch gegen die neuen Varianten immun sind“, so Wieler.

Anzeige

EMA entscheidet heute über Zulassung für Astrazeneca-Impfstoff

2,2 Prozent der deutschen Bevölkerung haben bisher eine Erstimpfung erhalten. Ziel sei es, allen über 80-Jährigen im ersten Quartal ein Impfangebot machen zu können, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. Er kündigte für heute ferner die Zulassung des Corona-Impfstoffes von Astrazenca an. Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema berät in diesen Stunden über das Vektor-Vakzin, das zuerst in Großbritannien zugelassen worden war.

Anzeige

Fraglich bleibt, ob der Astrazeneca-Impfstoff von der EMA für alle Altersgruppen zugelassen wird. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte am Donnerstag das Vakzin nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen. Grund für die Einschränkung sei, dass es noch „keine ausreichenden Daten“ zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren gebe.

Spahn: „Es liegen noch einige harte Wochen der Knappheit des Impfstoffes vor uns“

Bisher sind in Europa die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie Moderna zugelassen. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Spahn haben die Bundesländer inzwischen mehr als 3,5 Millionen Impfdosen erhalten. Davon seien 2,2 Millionen Dosen verimpft worden – rund 400.000 davon waren Zweitimpfungen.

„Der Start der Impfkampagne war schwierig“, räumte Spahn ein. Im ersten Quartal rechnet er mit rund zwölf Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer und Moderna. Sollte der Astrazeneca-Impfstoff zugelassen werden, wären wohl weitere drei Millionen Dosen verfügbar. Spahn stellte aber klar: „Es liegen noch einige harte Wochen der Knappheit des Impfstoffes vor uns.“

Anzeige

Paul-Ehrlich-Institut: Corona-Impfstoffe sind gut verträglich

Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bezeichnete die Corona-Impfstoffe als grandiosen wissenschaftlichen Erfolg. Ob die Vakzine auch vor den neu aufgetretenen Corona-Varianten schützen, werde aktuell sehr aktiv erforscht. Bisherige Preprint-Studien deuten zumindest darauf hin, dass die Impfstoffe gegen die Mutanten wirksam sind. Ansonsten biete die mRNA-Technologie die Möglichkeit, die Vakzine neu anzupassen. „Insgesamt sind wir da, glaube ich, sehr gut aufgestellt“, sagte Addo.

Auch hinsichtlich der Verträglichkeit gebe es keine schwerwiegenden Bedenken, teilte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, bei der Bundespressekonferenz mit. Die bisher beobachteten Reaktionen auf die Impfstoffe seien mehrheitlich mild bis moderat gewesen. „Insgesamt haben wir es mit Impfstoffen zu tun, die von Millionen Menschen sehr gut vertragen werden“, machte Cichutek deutlich.

Anzeige

Wieler: Corona-Maßnahmen bis Mitte Februar konsequent umsetzen

Eine weitere Waffe gegen die Virusvarianten bleiben die aktuellen Kontaktbeschränkungen. „Die Maßnahmen helfen gegen alle Varianten“, stellte RKI-Chef Wieler klar. Deshalb müssten die Corona-Regeln bis Mitte Februar konsequent durchgezogen werden. Er selbst ist Befürworter der von mehreren Wissenschaftlern konzipierten No-Covid-Strategie, die eine Sieben-Tage-Inzidenz von zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Deutschland anstrebt.

Sollte sich hingegen die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7 weiter in Deutschland ausbreiten, die nach bisherigen Erkenntnissen ansteckender als der Wildtyp von Sars-CoV-2 ist, könnte ein exponentieller Anstieg der Fallzahlen drohen. „Einen neuen starken Anstieg der Fallzahlen würden die Intensivstationen derzeit definitiv nicht verkraften“, warnte Wieler – und appellierte an die Bevölkerung: „Wir sind auf einem guten Weg und müssen diesen Weg weiter konsequent bestreiten.“

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen