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Reproduktionszahl: Wieso RKI und HZI unterschiedliche Werte melden

  • Bei der Berechnung der Reproduktionszahlen kommen das RKI und das HZI zu unterschiedlichen Ergebnissen.
  • Das liegt daran, dass beide Verfahren einen unterschiedlichen Schwerpunkt haben.
  • Im ersten Fall gehe es um das Melde- und Übermittlungsgeschehen, im zweiten um das vermutliche Erkrankungsgeschehen.
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Erlangen. Wegen unterschiedlicher Berechnungsweisen und entsprechend anderer Ergebnisse herrscht Verwirrung um die sogenannte Reproduktionszahl in der Corona-Krise für Bayern. Ministerpräsident Markus Söder hatte am Montag nach einer Sitzung des CSU-Vorstands den Wert von 0,57 genannt. FDP-Fraktionschef Martin Hagen forderte unter anderem auf dieser Grundlage eine Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie.

Doch die Zahl passt nicht zu dem vom Robert Koch-Institut (RKI) in den vergangenen Tagen genannten bundesweiten Wert von rund 0,9. Hintergrund ist, dass verschiedene Berechnungsansätze verwendet wurden, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen nun erklärte.

Demnach schätzte das RKI zum Beispiel am 26. April die Reproduktionszahl (Stand 22.4.) für Bayern auf 0,9. Nach der Berechnungsweise, auf die sich Söder bezog, lag R hingegen bei nur 0,57 (Datenstand 23.4.). Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg beziehen sich hingegen bei den verkündeten Werten stets auf die vom RKI gewählte Rechenart.

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RKI und HZI: Unterschiedliche Schwerpunkte

Die Berechnung der Reproduktionsrate ist wegen verschiedener Faktoren und Schätzungen komplex. Zudem gibt es verschiedene Berechnungsansätze, wie ein LGL-Sprecher erläuterte:

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Das RKI berechnet R demnach statistisch als Trend (Nowcasting). Dafür werden die Meldezahlen, welche vier Tage auseinanderliegen (so der definierte untersuchte Zeitraum), mit einer Rechen- und Schätz-Methode verglichen. Diesem Verfahren liegt den Angaben zufolge das in den jeweiligen Meldungen angegebene Erkrankungsdatum zugrunde - welches etwa zwei Wochen früher liegt. Zu beachten ist dabei außerdem: Am Mittwoch hat das RKI bestimmte Parameter bei der Darstellungsweise der Nowcasting-Kurve R geändert. Die Berechnungsweise habe sich dadurch aber nicht verändert, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler bei einem Presse-Briefing am Donnerstag. Die Darstellung der Nowcasting Kurve R lag mit Datenstand 29. April damit bei 0,75, der Wert vom Tag zuvor hatte - nach alter Rechenweise - noch bei 0,9 gelegen.

Nach einem Ansatz des Helmholtz-Zentrums für Infektiologie (HIZ) in Braunschweig und der Ludwig-Maximilians-Universität München wird R den Angaben nach hingegen infektionsepidemiologisch anhand typischer Krankheitsverläufe modelliert. Diese Schätzung gibt den Wert R für den Tag an, an dem die Meldezahlen beim RKI verfügbar sind. Das HIZ kam so nach LGL-Angaben auf den weitaus niedrigeren Wert von 0,57 (Datenstand: 23. April).

Rechenwege und Einflussfaktoren werden zu wenig kommuniziert

Beide Verfahren hätten einen unterschiedlichen Schwerpunkt, macht das LGL deutlich: Im ersten Fall gehe es um das Melde- und Übermittlungsgeschehen, im zweiten um das vermutliche Erkrankungsgeschehen. In Bayern würden beide Berechnungen beobachtet und verwendet. Die Krux dabei ist, dass - etwa bei Pressekonferenzen - die genauen Rechenwege und Einflussfaktoren oft kaum kommuniziert werden.

RND/dpa

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