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Studie: 22 Prozent der Weltbevölkerung mit einem Risikofaktor für schweren Covid-19-Verlauf

  • Forscher haben in einer Modellstudie geschätzt, wie hoch der Anteil der Bevölkerung mit einem Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf ist.
  • Eine von fünf Personen weist demnach eine Grunderkrankung vor, die einen schweren Verlauf begünstigt.
  • WHO und Robert Koch-Institut betonen, dass nicht eindeutig festgelegt werden könne, wer als Risikopatient gilt.
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22 Prozent der Weltbevölkerung haben laut einer neuen Modellstudie mindestens eine Grunderkrankung, durch die das Risiko steigt, schwerer an Covid-19 zu erkranken. In absoluten Zahlen wäre das eine von fünf Personen, global gerechnet insgesamt 1,7 Milliarden Menschen. Das geht aus einem Mitte Juni in der Fachzeitschrift “The Lancet” veröffentlichten Bericht hervor. Auch der Blick auf die Regionen zeigt Risiko-Unterschiede: Am höchsten ist den Forschern zufolge der Anteil der Bevölkerung mit erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf in Ländern mit älterer Bevölkerung, afrikanischen Ländern mit vielen HIV/AIDS-Erkrankungen und kleinen Inselstaaten mit vielen Diabetikern.

In ihren Modell-Berechnungen gehen die Forscher davon aus, dass sechs Prozent der Männer einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind, bei einer schweren Erkrankung in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden. Bei Frauen sind es drei Prozent. Vier Prozent der Weltbevölkerung müssten demnach bei einer schweren Covid-19-Infektion in ein Krankenhaus eingewiesen werden, in absoluten Zahlen sind das 349 Millionen Menschen.

Modellstudien helfen bei Kalkulation von Impfstoff-Bedarf

Um die Zahl der Personen mit einem erhöhten Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung festzustellen, haben die Forscher für 188 Länder Daten aus UN-Schätzungen und von der Global Burden of Disease Study (GBD) von 2017 genutzt. Diese beschreibt die Mortalität und Morbidität (also die Häufigkeit einer Erkrankung innerhalb einer Bevölkerungsgruppe) von schweren Krankheiten, Verletzungen und Risikofaktoren für die Gesundheit auf globaler, nationaler und regionaler Ebene. Für Covid-19 relevante Risikofaktoren wurden auf Basis von Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den öffentlichen Gesundheitsbehörden in Großbritannien und den USA definiert.

Die Forscher räumen ein, dass ihre Schätzungen unsicher seien und weitere Risikofaktoren wie die ethnische Zugehörigkeit, sozioökonomische Benachteiligungen und Fettleibigkeit ausklammert. Das Modell könne aber ein Ansatzpunkt sein, um die Zahl der Personen einschätzen zu können, die im Verlauf der Corona-Pandemie möglicherweise isoliert oder geimpft werden sollten.

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Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © Saskia Bücker/RND

Nicht eindeutig: Wer gehört zur Risikogruppe?

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Die Studie greift auf, was Mediziner und Wissenschaftler schon länger beobachten: Der Risikofaktor hängt nicht nur vom Alter ab, wie zu Beginn der Pandemie oft angenommen wurde. Das sagt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die davon ausgeht, dass rund 80 Prozent der Erkrankten sich ohne eine Behandlung in der Klinik von einer Infektion mit Sars-CoV-2 erholen.

“Ältere Menschen und solche mit zugrundeliegenden gesundheitlichen Problemen wie Bluthochdruck, Herz- und Lungenproblemen, Diabetes oder Krebs haben ein höheres Risiko, einen schwereren Krankheitsverlauf zu entwickeln”, heißt es auf der WHO-Homepage. “Trotzdem, jeder kann Covid-19 bekommen und ernsthaft erkranken.” Menschen jeden Alters, die Symptome wie Fieber, Husten, Atemwegsprobleme, Brustschmerzen, Verlust des Sprachvermögens oder Bewegung verspüren, sollten umgehend einen Arzt konsultieren.

RKI: Generelle Festlegung der Corona-Risikogruppe nicht möglich

Eine generelle Festlegung zur Einstufung in eine Risikogruppe sei nicht möglich, sagt auch das Robert Koch-Institut (RKI). Denn es gebe verschiedene Einflüsse, Grunderkrankungen und Kombinationsmöglichkeiten. “Schwere Verläufe sind eher selten, können aber auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet”, betont das RKI. Bei folgenden Personengruppen würden schwere Krankheitsverläufe häufiger beobachtet:

  • Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken. Da unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber die Antwort des Immunsystems auf eine Infektion sind, können diese im Alter schwächer ausfallen oder fehlen, wodurch Erkrankte dann auch erst später zum Arzt gehen.
  • Verschiedene Grunderkrankungen wie Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber, der Niere, Krebserkrankungen oder Faktoren wie Adipositas und Rauchen scheinen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu erhöhen.
  • Wenn bei älteren Menschen mehrere Grunderkrankungen vorliegen, könnte das Risiko höher sein als bei nur einer Grunderkrankung. Das nennt sich Multimorbidität.
  • Für Patienten mit unterdrücktem Immunsystem besteht ein höheres Risiko. Beispielsweise wenn aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, oder wegen Einnahme von Medikamenten wie Cortison, die die Immunabwehr unterdrücken.





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