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Reisebeschränkungen für Großbritannien und Portugal gelockert: Welche Auswirkungen hat das auf Deutschland?

  • Für Portugal und Großbritannien wurden die Reisebeschränkungen gelockert.
  • Beide Länder gelten nun nicht mehr als Virusvariantengebiete, obwohl dort weiterhin die Delta-Variante vorherrscht.
  • Für das Pandemiegeschehen in Deutschland spielen Reiserückkehrende derzeit wohl nur eine untergeordnete Rolle.
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Die Reisebeschränkungen für Großbritannien und Portugal wurden herabgestuft. Genau wie Indien, Nepal und Russland gelten sie nun nicht mehr als Virusvariantengebiete: Urlaubsreisen in diese Länder sind nun wieder leichter möglich, weil bei der Rückkehr weniger Auflagen drohen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits am vergangenen Freitag nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Boris Johnson angekündigt, dass Großbritannien bald nicht mehr als Virusvariantengebiet gelten solle.

Reiserückkehrende aus einem Virusvariantengebiet sind in Deutschland grundsätzlich zu einer 14-tägigen Quarantäne verpflichtet, das gilt auch für Geimpfte oder Genesene. Für Einreisende aus einem solchen Gebiet, die keine deutschen Staatsangehörigen sind, gilt zudem ein Beförderungsverbot: Sie dürfen nur in ganz bestimmten Fällen mit Bus, Bahn oder Flugzeug nach Deutschland gebracht werden.

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Großbritannien und Portugal und die anderen genannten Länder gelten nun aber nur noch als Hochinzidenzgebiet. Das Beförderungsgebiet entfällt damit. Nach der Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet müssen Geimpfte oder Genesene zudem nicht in Quarantäne und Ungeimpfte können sich nach fünf Tagen aus der Quarantäne „freitesten“ lassen.

Delta-Variante auch in Deutschland bald vorherrschend

Ursprünglich hatten sämtliche Länder als Virusvariantengebiet gegolten, in denen die Delta-Variante B.1.617.2 des Coronavirus vorherrschend ist. In Deutschland war diese zunächst noch deutlich seltener vorgekommen und eine weitere Ausbreitung des Erregers hatte verhindert werden sollen. Allerdings ist die Delta-Variante auch in Deutschland inzwischen für einen großen Anteil der Neuinfektionen verantwortlich.

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Dem aktuellen Virusvariantenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge wird B.1.617.2 mittlerweile in 37 Prozent der untersuchten Proben nachgewiesen, der Anteil ist damit zehnmal höher als noch Anfang Juni. Laut RKI ist nun damit zu rechnen, dass Delta auch hierzulande bald die dominierende Variante sein wird. Weil sich das mutierte Virus aber längst innerhalb Deutschlands ausgebreitet hat, spielen eingeschleppte Fälle aus dem Ausland kaum noch eine Rolle für das Infektionsgeschehen.

Einreisestopps konnten Ausbreitung von Alpha nicht verhindern

Die Verbreitung neuer Varianten scheint sich durch Reisebeschränkungen kaum verhindern zu lassen, das hatte sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt. So hatten im Dezember 2020 etliche Länder Einreisestopps gegen Großbritannien verhängt, als dort die Alpha-Variante B.1.1.7 (ursprünglich deshalb britische Variante genannt) des Virus festgestellt worden war. Bald darauf war Alpha auch in Deutschland zur vorherrschenden Variante geworden – scheint nun aber von Delta abgelöst zu werden.

Andere Varianten wie Beta (B.1.351) und Gamma (P.1), die zunächst in Südafrika und Brasilien aufgetreten waren, sind zwar auch nach Deutschland gelangt, konnten sich dort aber nie ausbreiten. Sie werden nur in etwa 1 Prozent der untersuchten Proben festgestellt. Brasilien und Südafrika, wo diese Varianten dominieren, werden weiterhin als Virusvariantengebiete eingestuft.

Ausbreitung innerhalb Deutschland spielt größere Rolle

Auch für Hochinzidenzgebiete gilt offiziell weiterhin eine Reisewarnung durch das auswärtige Amt. In Portugal und Großbritannien liegt die Sieben-Tages Inzidenz bei über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. So hoch war die Inzidenz in Deutschland zuletzt im Dezember.

Allerdings ist das Pandemiegeschehen nicht mit dem in früheren Wellen vergleichbar. Denn wie die Zahlen aus Großbritannien und Portugal zeigen, kommt es dort trotz vergleichsweise hoher Fallzahlen zu immer weniger schweren Verläufen und kaum noch zu Todesfällen. In ganz Großbritannien sterben derzeit pro Tag 18 Personen an oder mit dem Coronavirus, in Portugal vier. Großbritannien hatte deshalb auch beschlossen, trotz steigender Infektionszahlen bald sämtliche Corona- Beschränkungen aufzuheben.

Für Reiseverkehr gelten weiter Beschränkungen

Dass der Reiseverkehr zwischen Deutschland, Großbritannien und Portugal nennenswerten Einfluss auf die Infektionszahlen hat, ist nicht unbedingt zu erwarten – auch deshalb nicht, weil ja weiterhin Beschränkungen gelten. Zwar könnten die aktuell niedrigen Inzidenzen durch die Ausbreitung der leichter übertragbaren Delta-Variante auch in Deutschland wieder etwas steigen. Das wäre dann aber wohl vor allem auf die Übertragung des Erregers innerhalb Deutschlands zurückzuführen.

Wie auch in Portugal und Großbritannien wäre dann mit keinem drastischen Anstieg der schweren Verläufe und Todesfälle zu rechnen. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, verwies im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland darauf, dass Delta ansteckender, wohl nicht wesentlich gefährlicher als die bisherigen Varianten sei. Es könne durchaus sein, dass die Infektionszahlen wieder hochgehen. Es gebe bisher aber „keine fundierten Hinweise darauf, dass dadurch auch der Anteil der schweren Erkrankungen wieder steigt“, da Geimpfte grundsätzlich gut geschützt seien.

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